dem Leibe erschossen . Während dieses wilden Kampfes an dem obern Ende des Kilengrundes hatten die beiden Regimenter des Pawloff ' schen Corps , die sich gegen die Redoute Nr. 1 und die Brigaden Adam ' s und Pennefather ' s gewendet , dieselben zurückgedrängt und stürmten wiederholt die Redoute , in welcher sich Capitain Armstrong mit den erhaltenen Verstärkungen mit Löwenmuth schlug . Dem muntern O ' Malley schlug eine Kugel durch den Mund und schloß ihn auf ewig ; der treue Mickey schleppte seinen tapfern Herrn schwer verwundet aus dem Kampf ; die Russen drangen wiederholt bis an die Mündungen der Kartätschen-sprühenden Geschütze Lundgreen ' s vor , und für die Todten , die Bajonnet und Kolbe der Engländer von den Brustwehren schleuderte , klommen mit jener zähen Gleichgültigkeit gegen Gefahr und Leben neue Schaaren empor . Schon waren Einzelne in das Innere der Batterieen gesprungen und kämpften mit den Artilleristen , da - - - » Vive l ' Empereur ! « - - Früh 7 Uhr war Lord Raglan mit seinem Stabe auf dem Schlachtfelde eingetroffen , wo bereits , mit Ausnahme der Brigaden Colin-Campbell und Eyre , die in den Trancheen und bei Balaclawa standen , die ganze englische Macht im Feuer war . Um den Gang des Gefechtes besser zu überwachen , ritt er in die Schlachtlinie vor - an seiner Seite fiel hier der Chef seiner Artillerie , General Strangway ' s , der bei Leipzig als Kommandant einer Raketen-Batterie ruhmvoll seine Laufbahn begonnen . Bald nach Beginn des Angriffs schon eilte General Bosquet , der Kommandant des französischen Observations-Corps auf dem Sapunberg , in das britische Lager , gefolgt von 4 Compagnieen Vincenner Jäger , 2 Bataillonen Infanterie und 2 reitenden Batterieen . Er bot den Generalen Cathcart und Brown seine Hilfe , doch die hochmüthigen Briten , noch nicht gedemüthigt von der Decimirung ihrer Regimenter , lehnten den Beistand ab und erklärten , noch Truppen in Reserve zu haben . Nur wenn die Redoute Nr. 1 in die Hände der Feinde fiele , würden sie um Unterstützung ihres rechten Flügels bitten . Bosquet , weit verständiger , als die Engländer , sandte ohne Weiteres die mit ihm gekommenen Truppen der Redoute zu Hilfe und kehrte nach seinem Posten auf dem Sapunberg zurück , um sich selbst von der Wichtigkeit des Angriffs zu überzeugen , der dort von Tschorgun her drohte . Sein Scharfblick erkannte sofort , daß hier nur von einer Scheinattake die Rede war , um ihn zu beschäftigen . Er traf demnach seine Vorbereitungen , um auf die erste Botschaft der Engländer nach dem Schlachtfelde eilen und mit seinen Truppen das Schicksal des Tages entscheiden zu können . Aber der beleidigte General wartete auf die Bitte der Briten , die , wie er sah , kommen mußte . Der tapfere Republikaner , der mit seiner ganzen Division keck gegen das Kaiserthum gestimmt , der , als Liebling der Armee , nur auf Fürsprache Canrobert ' s beim orientalischen Kriege wieder eine Division erhalten und seitdem durch sein Organisationsgenie bei der Landung in Gallipoli die Engländer in Staunen gesetzt , die faulen Türken mobil gemacht , der an der Alma schon durch den Sturm auf die Höhen am Meer die Schlacht entschieden hatte , - er haßte als echter Franzose die anmaßenden Verbündeten seines Kaisers , die natürlichen Feinde Frankreichs , und beschloß , sie zu demüthigen . Seine ersten Bataillone waren es , welche im letzten Augenblick den tapfern Vertheidigern der Redoute zu Hilfe kamen und sie befreiten , während zugleich General Bentink mit der Garde-Brigade der geworfenen zweiten Division zu Hilfe eilte und die Russen zurücktrieb . Es war 9 Uhr , der erste Akt des blutigen Drama ' s war beendet . Doch nur auf kurze Zeit . Auf ' s Neue rollte der Vorhang empor und ließ das Spiel beginnen , in dem der Kanonendonner die Rede , der Tod die Action war . Die drei hintersten Regimenter der Colonne Pawloff ' s , das Ochotski ' sche Jäger- , das Jakutski ' sche und Selenginski ' sche Infanterie-Regiment , die nach Ueberschreitung der wieder hergestellten Inkermann-Brücke rechts auf der Sappeurstraße vorgerückt waren , trafen um 8 Uhr auf dem Schlachtfelde ein , zur Zeit , als die vorderen Truppen Ssoimonoff ' s nach dem Fall ihres Führers zum Steinbruchgrund zurückgedrängt wurden . Neben General Dannenberg hielten zu Pferde zwei junge Offiziere , mit den Abzeichen hohen Ranges unter dem bei ihren Bewegungen sich öffnenden Mantel geschmückt , der Eine etwa 23 Jahre alt , mit ernsten , gestreckten Gesichtszügen , die an ein majestätisches Bild erinnerten , in der Uniform des Genies ; der Zweite , wenig jünger , aber von freundlichen , rundern Zügen und dennoch unverkennbarer Aehnlichkeit , die Abzeichen der reitenden Garde-Artillerie tragend . Die drei Regimenter , das Ochotski ' sche an der Spitzte , marschirten eben zwischen den Hügeln auf und formirten sich in Angriffscolonnen und der Brigade- und die Regiments-Kommandanten sprengten zu dem Befehlshaber . » Wir müssen die Redoute unter allen Umständen haben , General Ochterlone , « sagte der Kommandirende , indem er sein Glas vom Auge nahm . » Ich sehe , die Garden halten sie jetzt ; lassen Sie Bibikof links abschwenken und die Höhen stürmen ; Ihrer Majestät Coldftreams werden auf den nächsten Almacs nicht so stark vertreten sein , wie ich hoffe . « Während der greise Kommandant des Regiments salutirte und davon sprengte , wandte General Dannenberg sich wieder zu dem Kommandeur der ersten Brigade . » Sie müssen über den Hohlweg der Straße , um die Höhe zu gewinnen , ehe jene Colonnen dort - wenn ich nicht irre , ist es die vierte Division unter Cathcart - sie besetzen . Capitain Kowaleff , reiten Sie zu Pawloff und sagen Sie ihm , was ich über die Regimenter bestimmt , er soll die Reserven nachrücken lassen und die Batterieen so nahe als möglich bringen . Vorwärts , meine Herren , und Gott segne Rußland ! « Eine Hand faßte seinen Arm ; es war der eine junge Offizier an seiner Seite , während der Andere verschwunden war . » General , « sagte der junge Mann , » mit Ihrer Genehmigung werde ich mich Oberst Sabatinski anschließen . « » Unmöglich , Kaiserliche Hoheit , « entgegnete der General höflich , aber bestimmt ; » ich kann es unter keinen Umständen gestatten . Euer Kaiserliche Hoheit und Großfürst Michael sind bereits hier - - - « er sah sich erstaunt um - » wo ist der Prinz ? « » Mein Bruder , « sagte der Großfürst Nicolaus , denn dieser war der Offizier und mit seinem jüngsten Bruder am Abend vorher zum Jubel der Armee in Ssewastopol eingetroffen ; » mein Bruder ist bereits Oberst Bibikof dahin gefolgt , wohin Ehre und Pflicht ihn rufen , und ich bitte Sie , Herr General , zu bedenken , dich der Kaiser , unser Vater , uns nicht hierher geschickt hat , um Schlachten schlagen zu sehen , sondern sie mit unsern braven Soldaten zu schlagen . « Der General verbeugte sich . » Diese Herren sind Zeuge , daß ich meine Pflicht gethan . Ich kann Eure Kaiserliche Hoheit nur bitten , Ihr kostbares Leben nicht unnütz auszusetzen . « » Das kann nie geschehen , wo es Rußlands Ehre gilt . Auf Wiedersehen , Herr General ! « Der Prinz , dem sein Vater auf den Antrag des Fürsten Menschikoff nebst seinem Bruder für ihr tapferes Benehmen später den Sanct Georg-Orden 4. Klasse verlieh , sprengte mit seinem Adjutanten den Regimentern nach und verließ sie während des folgenden Gefechts im heftigsten Feuer nicht . Mit Ungestüm warfen sich die russischen Jäger auf die Redoute , die jetzt von den Coldstreams - der berühmten englischen Garde - vertheidigt wurde , und ein Kampf , fürchterlicher , blutiger , denn zuvor , entspann sich . Die Briten , gänzlich von den Ihren abgeschnitten und zugleich von der russischen Artillerie auf den gegenüberliegenden Höhen beschossen , schlugen sich mit Heldenmuth . Vier Mal drangen die Ochotsker bis zu den Schießscharten , und vier Mal wurden sie von dem Bajonnet und dem Feuer wieder zurückgeworfen . Zweihundert Mann des kaum Siebenhundert starken Regiments waren bereits gefallen , da gab endlich die Hoffnung auf , die Redoute halten zu können , warf sich heraus und bahnte sich mit dem Bajonnet den Rückweg durch die Feinde . Das Gemetzel war furchtbar , mehr als ein Drittel des Regiments fiel , aber auch der Sieg der Russen wurde theuer erkauft . Ihr tapferer Oberst Bibikof stürzte tödtlich verwundet , beinahe alle Stabs- und Ober-Offiziere des Regiments lagen auf dem Kampfplatz . Aber von der Redoute wehte die russische Fahne ! - Die Brigade Ochterlone warf sich auf die Reste der zweiten englischen Division und trieb sie zurück . Da eilten Cathcart - der Liebling Wellington ' s - mit seiner Division und Lord Bentink mit den übrigen zwei Garde-Regimentern und dem wieder gesammelten Rest der Coldstreams zur Unterstützung und zum Angriff herbei . Während die Grenadiere und die tapfern schottischen Garde-Füsiliere unter den wilden Klängen des Pibroch von Donald Dhu und dem Ruf : » Schottland für immer ! « die Redoute wieder erstürmten und die Ochotski ' schen Jäger warfen , stürzte sich Cathcart mit dem 29. und 63. Regiment in den Hohlweg , um der russischen Brigade den Rückweg abzuschneiden . Oberst Bjalui mit den Jakutzki ' schen Jägern stürmte , unbekümmert auf die Gefahr im Rücken , gegen die Garden - Lord Bentink wurde verwundet , zwölf britische Offiziere waren gefallen , die Redoute auf ' s Neue den Garden entrissen und diese zurückgetrieben . Die Engländer im Hohlweg sahen sich durch die besonnenen Befehle General Ochterlone ' s von dem Selenginski ' schen Regiment umringt . Das Blutbad war hier entsetzlich , ein Kampf der Verzweiflung von Seiten der Briten , die mit dem Bulldoggen-Grimm fochten , der noch im Tode sich an den Feind klammert ; - ein Kampf wüthenden Hasses von Seiten der Russen , deren Erbitterung während des ganzen Krieges in allen Ständen weit größer gegen die Briten , als gegen die Franzosen sich zeigte . Vergeblich war alle Tapferkeit , alle persönliche Aufopferung des tapfern Cathcart , der in ihren Reihen kämpfte . In seine Ohren dröhnte verzweifelnd der Ruf der Soldaten : » Wir haben keine Patronen mehr ! « - » Nun , so habt Ihr Bajonnete ! « rief der General . » Also vorwärts für den Ruhm von Alt-England ! « Und vorwärts stürzten die Compagnieen , aber sie zerstoben an den russischen Phalanxen und eilten in Unordnung den Höhen zu . Hier jedoch empfing sie das Jakutzki ' sche Regiment mit einem Kugelhagel . Cathcart , durch den Kopf geschossen , fiel - Goldie , Torrens , seine beiden Brigade-Generale , wurden verwundet , dichter Pulverdampf umhüllte das Todesfeld . Auf allen Punkten begannen die Engländer sich zurückzuziehen ; die zweite Redoute war in den Händen der Russen , und zum zweiten Male drangen sie in das britische Lager . Neben Lord Raglan befand sich während des ganzen Gefechts der französische Oberkommandant Canrobert , ohne der Wunde an der Hand zu achten , die er erhielt . Gegen 10 Uhr Morgens brachten ihm die Adjutanten die Nachricht , daß dir Russen unter Timofjef aus der Bastion Nr. 6 auf der Westseite der Festung einen Ausfall gegen die französischen Approchen gemacht hatten und mit der Brigade Lourmel im Kampf waren . Die drei französischen Divisionen der Westseite waren in Allarm und warfen die Russen zurück , dort hatte man also Nichts zu besorgen , und der kleine , bewegliche Oberkommandant der französischen Armee blieb auf seinem Posten , den Augenblick erwartend , in dem sich der englische Stolz beugen mußte . Und er beugte sich . Lord Raglan , die ganze englische Position verloren sehend , wenn nicht schleunige Hilfe einträfe , verlangte die französische Unterstützung und erlitt die Demüthigung , daß er , auf Canrobert ' s Wunsch , seine eigenen Adjutanten zu dem früher abgewiesenen Bosquet schicken und um rasche Hilfe bitten mußte . Durch den Donner der Geschütze und das Rollen des Gewehrfeuers vernahm man den hellen Klang der langen Hörner der Zuaven , der algierschen Schützen und der Jäger von Vincennes . Bosquet , der General Kaiser Napoleon ' s , spielte diesmal die Rolle der Preußen bei Waterloo und kam mit seinen drei Brigaden im Geschwindmarsch vom Sapunberg heran , sie rechts von den Engländern in die Schlachtlinie werfend auf den linken Flügel der Russen . - So wechselt die Geschichte - so wechseln die Freundschaften der Einzelnen und der Reiche ! Der dritte und letzte Akt der blutigen Tragödie von Inkermann begann ! Das eigenthümliche Marschexercitium der Zuaven - der Trab oder vielmehr das springende Laufen in Compagnie- und Bataillons-Colonnen - brachte sie mit überraschender Schnelligkeit herbei . Die Brigade Monet folgte den beiden anderen als Reserve . Einen Augenblick war General Dannenberg unentschlossen , ob er nicht die vier Regimenter , die noch nicht in den Kampf gekommen waren und von denen das Uglitz ' sche und Butinski ' sche die Artillerie gedeckt hatten , das Wladimir ' sche und Susdali ' sche als Reserven zurückbehalten worden , dem neuen Stoß entgegenwerfen und um den Sieg ringen sollte , indeß die Ueberlegung , daß bei einem Mißlingen sein ganzes Corps , das gefährliche Defilée von Inkermann im Rücken , verloren sein mußte , entschied und er beschloß den Rückzug . Während die Artillerie den Befehl erhielt , nach der Inkermann-Brücke abzufahren , flogen die Adjutanten zu den bedrohten Regimentern mit dem Befehl zum Rückmarsch . Der General schaute sich suchend um , es galt , eine persönliche Ordre auszuführen , nachdem die Pflicht des Feldherrn erfüllt worden . Ein junger Offizier vom Generalstabe des Fürsten Menschikoff , der , wie viele seiner Kameraden , sich dem Stabe des Generals Dannenberg angeschlossen , hielt mit mehreren Kosacken in der Nähe . » Capitain Iwan Oczakoff ! « Der Offizier salutirte . » Sie kennen den Großfürsten Nicolaus persönlich . Er begleitet , wie Sie gesehen haben , das Selenginski ' sche Regiment , das in diesem Augenblick sich in der größten Gefahr befindet . Suchen Sie Seine Kaiserliche Hoheit auf und sagen Sie ihm , ich ließe bitten - nein , ich ließe ihm als kommandirender General befehlen , Sie auf der Stelle hierher zu begleiten . « Der junge Fürst beugte sich über den Sattelknopf seines Pferdes und flog davon , indem ein Wink seiner Hand seine Begleiter ungeduldig bei der Suite des Generals zurückhielt . Ihre ängstlichen Blicke sahen ihn in dem Meer von Pulverdampf verschwinden , welcher in der Richtung der genommenen Redouten Berg und Thal bedeckte . Oberst Sabatinski , der Kommandirende des Selenginski ' schen Regiments , hatte bereits die Ordre zum Rückzug erhalten ; das Ochotski ' sche Regiment war schon auf demselben begriffen und somit das seine dem vollen Stoß der frischen französischen Truppen preisgegeben . In drei Bataillons-Colonnen formirt , dicht geschlossen erwarteten die Russen den Stoß . In diesem Augenblick gelangte Fürst Iwan zum Regiment und erkannte in der mittelsten Colonne den Großfürsten . Er war an seiner Seite , als die französischen Hörner dicht vor den Fronten im Pulverdampf erklangen und unter dem donnernden Kaiserruf das dritte Zuaven-Regiment auf die Russen stürzte , während rechts und links die afrikanischen Jäger attakirten . Der erste tolle Anlauf der Franzosen prallte an der Unbeweglichkeit der russischen Massen ab . Die Glorie der Zuaven ist der Einzelnkampf . General Saint-Pol , welcher sie führte , sammelte in kurzer Entfernung das Regiment zur neuen Attake , während die Russen langsam zurückgingen . Die französischen Plänkler unterhielten ein scharfes Feuer aus ihren kurzen Büchsen . Der Großfürst weigerte sich , das bedrohte Regiment zu verlassen - erst die bestimmte Erklärung des Obersten Sabatinski nöthigte ihn dazu , als ein Schuß sein Pferd traf . » Du siehst , Fürst , « sagte der junge Kaisersohn , » daß ich nicht fort kann . Ich werde zu Fuß mit den Braven kämpfen ! « Fürst Iwan war bereits vom Pferde gesprungen . » Eure Kaiserliche Hoheit kennen meinen Befehl und werden mein Pferd nehmen ! « Nur mit Mühe verstand sich der Großfürst endlich dazu und verließ unter dem Kugelregen die Colonne . Er war kaum entfernt , als der zweite Ansturm der Franzosen in die Reihen der Russen brach und sie diesmal zu sprengen drohte . Die ersten Glieder wurden zu Boden geworfen , ein blutiges Handgemenge mit Bajonnet und Kolben begann . Von zwei Seiten drangen die Zuaven in die russische Stellung . - » Der Teufel soll mich holen , wenn das nicht der verrückte Jean ist , welcher der hübschen Hexe , Deiner Schwester , davon gelaufen sein muß , « sagte mitten im Gewühl des Angriffs ein bärtiger Zuaven-Sergeant zu seinem Nebenmann , einem kräftigen , muthigen Krieger , der eben wieder sein Gewehr lud . » Wo , Papa Fabrice ? - Der junge Russe im Mantel ? - Parbleu ! es ist Jean und wir müssen ihn wiederhaben , den blödsinnigen Burschen ! « Damit warfen sich die Zuaven in eine Lücke des Getümmels und schlugen sich nach der Stelle durch , wo sie den jungen Offizier bemerkt hatten . Ein Degenstoß empfing den Bruder der Marketenderin , so daß er ihn nur mit Mühe zu pariren vermochte . - » Der Bursche ist verrückt wie ein Märzhase oder ein wirklicher Ueberläufer , « schalt der Sergeant und schleuderte den jungen Mann zu Boden , der sich verzweifelt wehrte , indeß Bourdon mit zwei russischen Infanteristen vollauf beschäftigt war , die ihn angriffen . - » Der Tölpel ist schlimmer , als ich dachte , und mir lang ' im Weg gewesen ! Zum Teufel mit ihm ! « Der Sergeant , erbittert über den Pistolenschuß , den der Offizier , schon am Boden , nach ihm abfeuerte und der seine bärtige Wange streifte , hob das Gewehr , um dem Gefangenen einen Kolbenschlag auf den Kopf zu geben , als ein Säbel schützend dazwischen fuhr , der Säbel eines französischen Offiziers . » Quartier , Canarade , pour cet enfant ! « Zugleich wurde der Zuave von der Seite her angegriffen und das Gewühl trennte ihn im Augenblick von der Gruppe . Der französische Offizier aber , der die Uniform eines Bataillons-Kommandanten trug , bog sich vom Pferde und riß den jungen Russen in die Höhe . » Vous êtes mon prisonier , mon Prince , mais sauvez vous-en ! - Vite ! « - Der Vicomte , denn dieser war es , der Fürst Iwan erkannt , warf sein Pferd nach einer anderen Richtung des Gefechts , durch diese Bewegungen die Flucht seines Feindes deckend . Als er sich noch ein Mal umsah , war der junge Fürst glücklich in den Reihen der Seinen , die , von der zweiten Bataillons-Colonne unterstützt , sich wieder gesammelt hatten und den Franzosen im langsamen Rückzug die Spitze boten . Der kurze Zwischenfall des Kampfes war an dem Vicomte wie eine Erscheinung vorübergegangen und nur die Wunde am linken Arm , die er bei der edlen Sicherung des Entkommens seines Feindes durch einen Bajonnetstich erhalten , bewies ihm materiell die Wirklichkeit der Begegnung . - Die Regimenter Pawloff ' s , durch den fünfstündigen Kampf erschöpft , vermochten der Uebermacht , welche jetzt durch die Ankunft der Franzosen auf Seite der Alliirten war , obschon die Engländer nicht mehr als 8000 Mann noch zum Gefecht disponible hatten , nicht zu widerstehen und räumten das Schlachtfeld . Es galt nur noch , den geordneten Rückzug zu decken , und dies geschah mit heldenmüthiger Aufopferung . Während die Artillerie nach der Inkermann-Brücke abfuhr , schlugen sich das Jakutski ' sche und Selenginski ' sche Regiment an den Abhängen der Höhe und Bosquet mußte wiederholt die Reihen seiner Brigaden auf ' s Neue ordnen . Nachdem die Artillerie in Sicherheit war , bewerkstelligte die russische Infanterie ihren Rückzug , indem die Regimenter Wladimir und Susdal denselben deckten , den Boden mit ihren Leichen besäend unter den wiederholten Angriffen der Franzosen . Erst das Feuer der am Ausfluß der Tschernaja postirten Dampfschiffe Wladimir und Chersones machte der Verfolgung ein Ende . Die Russen zogen sich theils über den Fluß , theils auf der Sappeurstraße nach der Stadt zurück . Um halb drei Uhr Nachmittags war die Schlacht zu Ende . Dreitausend russische Leichen deckten die Wahlstätten , außerdem fast ein Drittel der Verwundeten , deren Zahl an sechstausend betrug . Der Verlust der Verbündeten war nur wenig geringer . Lord Raglan hat , wie die eigenen Fugeständnisse der englischen Correspondenten beweisen , ganz einfach gelogen , indem er offiziell den Verlust der Briten auf 464 Todte und circa 2000 Verwundete angiebt . Der Verlust der Engländer betrug in der That 5000 Mann und die Franzosen verloren 2000 Todte und Verwundete . Nach den Briefen des französischen Brigade-Chefs Bourbaki befanden sich im englischen Lager nach der Schlacht nur noch 10,000 Kampffähige ; die 2. Division war bis auf 300 Mann zusammengeschmolzen , das 95. Regiment der Brigade Pennefather zählte nur 64 Mann . Einunddreißig Offiziere der Garde waren gefallen . Das Schlachtfeld bot einen gräßlichen Anblick - die Hohlwege und Abhänge waren bedeckt mit Haufen von Todten und Sterbenden . Achtundvierzig Stunden dauerte nach dem geschlossenen Waffenstillstand das Suchen und Fortbringen der Verwundeten . Das war das Drama von Inkermann , ein Gemetzel ohne Sieg , ein Kampf ohne Erfolg . Glücklich , die der Ehrentod auf dem Schlachtfelde den furchtbaren Leiden und Schrecken entzogen hatte , welche der nahende Winter über beide Armeen häufen sollte ! Fußnoten 1 Wirthshausbrücke . 2 Fitzroy Somerset , Lord von Raglan . Das Stammhaupt der Somersets führt den Titel : Herzog von Beaufort . 3 Historische Anecdote , wiewohl kaum glaublich ! 4 Die von Kaiser Nicolaus eingeführten Militairmäntel . Des Meeres und der Liebe Wogen . Es war am Morgen des 17. November , als ein kleiner Reitertrupp sich von dem Innern des Landes her den Felsenabhängen näherte , welche das berühmte Ufer der Yalta vom Cap Aitodar bis zum Golf von Kaffa bilden . Nicht prangte jene kaiserliche Phantasie Orianda , welche das Genie Schinkels geträumt , jetzt in den warmen duftigen Farbentönen eines orientalischen Frühlings ; Livadia , Nikita und Alushta - die zauberhaften Felsenhöhen , hatte das Nahen des Winters ihrer Orangendüfte und Rosenfelder entkleidet ; - das in seiner Ruhe so durchsichtige Meer war kein Spiegel von Licht und Azur , der Himmel kein Gewölbe unendlicher Klarheit , unbeschreiblich duftiger Farben mehr ! - Durch die Schluchten des Jaila-Gebirges , über die bleigraue Fläche des Meeres , durch den Wolkendom fegte der Sturmwind , Hagel und Regen , die bösen Vorboten des Winters , vor sich her peitschend ; in wilden Bergen wälzte sich seit vierundzwanzig Stunden die See gegen das Felsenufer , an dessen Wänden sie zu weißem Gischt und Schaum emporbrandete . Wehe dem Schiffe , das in diesem Wetter nicht vom sicheren Hafen umschlossen und geschützt war , oder wenigstens die offene See zu halten vermochte . Die kleine Reitergruppe näherte sich rasch auf der Straße von Kirsuff her und hatte offenbar ihren Weg nach einem alterthümlichen phantastischen Bau gerichtet , der sich auf der Höhe des Vorgebirges Aju-Dagh von den Wolken abzeichnete und einen weiten Rundblick über Land und Meer gewähren mußte . Es war ein Felsenschloß , halb Ruine , halb durch prächtige Neubauten zur Villa umgeschaffen , aber offenbar sehr unzugänglich gelegen und leicht gegen jeden Angriff zu vertheidigen , da es auf der Landseite Wälle und Mauern führte . Der Ban bestand aus zwei Theilen , auf den breiten Gipfeln zweier Klippen errichtet und durch eine Kluft geschieden , über die eine hängende Brücke führte . Der Theil zur Linken war mehr Veste als Landhaus , und einzelne riesige Mauertrümmer deuteten darauf hin , daß sein Ursprung den ältesten Zeiten , vielleicht noch dem Pontischen Reich und der Regierung des Mithridates angehörte , von der sich so zahlreiche und erhabene Trümmer an dieser Küste bis nach Kertsch , dem Panticapea der Alten , hinauf finden . Wenigstens sprachen dafür die prächtigen Säulenschafte und Capitäle , die in dem großen viereckigen Mittelthurm eingemauert waren , der offenbar von den Genuesen errichtet war . Einige Anbauten im Styl des Mittelalters , Wall und Ringmauer mit einer wieder in Stand gesetzten Zugbrücke , die über einen tiefen Felsspalt führte , zeigten , daß der Ort den ritterlichen Handelsleuten einst zur Beste gedient hatte . Der gegenüberliegende Theil des Seeschlosses wies einen modernen Bau aus der Zeit des Glanzes jenes mächtigen Günstlings , dessen Intriguen und Feldzug Taurien zu den Füßen seiner kaiserlichen Herrin legten , Potemkin ' s , dessen Wink Zauberschlösser aus dem Boden stampfte und Wüsteneien bevölkerte für die Aussicht einer flüchtigen Stunde . Eine nicht weitläufige , aber prächtige Billa im Rococo-Geschmack mit breiter Veranda , marmornen Bassin ' s und Arcaden hüllte sich , jetzt dem Sausen des Sturmwindes freigegeben , während der schönen Jahreszeit in den prächtigen Mantel von Cypressen und wilden Feigenbäumen . Auf einer Felsspitze in der Nähe standen die ziemlich wohlerhaltenen Ruinen eines unverkennbar antiken Tempels . Von beiden so verschiedenartigen Theilen des Schlosses senkten sich breite wohlerhaltene Terrassen mit Wein- und Feigenspalieren und mit jetzt gegen die rauhen Stürme wohl umhüllten prächtigen Orangenbäumen besetzt , bis zum Strande des Meeres , das hier eine kleine , ziemlich geschützte und durch zahlreiche Klippen am Eingang nach Außen hin verwahrte Bucht bildete . Die acht Reiter trugen sämtlich die grauen russischen Militairmäntel , und die hohen schlanken Lanzen erwiesen wenigstens sechs von ihnen als Kosacken von der Armee . Von den drei Vorausreitenden zeigte sich der Eine als ein schöner junger Mann mit dunkelblonden jetzt vom Regen feuchten Locken unter der Militairmütze , der Andere als ein rauher finsterer Greis - Michael , der Tabuntschik , aus der Steppe von Berislaw , der Unglückliche , der die Verbündeten nach Balaclawa geführt . Der junge Fürst , der an seiner Seite ritt , hatte mit sorgsamer Pflege ihn in sein eigenes Quartier in der Stadt bringen lassen und ihn , als er dieselbe verlassen mußte , treuen Händen anvertraut . Auf seinen Befehl blieb Iwan , der alte Jessaul1 , mit einem seiner Enkel bei ihm und pflegte ihn während des hitzigen Fiebers , das sich seiner bemächtigt und das ihn die wildesten Irreden ausstoßen ließ . Erst auf dem Rückzug von der Inkermann-Schlacht betrat der Fürst wieder die Stadt und nahm den Greis , den seine riesige Natur die Krankheit hatte überstehen lassen , mit sich nach Baktschiserai . Eine noch finstrere Melancholie als früher hatte sich des Alten bemächtigt , er vermied den Umgang mit Menschen und sein einziger Verkehr mit dem alten Kosackenhäuptling bestand in Nachrichten , die er sorgsam über den Stand der Vertheidigung und der Gefechte von diesem einzog . Als er wieder so weit gekräftigt war , um ausgehen zu können , strich er , unbekümmert um die feindlichen Kugeln , in den Straßen der Stadt und in den Vertheidigungslinien schweigend umher , oft an den gefährlichen Stellen sich gleichgültig aussetzend , um die feindlichen Batterieen zu beobachten . Nie aber legte er eine Hand an irgend eine Arbeit der Vertheidigung , und das hohe Greisenalter , das sein Aussehen zeigte , ersparte ihm jede Aufforderung , während Iwan und sein Enkel überall sich thätig zeigten . In einem Punkt nur begegneten sich die Sympathieen der beiden alten Männer , in der Zuneigung zu dem jungen Fürsten , und nur der Befehl , den derselbe ihnen gesandt , seine Ankunft in der Stadt abzuwarten , hinderte sie , ihm in das Lager zu folgen . Nachdem dies nach dem Tage von Inkermann geschehen , war es übrigens auffallend , welchen Einfluß der greise Tabuntschik trotz seines einsylbigen finstern Wesens über den Jüngling gewann und den , gleichsam sich höherer Autorität und Berechtigung beugend , auch der alte Jessaul anerkannte . Mitleid mit dem Greise , dessen patriotische Absicht so großes Unheil herbeigeführt , und von dem Alles , was er gesehen , und gehört , ihn nicht zweifeln ließ , daß er einst bessere Tage gekannt , hatte den jungen Mann zuerst bewogen , sich seiner anzunehmen und diese Theilnahme dauerte in gesteigertem Maaße fort , obschon alle seine Fragen nach den früheren Schicksalen des Greises von diesem ohne Erwiederung gelassen wurden . Auch Iwan , der Kosack , verrieth mit keiner Sylbe , daß er die furchtbare Vergangenheit und den geächteten Namen des Mannes kannte . Er bewachte blos aufmerksam den jungen Fürsten , in dessen Dienst er getreten , gleich als fürchte er , daß die Nähe des Tabuntschik ihm Unheil bringen werde . » Es ist seltsam , Djeduschka , « sagte der Fürst , indem er sich zur Anrede an seine beiden alten Begleiter des gemüthlichen russischen Schmeichelwortes bediente , » es ist seltsam , wie sicher Du uns geführt und wie genau Du die ganze Gegend selbst in diesem Unwetter wieder erkennst . Warst Du schon auf Schloß Aju selbst ? « » Es sind dreißig Jahre , « sagte der Alte ausweichend , » seit mich der Pferdehandel zum letzten Mal bis Kertsch geführt hat . Felsen und Meer bleiben aber dieselben , nur die Menschen verändern sich . « » Mich däucht , « wandte sich der junge Mann an den Jessaul , » ich sehe , trotz des Regens und obschon uns der Sturm den Gischt der See in die Augen treibt , Leute auf dem Wall der Burg und am Thor . Olis , Dein Enkel , den wir vorausgesandt , hat also den Weg gefunden und unsere Ankunft gemeldet . « » Die Heiligen haben ihn beschützt in diesem Unwetter . Er ist ein treuer und