den Schloßbauberg , zwei Kurfürstenberge ( den großen und den kleinen ) , den Plaueschen , den Mösenschen , den Potsdamschen . Die drei letztgenannten liegen wüst , sind tot . Die andern sind noch in Betrieb . Ihre Namen deuten auf ihre früheren Besitzer . Berlin-Kölln , Brandenburg , Potsdam , Kaputh , Schönebeck hatten ihre Lehmberge , der Invalidenberg gehörte dem Invalidenhause usw. Diese Besitzverhältnisse existieren nicht mehr . Jene Ortschaften haben sich längst ihres Eigentums entäußert , das inzwischen in die Hände einiger Ziegellords übergegangen ist . Die meisten sind in den Händen der Familie Fritze . Der Lehm in diesen Bergen ist sehr mächtig . Nach Wegräumung einer Oberschicht , » Abraum « genannt , von etwa dreißig Fuß Höhe , stößt man auf das Lehmlager , das oft eine Tiefe von achtzig bis hundert Fuß hat . Der Lehm ist schön und liefert einen guten Stein , aber doch keinen Stein ersten Ranges . Die Hauptbedeutung dieser Lager ist ihre Mächtigkeit , annähernd ihre Unerschöpflichkeit . Dabei mag als etwas Absonderliches hervorgehoben werden , daß sich in diesen Lehmlagern Bernstein findet und zwar in erheblicher Menge . Die meisten Stücke sind haselnußgroß und somit ohne besonderen Wert , es finden sich aber auch Stücke von der Größe einer Faust , dabei sehr schön , die bis zu fünfundzwanzig Talern verkauft werden . Wer solch Stück findet , hat einen Festtag . So viel über die Lehmberge des Innenreviers . Ganz anders ist das Auftreten der Lager im Außenrevier jenseit der Havel . Der dort vorkommende Lehm ist sogenannter Wiesenlehm , der nur sechs Fuß unter der Rasenoberfläche liegt , aber auch selber nur in einer Schicht von sechs bis acht Fuß auftritt . Er ist wegen des geringen » Abraums « , der fortzuschaffen ist , leichter zugänglich ; all diese Lager sind aber verhältnismäßig leicht erschöpft , auch ist das Material nicht voll so gut . Dieser Unterschied im Material – wie mir alte Ziegelbrenner versicherten – ist übrigens viel bedeutungsloser als gewöhnlich angenommen wird . Wie bei so vielem in Kunst und Leben kommt es darauf an , was Fleiß und Geschick aus dem Rohmaterial machen . Das Beste kann unvollkommen entwickelt , das Schwächste zu einer Art Vollkommenheit gehoben werden . So auch beim Ziegelbrennen . Die berühmtesten Steine , die hierzulande gebrannt werden , sind die » roten Rathenower « und die » gelben Birkenwerderschen « . Aber was ihnen ihre Vorzüglichkeit leiht , ist nicht das Material , sondern die Sorglichkeit , die Kunst , mit der sie hergestellt werden . Jedem einzelnen Stein wird eine gewisse Liebe zugewandt . Das macht ' s. Der Birkenwerdersche Ton beispielsweise ist unscheinbar , aber geschlemmt , gesäubert , gemahlen wird er zu einem allerdings feinen Materiale entwickelt , und die Art des Streichens und Brennens macht ihn schließlich zu etwas in seiner Art Vollendetem . Man geht dabei so weit , daß die Messer beim Formen des Steines jedesmal geölt werden , um dem Ziegel dadurch die Glätte , Ebenheit und Schärfe zu geben , die ihn auszeichnet . Auch in Glindow und seinen Dependenzien wird ein vorzüglicher Stein gebrannt , aber dennoch nicht ein Stein , der den Rathenowern und Birkenwerderschen gleichkäme . Die Herstellung im Dorfe Glindow selbst erfolgt durch etwa fünfhundert Arbeiter aller Art. Wir unterscheiden dabei : fremde Ziegelstreicher , einheimische Ziegelstreicher und Tagelöhner . Über alle drei Kategorien ein Wort . Fremde Ziegelstreicher werden hier seit lange verwandt . Die einheimischen Kräfte reichen eben nicht aus . Früher waren es » Eichsfelder « , die kamen , und hier , ähnlich wie die Warthebruch-Schnitter oder Linumer Torfgräber , eine Sommerkampagne durchmachten . Aber die » Eichsfelder « blieben schließlich aus oder wurden abgeschafft , und an ihre Stelle traten die » Lipper « . Diese behaupten noch jetzt das Feld . Die Lipper , nur Männer , kommen im April und bleiben bis Mitte Oktober . Sie ziehen in ein massives Haus , das unten Küche , im ersten Stock Eßsaal , im zweiten Stock Schlafraum hat . Sie erheben gewisse Ansprüche . So muß jedem ein Handtuch geliefert werden . An ihrer Spitze steht ein Meister , der nur Direktion und Verwaltung hat . Er schließt die Kontrakte , empfängt die Gelder und verteilt sie . Die Arbeit ist Akkordarbeit , das Brennmaterial und die Gerätschaften werden sämtlich geliefert , der Lehm wird ihnen bis an die » Sümpfe « gefahren ; der Ofen ist zu ihrer Disposition . Alles andere ist ihre Sache . Am Schlusse der Kampagne erhalten sie für je tausend fertig gebrannte Steine einzweidrittel bis zwei Taler . Die Gesamtsumme bei acht bis zehn Millionen Steine pflegt bis 15000 Taler zu betragen . Diese Summe wird aber schwer verdient . Die Leute sind von einem besonderen Fleiß . Sie arbeiten von drei Uhr früh bis acht oder selbst neun Uhr abends , also nach Abzug einer Eßstunde immer noch nah an siebzehn Stunden . Sie verpflegen sich nach Lipper Landessitte , d.h. im wesentlichen westfälisch . Man darf sagen , sie leben von Erbsen und Speck , die beide durch den » Meister « aus der lippeschen Heimat bezogen werden , wo sie diese Artikel besser und billiger erhalten . Mitte Oktober treten sie , jeder mit einer Überschußsumme von nahezu hundert Talern , den Rückweg an und überlassen nun das Feld den einheimischen Ziegelstreichern . Die Einheimischen arbeiten ebenfalls auf Akkord , aber unter ganz anderen Bedingungen . Sie erhalten nicht die ganze Arbeit , sondern die Einzelarbeit bezahlt und stehen sich dabei nicht erheblich schlechter als die Lipper . Während der Sommermonate teilen sie den Arbeitsplatz mit den letzteren derart , daß die Lipper zur Rechten , die Einheimischen zur Linken ihre Ziegel streichen . So weit sind sie den Lippern ebenbürtig . Darin aber stehen sie hinter diesen zurück , daß diese das Recht haben , ihre Ziegel zuerst zu brennen . Mit andern Worten , solange die Sommerkampagne dauert , gehört der Ofen ausschließlich den Lippern und erst wenn diese fort sind , ziehen die Einheimischen mit den vielen Millionen Ziegeln , die sie inzwischen gestrichen und getrocknet haben , auch ihrerseits in den Ofen ein . Die dritte Gruppe von Beschäftigten sind die Tagelöhner . Sie arbeiten auf Tagelohn , erhalten täglich acht Silbergroschen der Mann ( sechs Silbergroschen die Frau ) und bilden die Unterschicht einer Gesellschaft , in der die Ziegelstreicher , wie eine mittelalterliche Handwerkszunft , die Oberschicht bilden . Sie sind bloße Handlanger , Aushilfen für den groben Dienst , der keine » Kunst « verlangt , und erheben sich nach Erscheinung und allgemeiner Schätzung wenig über ein dörfliches Proletariat , das denn auch meistens in Familienhäusern untergebracht zu werden pflegt . Dies führt mich auf die Gesundheitsverhältnisse dieser Ziegelbrennerdistrikte . Die Berichte darüber gehen sehr auseinander und während von einer Seite her – beispielsweise von Potsdamer Hospitalärzten – versichert wird , daß dieser stete Wechsel von Naßkälte und Glühofenhitze die Gesundheit früh zerstöre , versichern die Glindower Herren , daß nichts abhärtender und nichts gesunder sei , als der Ziegeldienst in Glindow . Personen zwischen siebzig und achtzig Jahren sollen sehr häufig sein . Die Streitfrage mag übrigens auf sich beruhen . Sie scheint uns so zu liegen , daß dieser Dienst eine angeborene gute Gesundheit und gute Verpflegung verlangt , – sind diese Bedingungen erfüllt , so geht es ; die kümmerliche Tagelöhnerbevölkerung aber , die » nichts drin , nichts draußen « hat und zum Teil von einem elenden Elternpaar geboren und großgezogen wurde , geht allerdings früh zugrunde . Der Gesamtziegelbetrieb ist , soweit Glindow selbst in Betracht kommt , in Händen weniger Familien : Fritze , Hintze , Fiedler ; etwa neun große Öfen sind im Gange . Die Gesamtmasse produzierter Steine geht bis sechzehn Millionen , früher ging es über diese Zahl noch hinaus . Die Summen , die dadurch in Umlauf kommen , sind enorm . 1 000 Steine = 8 Taler ; also sechzehn Millionen ( 1 000 mal 8 mal 16 ) = 128 000 Taler . Dies auf wenige Familien verteilt , muß natürlich einen Reichtum erwarten lassen und in der Tat ist er da . Aber wie in Werder , so ist doch auch hier in Glindow dafür gesorgt , daß Rückschläge nicht ausbleiben , und es gibt Zeitläufe , wo die Fabriken mit Schaden arbeiten . Überall im Lande wachsen die Ziegelöfen wie über Nacht aus der Erde und die Konkurrenz drückt die Preise . Die Zeiten , wo tausend Steine fünfzehn Taler einbrachten , sind vorläufig dahin , man muß sich , wie schon angedeutet , mit acht und selbst mit siebeneinhalb begnügen . Nun berechne man die Zinsen des Erwerbs- und Betriebskapitals , das Brennmaterial , den Lohn an die Erdarbeiter , die Ziegelstreicher ( zwei Taler ) und die Tagelöhner , endlich die Kahnfracht ( ebenfalls eineinhalb Taler ) , so wird sich ergeben , daß von diesen acht Talern für je tausend Steine nicht viel zu erübrigen ist . Die Hauptsorge machen immer die Schiffer . Sie bilden überhaupt , wie jeder weiß , der mit ihnen zu tun hatte , eine der merkantil gefährlichsten Menschenklassen . Mit erstaunlicher List und Aushorchekunst wissen sie in Erfahrung zu bringen , welche Kontrakte die Ziegelbrenner mit diesem oder jenem Bauunternehmer der Hauptstadt abgeschlossen haben . Lautet der Kontrakt nun etwa dahin : » Die Steine müssen bis Mitte Oktober abgeliefert sein « , so hat der Schiffer den Ziegelbrenner in der Hand ; er verdoppelt seine Forderungen , weil er weiß , er kann es wagen , der Ziegelbrenner muß zahlen , wenn er nicht der ganzen Einnahme verlustig gehen will . Die glänzende Zeit dieses Betriebes ist vorüber , 43 genau seit jener Epoche , wo die Ziegelbrennerei einen neuen Aufschwung zu nehmen schien , seit Einführung der Ringöfen . Der Ringofen verbilligte die Herstellung des Steins ; die ersten , die sich seiner bedienten , hatten enorme Verdienste ; jetzt , wo ihn jeder hat , hat er die Produktion zwar gefördert , aber der Wohlhabenheit nur mäßig genützt . Der Ringofen hat den alten Ziegelofen , wenige Ausnahmen abgerechnet , total verdrängt , und in Erwägung , daß diese Kapitel nicht bloß auf dem Lande , sondern auch von Städtern gelesen werden , die nur allzu selten Gelegenheit haben , Einblick in solche Dinge zu gewinnen , mag es mir gestattet sein , einen Ringofen , seine Eigentümlichkeiten und seine Vorteile zu beschreiben . Der Ringofen hat seinen Namen von seiner Form ; er ist ein Rundbau . Seiner Einrichtung nach könnte man ihn einen Kammer- oder Kapellenofen nennen ; seiner Haupteigenschaft nach aber ist er ein Sparofen . Er spart Feuerung . Wir kommen darauf zurück . Zunächst seine Form und Einrichtung . Um beide zu schildern , greifen wir nach einem Bilde , das vor einigen Jahren , als es galt das Pariser Ausstellungsgebäude anschaulich zu beschreiben , vielfach gebraucht wurde . Wir modifizieren es nur . Denken wir uns also eine gewöhnliche runde Torte , aus der wir das Mittel-oder Nußstück herausgeschnitten und durch eine schlanke Weinflasche ersetzt haben , so haben wir das getreue Abbild eines Ringofens . Denken wir uns dazu die Torte in zwölf gleich große Stücke zerschnitten ; so haben wir auch die Einrichtung des Ofens : sein Zwölfkammersystem . Die in der Mitte aufragende Weinflasche ist natürlich der Schornstein . Das Verfahren ist nun folgendes . In vier oder fünf der vorhandenen , durch Seitenöffnungen miteinander verbundenen Kammern werden die getrockneten Steine eingekarrt , in jede Kammer zwölftausend . Ist dies geschehen , so wird die Gesamtheit der erwähnten vier oder fünf Kammern durch zwei große Eisenschieber , der eine links , der andere rechts , von dem Reste der Kammern abgesperrt . Nun beginnt man in Kammer eins ein Feuer zu machen , nährt es , indem man von oben her durch runde Löcher ein bestimmtes Quantum von Brennmaterial niederschüttet 44 und hat nach vierundzwanzig Stunden die zwölftausend Steine der ersten Kammer völlig gebrannt . Aber ( und darin liegt das Sparsystem ) während man in Kammer eins eine für zwölftausend Steine ausreichende Rotglut unterhielt , wurden die Nachbarsteine in Kammer zwei halb , in Kammer drei ein Drittel fertig gebrannt und die Steine in Kammer vier und fünf wurden wenigstens » angeschmoocht « , wie der technische Ausdruck lautet . Die Steine in Kammer zwei , die nun am zweiten Tage unter Feuer kommen , brauchen natürlich , halb fertig , wie sie bereits sind , ein geringeres Brennmaterial , um zur Perfektion zu kommen , und so geht es weiter ; wohin immer das Feuer kommt , findet es zwölftausend Steine vor , die bereits drei Tage lang und zwar in wachsender Progression durch eine Feuerbehandlung gegangen sind . Der eine ( vorderste ) Eisenschieber rückt jeden Tag um eine Kammer weiter , der andere Eisenschieber , vom entgegengesetzten Flügel her , folgt und gibt dadurch die Kammer frei , in der am Tage zuvor gebrannt wurde . So vollzieht sich ein Kreislauf . In die leeren Kammern bevor der Schieber sie in den Feuerrayon hineinzwingt , wird eingekarrt , aus den im Feuer gewesenen , vom Schieber frei gegebenen Kammern wird ausgekarrt . Der Prozeß , solange die Brennkampagne dauert , ist ohne Ende ; das Feuer rückt von Kammer zu Kammer , bis es herum ist und beginnt dann seinen Kreislauf von neuem . Der Vorteil liegt auf der Hand . Er steigt aber insonderheit auch noch dadurch , daß der Ringofen in seinen Feueransprüchen nicht wählerisch ist . Er frißt alles . Jedes Material dient ihm : Holz , Torf , Braunkohle , alles hat einen gleichen oder doch einen verwandten Wert und das billigste Material behauptet sich neben dem teuersten . Die Ziegelbrennerei ist dadurch in eine ganz neue Phase getreten zum Vorteil der Bauunternehmer , die seitdem die Steine für den halben Preis erstehen , aber wenig zum Vorteil der alten Ziegelbrennerfirmen , die , ehe die Dinge diese modern-industrielle Behandlung und Ausnutzung erfuhren , sich besser standen . Wobei übrigens auch noch bemerkt sein mag , daß die besten Steine , beispielsweise die Rathenower und Birkenwerderschen , nach wie vor in den Ziegelöfen alter Konstruktion gebrannt werden . Der Ringofen hat keine andern Vorzüge , als daß er ein Sparofen ist . Solcher Ringöfen hat Glindow selbst , wie wir schon hervorgehoben , etwa neun , der Distrikt Glindow aber mit seinem Innen- und Außenrevier wohl mehr denn fünfzig . Daß sie der Landschaft zu besonderer Zierde gereichen , läßt sich nicht behaupten . Der Fabrikschornstein mag alles sein , nur ein Verschönerungsmittel ist er nicht , am wenigsten wenn er schön tut , wenn er möchte . Und wie dieser reiche Betrieb , der unbestreitbar trotz Stillstände und Rückschläge ein sich steigerndes Prosperieren einzelner oder selbst vieler geschaffen hat , die Landschaft nicht schmückt , so schmückt er auch nicht die Dörfer , in denen er sich niedergelassen hat . Er nimmt ihnen ihren eigentlichen Charakter , in richtigem unsentimentalen Verstande ihre Unschuld und gibt ihnen ein Element , dessen Abwesenheit bisher , und wenn sie noch so arm waren , ihr Zauber und ihre Zierde war , – er gibt ihnen ein Proletariat . Ob dasselbe städtisch oder dörfisch auftritt , ob es mehr verbittert oder mehr elend ist , sind Unterschiede , die an dem Traurigen der Erscheinung nicht viel zu ändern vermögen . Auch Dorf Glindow hat von diesem allem sein geschüttelt Maß . An und für sich ausgestattet mit dem vollen Reiz eines havelländischen Dorfes , hingestreckt zwischen See und Hügel , schieben sich doch überall in das alt-dörfliche Leben die Bilder eines allermodernsten frondiensthaften Industrialismus hinein , und die schönen alten Bäume , die mit ihren mächtigen Kronen so vieles malerisch zu überschatten und zu verdecken verstehen , sie mühen sich hier umsonst , diesen trübseligen Anblick dem Auge zu entziehen . Am See hin , um die Veranden der Ziegellords rankt sich der wilde Wein , Laubengänge , Clematis hier und Aristolochia dort , ziehen sich durch den Parkgarten , Tauben stolzieren auf dem Dachfirst oder umflattern ihr japanisches Haus , – aber diese lachenden Bilder lassen die Kehrseite nur um so dunkler erscheinen : die Lehmstube mit dem verklebten Fenster , die abgehärmte Frau mit dem Säugling in Loden , die hageren Kinder , die lässig durch den Ententümpel gehen . Es scheint , sie spielen ; aber sie lachen nicht ; ihre Sinne sind trübe wie das Wasser , worin sie waten und plätschern . Fußnoten 1 Darüber , wo Rethra oder Ratare stand , schwebt noch immer der Streit . Man nennt folgende Orte : Stargard ( Mecklenburg ) , Malchin , Röbel ( am Müritzsee ) , Rhesa , Strelitz , Prillwitz , Kuhschwanz . Der letztere Ort , unpoetischen Klanges , hat zur Zeit die größten Chancen , als › Rethra « anerkannt zu werden . 2 Von dieser Schlacht bei Lunkini ( Lenzen ) findet sich in » Widukinds sächsischen Geschichten « eine ausführliche Beschreibung . Die Christen belagerten Lunkini , als die Nachricht eintraf , daß ein großes Wendenheer zum Entsatz der bedrängten Festung heranrücke und während der Nacht das Lager der Christen überfallen wolle . Ein furchtbares Unwetter indes , heftige Regengüsse hinderten den Angriff des Feindes . So kam der Morgen , und die Christen schickten sich nun ihrerseits zum Angriff an . Die Zahl der Wenden war so groß , daß , als die Sonne jetzt hell auf die durchnäßten Kleider der hunderttausend Wenden schien , ein Dampf zum Himmel aufstieg , der sie wie in eine Nebelwolke hüllte , während die Christen in hellem Sonnenlicht heranzogen und ob dieser Erscheinung voll Hoffnung und Zuversicht waren . Nach hartem Kampfe flohen die Wenden ; da ihnen aber eine Abteilung den Weg verlegt hatte , so stürzten sie einem See zu , in dem Unzählige ertranken . Die Chronisten geben das Wendenheer auf 200000 Mann an . » Die Gefangenen wurden alle , wie ihnen verheißen , an einem Tage geköpft . « 3 In einer 1619 zu Wittenberg gedruckten Jubelpredigt eines Jüterboger Geistlichen findet sich folgendes : » Das uralte Templein allhier , welches ungefähr nun vor vierzig und etlichen Jahren ist eingerissen worden , darinnen der heidnische Götzendienst der Wendischen Morgengöttin soll sein geleistet worden , dies Templein ist in der Länge , Breite und Höhe bis an das Dach recht viereckigt von Mauersteinen aufgeführt gewesen , hat oben ein Kreuzgewölbe und darüber ein viereckigt zugespitztes Dach von hellen Steinen gehabt . Die Tür oder Eingang von abendwärts ist niedrig gewesen , also daß man im Eingehen sich etwas bücken müssen . Es hat auch keine Fenster gehabt , sondern nur ein rundes Loch usw. – – also habe ich ' s von mehreren Personen die noch am Leben sind , beschreiben hören . « ( Allerdings ist diese Angabe , der man wohl einen größeren Wert , als ihr zukommt , hat beilegen wollen , kein Beweis , daß das » Templein « wirklich heidnisch gewesen sei . Das Kreuzgewölbe spricht sogar dagegen . Als man hierlandes Kreuzgewölbe baute war es mit dem Wendentum schon vorbei . ) 4 Dies weiße Kleid der Zisterzienser war ihr besonderer Stolz , und unter den zahlreichen Legenden dieses Ordens bezogen sich viele auf die besondere Gunst , in der bei Gott und Menschen das » weiße Kleid « stand . Im Jahre 1215 starb ein Zisterziensermönch zu Cher in Frankreich und wurde ohne sein Chorkleid begraben . Er kam zurück , um sein Kleid zu holen weil der heilige Benedikt ihm nicht anders den Himmel aufschließen wollte . Der Prior gab es ihm , und er hatte nun Ruhe und kam nicht wieder . Unter den anderweiten Legenden des Ordens ist mir keine schöner erschienen als die folgende : Im Jahre 1167 dachte Mönch Herrn in Glattziehen in der Frühmette über die Worte nach : » Tausend Jahre sind vor Dir , Herr , wie der Tag , der gestern vergangen ist . « Er fand dies unbegreiflich und zweifelte . Als er aus der Kirche kam , flatterte ein bunter Vogel über ihm und sang sehr lieblich . Herrn , von der Schönheit und dem Gesang des Vogels bezaubert , folgte ihm , wohin er flog , aus dem Kloster in einen benachbarten Wald , der Vogel hüpfte von Zweig zu Zweig und sang immerfort dreihundert Jahr lang . Als nun Herrn dreihundert Jahr lang weder gehungert , noch gedürstet , sondern allein von dem lieblichen Vogelsang gelebt hatte , flog der Zaubervogel davon , und die Entzückung hörte auf . Herrn kam nun wieder zu sich selbst und besann sich , daß er soeben aus der Frühmette ge kommen sei . Er kehrte zurück zum Kloster und klopfte an die Klosterpforte , aber da waren weder Pförtner , noch Abt , noch Brüder mehr , die ihn kannten . Sie waren alle längst tot ; dreihundert Jahre waren verflossen . » Tausend Jahre sind wie ein Tag . « 5 Der Orden , ohne geradezu in Askese zu verfallen , war doch in den ersten fünfzig Jahren seines Bestehens überaus rigorös , und unterschied sich auch dadurch von den Benediktinern , die , gestützt auf die Unterweisungen des heiligen Benedikt selber , diesen Rigorismus vermieden . Schon im zehnten Jahrhundert hieß es deshalb spöttisch » die Regel des heiligen Benedikt scheine für schwächliche Leute geschrieben . « Die Gründer des Zisterzienserordens gingen von einer verwandten Anschauung aus , und aus der ersten Zeit des Ordens her finden sich folgende Vorschriften : 1. Die Unterlage des Bettes ist Stroh . Polster sind untersagt . 2. Als Speise dienen gekochte Gemüse , darunter Buchenblätter . Kein Fleisch . 3. In der Kirche soll sich ein offenes Grab befinden , um an die Hinfälligkeit des Daseins zu mahnen . 6 Daß die Majorität des Klosters und dadurch das Kloster selbst entschieden bayrisch war , ergibt sich unter anderm daraus , daß Papst Clemens in seiner Bannbulle am 14. Mai 1350 eigens Veranlassung nahm , dem Kloster seine Hinneigung zur Sache des bayrischen Hauses vorzuwerfen . Auch das Erscheinen des Klage führenden Mönchs vor dem Papst , während ihm doch andere Tribunale , weltliche wie geistliche , so viel näher gelegen hätten , spricht dafür , daß der zu verklagende Abt Hermann , samt der Majorität des Klosters ( der Loburg-Partei ) , antipäpstlich , d.h. also bayrisch war . 7 Dieser Altarschrein , der jetzt eine Zierde und Sehenswürdigkeit des schönen Brandenburger Domes bildet , hat eine Höhe von etwa neun Fuß bei ca. zwölf Fuß Breite . Die Einrichtung ist die herkömmliche : ein Mittelstück mit zwei Flügel- oder Klapptüren , die je nach Gefallen geöffnet oder geschlossen werden können . Das Mittelstück zeigt in seiner schreinartigen Vertiefung die Gestalt der Heiligen Jungfrau ; rechts neben ihr Paulus mit dem Schwert , zur Linken Petrus mit dem Schlüssel . Diese drei Figuren sind Holzschnitzwerk , buntbemalt , mehr derb charakteristisch als schön . Der hohe Kunstwert des Schreins besteht lediglich in der Schönheit der Malereien , die sich auf beiden Flügeln , und zwar auf der Vorder- wie auf der Rückseite derselben befinden . Sind diese Flügel , wie gewöhnlich , geöffnet , so erblicken wir die beiden besonderen Schutzheiligen der Zisterzienser , den heiligen Benedikt , aus dessen Orden sie hervorgingen , und den heiligen Bernhard , der den Orden zu höchstem Glanz und Ansehen führte . ( Die Zisterzienser werden deswegen auch oft Bernhardiner genannt . ) Neben den beiden Heiligen stehen die Gestalten der Maria Magdalena und der heiligen Ursula . Auf der Rückseite befinden sich : der heilige Gregorius , St. Ambrosius , St. Augustinus und der heilige Hieronymus , lauter Kirchenväter , die zu dem Klosterleben der katholischen Kirche in besonderer Beziehung stehen . Die Köpfe aller dieser Gestalten , besonders der des St. Benedikt und des heiligen Bernhard ( die Frauenköpfe sind weniger vollendet ) haben immer für Meisterwerke gegolten und man hat sie , ebenso um ihrer Ausführung wie um ihrer Charakteristik willen , abwechselnd dem Albrecht Dürer , dem Lucas Cranach und endlich dem Grünewald , einem der besten Schüler Dürers , zugeschrieben . Der letzteren Ansicht ist Ernst Förster in München . Grünewald war allerdings speziell durch seine Charakterisierung der Köpfe ausgezeichnet . 8 Eine Urkunde vom 8. Dezember 1542 hat uns die Namen von zehn Klosterbrüdern aufbewahrt , die , mit Geld und Kleidung ( » mehr als wir verhofft « ) ausgerüstet , Lehnin verließen und in die Welt gingen . Es waren : Kaspar Welle , Christoph Brun , Martin Uchtenhagen , Joachim Kerstinus , Joachim Sandmann , Gregorius Kock , Wipert Schulte , Heinrich Jorden , Maternus Meier , Valentin Vissow . Dazu kamen später : Steffen Lindstedt und Johannes Nagel , beide aus Stendal , ferner Mathias Dusedow , Gerhard Berchsow und Hieronymus Teuffel . Einige von diesen Namen : Uchtenhagen , Lindstedt , Teuffel waren Adelsnamen , doch ist nicht zu ersehen , ob die obengenannten drei von adliger oder bürgerlicher Abkunft waren . Im allgemeinen traten hierlands fast nur Bürgerliche in den Zisterzienserorden ein , während sich in den Nonnenklöstern desselben Ordens fast nur die Töchter adliger Familien befanden . 9 Aus der Epoche von vor 1690 sind auch ( aus einem andern Grunde noch , als aus dem eben bei George Wilhelm angeführten ) die vier Zeilen merkwürdig , die sich auf Kurfürst Friedrich I. , den ersten Hohenzoller , beziehen . Sie lauten : Wahrheit sprech ich : Dein Stamm , der zu langem Alter bestimmt ist , Wird einst mit schwacher Gewalt die heimischen Gauen beherrschen , Bis zu Boden gestreckt , die einst in Ehre gewandelt , Städte verwüstet und frech beschränkt die Herrschaft der Fürsten . In diesen vier Zeilen , wenn wir eine Post-fact-Prophezeiung annehmen wollen ( was wir , schon hier sei es gesagt , wirklich tun ) , erschwert sich der Dichter seine Aufgabe freiwillig , und anstatt im Prophetenton Dinge über die Regierungszeit Friedrichs I. zu sagen , die er 1690 allerdings wissen konnte , ohne ein Prophet zu sein , verschmäht er diese bequeme Aushilfe völlig und knüpft vielmehr Betrachtungen an die Erscheinung des ersten Hohenzollern , die , selbst von 1690 ab gerechnet , noch in der Zukunft lagen . Er machte es sich also nicht leicht , hatte vielmehr immer das Ganze im Auge und prophezeite auch da noch wirklich und aus eigenstem Antrieb ( man könnte sagen : » seine Mittel erlaubten es ihm « ) , wo das Prophezeien post fact einem Stümper in der Prophetie das bequemere und sichere Auskunftsmittel gewesen sein würde . 10 Die Prophezeiung geht von König Friedrich I. gleich auf Friedrich II. über und überspringt also Friedrich Wilhelm I. Man hat daraus einen Beweis für die Unechtheit herleiten wollen , aber ganz mit Unrecht . Der Prophet ( so nehmen wir zunächst an ) blickte in die Zukunft , er sah wechselnde Gestalten , und den Soldatenkönig sah er nicht . Das geistige Auge – dies müssen wir festhalten – kann Gegenstände ebenso gut übersehen wie das leibliche . Ja , es läßt sich aus dem Fehlen König Friedrich Wilhelms I viel eher , wenigstens mittelbar , ein Beweis für den wirklich prophetischen Gehalt der Weissagung herleiten . Versucht man nämlich , wie einige getan haben das , was sich auf Friedrich den Großen bezieht , auf Friedrich Wilhelm I. zu deuten , so entsteht ein völliger Nonsens , und werden dadurch alle diejenigen schlagend widerlegt , die beweisen möchten , daß diese Sätze überhaupt dunkle Allgemeinheiten seien , die schließlich , bei einiger Interpretationskunst , auf jeden paßten . Man kann aber leicht die Probe machen , daß dies durchaus nicht zutrifft , und daß bestimmte Verse auch nur auf bestimmte Personen passen . 11 Eine Bauautorität gibt folgende Details : » Auf dem höchsten Punkte der Insel fand ich einen Gebäuderest , der mich , abgesehen von allem andern , schon durch das vortrefflich ausgeführte Mauerwerk interessierte . Ungefähr 21 / 2 Fuß aus der Erde hervorragend , zeigt es die eine ganze Frontmauer eines rechteckigen Bauwerks , sowie die Ansätze der beiden daranstoßenden andern Seiten . Erstere hat eine Länge von 75 ' , und ist durch zwei von den Ecken des Gebäudes 18 ' entfernte Strebepfeiler verstärkt , die eine Breite von 6 ' haben und ebensoviel nach außen wie nach innen aus der Mauer hervortreten . In dem südlich gelegenen Pfeiler ist deutlich der Zugang zu einer Treppe zu erkennen , während sich nördlich von dem andern Strebepfeiler ein Eingang von außen in den wahrscheinlich durch mehrere Türen zugänglichen Raum befindet . Wenn schon die Sauberkeit der Arbeitsausführung auf ein monumentales Bauwerk schließen läßt , so gestattet der Formencharakter der vornehm gebildeten Fußglieder an den innern Strebepfeilern keinen Zweifel darüber , daß wir es mit einem Gebäude aus dem zwölften Jahrhundert zu tun haben , das entweder eine Kirche war oder einem Kloster zugehörte . Für die erstere Annahme spricht die Form der Ruine , die wohl am richtigsten als Überbleibsel der östlichen Giebelseite einer dreischiffigen Kirche angesehen wird . Es wäre interessant , diese Ansicht durch eine Aufgrabung des Terrains in der Richtung der nach innen vorspringenden Strebepfeiler vielleicht bestätigt zu finden « . 12 Diese Steintafel befand sich an der Stelle , wo das später sogenannte » Invalidenhaus « an die Klosterkirche stieß , und gab in ihrer Inschrift die Namen aller in Chorin begrabenen Markgrafen . Diese Inschrift , wie jetzt nur noch aus den Choriner Amtsakten zu ersehen ist , lautete : Anno 1254 ist der Markgraf Johannes ( I. ) Chorfürst zu Brandenburg , der dieses Kloster Chorin Cistercienser-Ordens gestiftet , allhier begraben . Anno 1267 ist Johannes ( III. ) Markgraf , welcher zu Merseburg auf seiner