Jean Paul Flegeljahre www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Jean Paul Flegeljahre Eine Biographie Erstes Bändchen Nr. 1. Bleiglanz Testament - das Weinhaus Solange Haßlau eine Residenz ist , wußte man sich nicht zu erinnern , daß man darin auf etwas mit solcher Neugier gewartet hätte - die Geburt des Erbprinzen ausgenommen - als auf die Eröffnung des van der Kabelschen Testaments . - Van der Kabel konnte der Haßlauer Krösus - und sein Leben eine Münzbelustigung heißen oder eine Goldwäsche unter einem goldnen Regen oder wie sonst der Witz wollte . Sieben noch lebende weitläuftige Anverwandte von sieben verstorbenen weitläuftigen Anverwandten Kabels machten sich zwar einige Hoffnung auf Plätze im Vermächtnis , weil der Krösus ihnen geschworen , ihrer da zu gedenken ; aber die Hoffnungen blieben zu matt , weil man ihm nicht sonderlich trauen wollte , da er nicht nur so mürrisch-sittlich und uneigennützig überall wirtschaftete - in der Sittlichkeit aber waren die sieben Anverwandten noch Anfänger - sondern auch immer so spöttisch dareingriff und mit einem solchen Herzen voll Streiche und Fallstricke , daß sich auf ihn nicht fußen ließ : Das fortstrahlende Lächeln um seine Schläfe und Wulstlippen und die höhnische Fistelstimme schwächten den guten Eindruck , den sein edel gebautes Gesicht und ein Paar große Hände , aus denen jeden Tag Neujahrsgeschenke und Benefiz-Komödien und Gratiale fielen , hätten machen können ; deswegen gab das Zuggevögel den Mann , diesen lebendigen Vogelbeerbaum , worauf es aß und nistete , für eine heimliche Schneuß aus und konnte die sichtbaren Beeren vor unsichtbaren Haarschlingen kaum sehen . Zwischen zwei Schlagflüssen hatt ' er sein Testament aufgesetzt und dem Magistrate anvertraut . Noch als er den Depositionsschein den sieben Präsumtiv-Erben halbsterbend übergab : sagt ' er mit altem Tone , er wolle nicht hoffen , daß dieses Zeichen seines Ablebens gesetzte Männer niederschlage , die er sich viel lieber als lachende Erben denke denn als weinende ; und nur einer davon , der kalte Ironiker , der Polizei-Inspektor Harprecht , erwiderte dem warmen : ihr sämtlicher Anteil an einem solchen Verluste stehe wohl nicht in ihrer Gewalt . Endlich erschienen die sieben Erben mit ihrem Depositionsschein auf dem Rathause , namentlich der Kirchenrat Glanz , der Polizei-Inspektor , der Hofagent Neupeter , der Hoffiskal Knoll , der Buchhändler Paßvogel , der Frühprediger Flachs und Flitte aus Elsaß . Sie drangen bei dem Magistrate auf die vom sel . Kabel insinuierte Charte und die Öffnung des Testaments ordentlich und geziemend . Der Ober-Exekutor des letztern war der regierende Bürgermeister selber , die Unter-Exekutores der restierende Stadt-Rat . Sofort wurden Charte und Testament aus der Rats-Kammer vorgeholt in die Ratsstube - sämtlichen Rats- und Erbherrn herumgezeigt , damit sie das darauf bedruckte Stadt-Sekret besähen - die auf die Charte geschriebene Insinuations-Registratur vom Stadtschreiber den sieben Erben laut vorgelesen und ihnen dadurch bekannt gemacht , daß der Selige die Charte dem Magistrate wirklich insinuiert und scrinio rei publicae anvertraut , und daß er am Tage der Insinuation noch vernünftig gewesen - endlich wurden die sieben Siegel , die er selber darauf gesetzt , ganz befunden . Jetzt konnte das Testament nachdem der Stadtschreiber wieder über dieses alles eine kurze Registratur abgefasset - in Gottes Namen aufgemacht und vom regierenden Bürgermeister so vorgelesen werden , wie folgt : Ich van der Kabel testiere 179 * den 7. Mai hier in meinem Hause in Haßlau in der Hundsgasse ohne viele Millionen Worte , ob ich gleich ein deutscher Notarius und ein holländischer Dominé gewesen . Doch glaub ' ich , werd ' ich in der Notariatskunst noch so zu Hause sein , daß ich als ordentlicher Testator und Erblasser auftreten kann . Testatoren stellen die bewegenden Ursachen ihrer Testamente voran . Diese sind bei mir , wie gewöhnlich , der selige Hintritt und die Verlassenschaft , welche von vielen gewünscht wird . Über Begraben und dergleichen zu reden , ist zu weich und dumm . Das aber , als was Ich übrigbleibe , setze die ewige Sonne droben in einen ihrer grünen Frühlinge , in keinen düstern Winter . Die milden Gestifte , nach denen Notarien zu fragen haben , mach ' ich so , daß ich für dreitausend hiesige Stadtarme jeder Stände ebenso viele leichte Gulden aussetze , wofür sie an meinem Todestage im künftigen Jahre auf der Gemeinhut , wenn nicht gerade das Revue-Lager da steht , ihres aufschlagen und beziehen , das Geld froh verspeisen und dann in die Zelte sich kleiden können . Auch vermach ' ich allen Schulmeistern unsers Fürstentums , dem Mann einen Augustd ' or , so wie hiesiger Judenschaft meinen Kirchenstand in der Hofkirche . Da ich mein Testament in Klauseln eingeteilt haben will , so ist diese die erste . 2te Klausel Allgemein wird Erbsatzung und Enterbung unter die wesentlichsten Testamentsstücke gezählt . Demzufolge vermach ' ich denn dem Hrn . Kirchenrat Glanz , dem Hrn . Hoffiskal Knoll , dem Hrn . Hofagent Peter Neupeter , dem Hrn . Polizei-Inspektor Harprecht , dem Hrn . Frühprediger Flachs und dem Hrn . Hofbuchhändler Paßvogel und Hrn . Flitten vor der Hand nichts , weniger weil ihnen als den weitläuftigsten Anverwandten keine Trebellianica gebührt , oder weil die meisten selber genug zu vererben haben , als weil ich aus ihrem eigenen Munde weiß , daß sie meine geringe Person lieber haben als mein großes Vermögen , bei welcher ich sie denn lasse , so wenig auch an ihr zu holen ist . - Sieben lange Gesichtslängen fuhren hier wie Siebenschläfer auf . Am meisten fand sich der Kirchenrat , ein noch junger , aber durch gesprochene und gedruckte Kanzelreden in ganz Deutschland berühmter Mann , durch solche Stiche beleidigt - dem Elsasser Flitte entging im Sessionszimmer ein leicht geschnalzter Fluch - Flachsen , dem Frühprediger , wuchs das Kinn zu einem Bart abwärts - mehrere leise Stoß-Nachrufe an den seligen Kabel , mit Namen Schubjack , Narr , Unchrist usw. , konnte der Stadtrat hören . Aber der regierende Bürgermeister Kuhnold winkte mit der Hand , der Hoffiskal und der Buchhändler spannten alle Spring- und Schlagfedern an ihren Gesichtern wie an Fallen wieder an , und jener las fort , obwohl mit erzwungenem Ernste : 3te Klausel Ausgenommen gegenwärtiges Haus in der Hundsgasse , als welches nach dieser meiner dritten Klausel ganz so , wie es steht und geht , demjenigen von meinen sieben genannten Hrn . Anverwandten anfallen und zugehören soll , welcher in einer halben Stunde ( von der Vorlesung der Klausel an gerechnet ) früher als die übrigen sechs Nebenbuhler eine oder ein paar Tränen über mich , seinen dahingegangenen Onkel , vergießen kann vor einem löblichen Magistrate , der es protokolliert . Bleibt aber alles trocken , so muß das Haus gleichfalls dem Universalerben verfallen , den ich sogleich nennen werde . - Hier machte der Bürgermeister das Testament zu , merkte an , die Bedingung sei wohl ungewöhnlich , aber doch nicht gesetzwidrig , sondern das Gericht müsse dem ersten , der weine , das Haus zusprechen , legte seine Uhr auf den Sessionstisch , welche auf 11 1 / 2 Uhr zeigte , und setzte sich ruhig nieder , um als Testaments-Vollstrecker so gut wie das ganze Gericht aufzumerken , wer zuerst die begehrten Tränen über den Testator vergösse . - Daß es , solange die Erde geht und steht , je auf ihr einen betrübtern und krausern Kongreß gegeben als diesen von sieben gleichsam zum Weinen vereinigten trocknen Provinzen , kann wohl ohne Parteilichkeit nicht angenommen werden . Anfangs wurde noch kostbare Minuten hindurch bloß verwirrt gestaunt und gelächelt ; der Kongreß sah sich zu plötzlich in jenen Hund umgesetzt , dem mitten im zornigsten Losrennen der Feind zurief : wart auf ! - und der plötzlich auf die Hinterfüße stieg und Zähne-bleckend aufwartete - vom Verwünschen wurde man zu schnell ins Beweinen emporgerissen . An reine Rührung konnte - das sah jeder - keiner denken , so im Galopp an Platzregen , an Jagdtaufe der Augen ; doch konnte in 26 Minuten etwas geschehen . Der Kaufmann Neupeter fragte , ob das nicht ein verfluchter Handel und Narrensposse sei für einen verständigen Mann , und verstand sich zu nichts ; doch verspürt ' er bei dem Gedanken , daß ihm ein Haus auf einer Zähre in den Beutel schwimmen könnte , sonderbaren Drüsen-Reiz und sah wie eine kranke Lerche aus , die man mit einem eingeölten Stecknadelknopfe - das Haus war der Knopf - klistiert . Der Hoffiskal Knoll verzog sein Gesicht wie ein armer Handwerksmann , den ein Gesell Sonnabend abends bei einem Schusterlicht rasiert und radiert ; er war fürchterlich erboset auf den Mißbrauch des Titels von Testamenten und nahe genug an Tränen des Grimms . Der listige Buchhändler Paßvogel machte sich sogleich still an die Sache selber und durchging flüchtig alles Rührende , was er teils im Verlage hatte , teils in Kommission ; und hoffte etwas zu brauen ; noch sah er dabei aus wie ein Hund , der das Brechmittel , das ihm der Pariser Hundearzt Hemet auf die Nase gestrichen , langsam ableckt ; es war durchaus Zeit erforderlich zum Effekt . Flitte aus Elsaß tanzte geradezu im Sessionszimmer , besah lachend alle Ernste und schwur , er sei nicht der Reichste unter ihnen , aber für ganz Straßburg und Elsaß dazu wär ' er nicht imstande , bei einem solchen Spaß zu weinen . - Zuletzt sah ihn der Polizei-Inspektor Harprecht sehr bedeutend an und versicherte : falls Monsieur etwan hoffe , durch Gelächter aus den sehr bekannten Drüsen und aus den Meibomischen und der Karunkel und andern die begehrten Tropfen zu erpressen und sich diebisch mit diesem Fensterschweiß zu beschlagen , so wolle er ihn erinnern , daß er damit so wenig gewinnen könne , als wenn er die Nase schneuzen und davon profitieren wollte , indem in letztere , wie bekannt , durch den ductus nasalis mehr aus den Augen fließe als in jeden Kirchenstuhl hinein unter einer Leichenpredigt . - Aber der Elsasser versicherte , er lache nur zum Spaß , nicht aus ernstern Absichten . Der Inspektor seinerseits , bekannt mit seinem dephlegmierten Herzen , suchte dadurch etwas Passendes in die Augen zu treiben , daß er mit ihnen sehr starr und weit offen blickte . Der Frühprediger Flachs sah aus wie ein reitender Betteljude , mit welchem ein Hengst durchgeht ; indes hätt ' er mit seinem Herzen , das durch Haus- und Kirchenjammer schon die besten schwülsten Wolken um sich hatte , leicht wie eine Sonne vor elendem Wetter auf der Stelle das nötigste Wasser aufgezogen , wär ' ihm nur nicht das herschiffende Flöß-Haus immer dazwischengekommen als ein gar zu erfreulicher Anblick und Damm . Der Kirchenrat , der seine Natur kannte aus Neujahrs- und Leichenpredigten , und der gewiß wußte , daß er sich selber zuerst erweiche , sobald er nur an andere Erweichungs-Reden halte , stand auf - da er sich und andere so lang am Trockenseile hängen sah - und sagte mit Würde , jeder , der seine gedruckten Werke gelesen , wisse gewiß , daß er ein Herz im Busen trage , das so heilige Zeichen , wie Tränen sind , eher zurückzudrängen , um keinem Nebenmenschen damit etwas zu entziehen , als mühsam hervorzureizen nötig habe aus Nebenabsichten . - » Dies Herz hat sie schon vergossen , aber heimlich , denn Kabel war ja mein Freund « , sagt ' er und sah umher . Mit Vergnügen bemerkte er , daß alle noch so trocken dasaßen wie Korkhölzer ; besonders jetzt konnten Krokodile , Hirsche , Elefanten , Hexen , Reben leichter weinen als die Erben , von Glanzen so gestört und grimmig gemacht . Bloß Flachsen schlugs heimlich zu ; dieser hielt sich Kabels Wohltaten und die schlechten Röcke und grauen Haare seiner Zuhörerinnen des Frühgottesdienstes , den Lazarus mit seinen Hunden und seinen eigenen langen Sarg in der Eile vor , ferner das Köpfen so mancher Menschen , Werthers Leiden , ein kleines Schlachtfeld und sich selber , wie er sich da so erbärmlich um den Testaments-Artikel in seinen jungen Jahren abquäle und abringe - noch drei Stöße hatt ' er zu tun mit dem Pumpenstiefel , so hatte er sein Wasser und Haus . » O Kabel , mein Kabel « , fuhr Glanz fort , fast vor Freude über nahe Trauertränen weinend , » einst wenn neben deine mit Erde bedeckte Brust voll Liebe auch die meinige zum Vermod « - - » Ich glaube , meine verehrtesten Herren « , sagte Flachs , betrübt aufstehend und überfließend umhersehend , » ich weine « - setzte sich darauf nieder und ließ es vergnügter laufen ; er war nun auf dem Trocknen ; vor den Akzessitaugen hatt ' er Glanzen das Preis-Haus weggefischt , den jetzt seine Anstrengung ungemein verdroß , weil er sich ohne Nutzen den halben Appetit weggesprochen hatte . Die Rührung Flachsens wurde zu Protokoll gebracht und ihm das Haus in der Hundsgasse auf immer zugeschlagen . Der Bürgermeister gönnt ' es dem armen Teufel von Herzen ; es war das erstemal im Fürstentum Haßlau , daß Schul- und Kirchenlehrers Tränen sich , nicht wie die der Heliaden in leichten Bernstein , der ein Insekt einschließet , sondern , wie die der Göttin Freia , in Gold verwandelten . Glanz gratulierte Flachsen sehr und machte ihm froh bemerklich , vielleicht hab ' er selber ihn rühren helfen . Die übrigen trennten sich durch ihre Scheidung auf dem trockenen Weg von der Flachsischen auf dem nassen sichtbar , blieben aber noch auf das restierende Testament erpicht . Nun wurd ' es weiter verlesen . 4te Klausel Von jeher habe ich zu einem Universalerben meiner Activa - also meines Gartens vor dem Schaftore , meines Wäldleins auf dem Berge und der elftausend Georgd ' ors in der Südseehandlung in Berlin und endlich der beiden Fronbauern im Dorf Elterlein und der dazugehörigen Grundstücke - sehr viel gefodert , viel leibliche Armut und geistlichen Reichtum . Endlich habe ich in meiner letzten Krankheit in Elterlein ein solches Subjekt aufgetrieben . Ich glaubte nicht , daß es in einem Dutzend- und Taschenfürstentümlein einen blutarmen , grundguten , herzlichfrohen Menschen gebe , der vielleicht unter allen , die je den Menschen geliebt , es am stärksten tut . Er hat einmal zu mir ein paar Worte gesagt , und zweimal im Dunkeln eine Tat getan , daß ich nun auf den Jüngling baue , fast auf ewig . Ja ich weiß , dieses Universalerben tät ' ihm sogar wehe , wenn er nicht arme Eltern hätte . Ob er gleich ein juristischer Kandidat ist , so ist er doch kindlich , ohne Falsch , rein , naiv und zart , ordentlich ein frommer Jüngling aus der alten Väterzeit und hat dreißigmal mehr Kopf , als er denkt . Nur hat er das Böse , daß er erstlich ein etwas elastischer Poet ist , und daß er zweitens , wie viele Staaten von meiner Bekanntschaft bei Sitten-Anstalten , gern das Pulver auf die Kugel lädt , auch am Stundenzeiger schiebt , um den Minutenzeiger zu drehen . Es ist nicht glaublich , daß er je eine Studenten-Mausfalle aufstellen lernt ; und wie gewiß ihm ein Reisekoffer , den man ihm abgeschnitten , auf ewig aus den Händen wäre , erhellet daraus , daß er durchaus nicht zu spezifizieren wüßte , was darin gewesen und wie er ausgesehen . Dieser Universalerbe ist der Schulzen-Sohn in Elterlein , namens Gottwalt Peter Harnisch , ein recht feines , blondes , liebes Bürschchen - - * Die sieben Präsumtiv-Erben wollten fragen und außer sich sein ; aber sie mußten forthören . 5te Klausel Allein er hat Nüsse vorher aufzubeißen . Bekanntlich erbte ich seine Erbschaft selber erst von meinem unvergeßlichen Adoptivvater van der Kabel in Broek im Waterland , dem ich fast nichts dafür geben konnte als zwei elende Worte , Friedrich Richter , meinen Namen . Harnisch soll sie wieder erben , wenn er mein Leben , wie folgt , wieder nach- und durchlebt . 6te Klausel Spaßhaft und leicht mags dem leichten poetischen Hospes dünken , wenn er hört , daß ich deshalb bloß fordere und verordne , er soll - denn alles das lebt ' ich eben selber durch , nur länger - weiter nichts tun als : a ) einen Tag lang Klavierstimmer sein - ferner b ) einen Monat lang mein Gärtchen als Obergärtner bestellen - ferner c ) ein Vierteljahr Notarius - ferner d ) solange bei einem Jäger sein , bis er einen Hasen erlegt , es dauere nun 2 Stunden oder 2 Jahre - e ) er soll als Korrektor 12 Bogen gut durchsehen f ) er soll eine buchhändlerische Meßwoche mit Hrn . Paßvogel beziehen , wenn dieser will - g ) er soll bei jedem der Hrn . Akzessit-Erben eine Woche lang wohnen ( der Erbe müßt ' es sich denn verbitten ) und alle Wünsche des zeitigen Mietsherrn , die sich mit der Ehre vertragen , gut erfüllen - h ) er soll ein paar Wochen lang auf dem Lande Schul halten - endlich i ) soll er ein Pfarrer werden ; dann erhält er mit der Vokation die Erbschaft . - Das sind seine neun Erb-Ämter . 7te Klausel Spaßhaft , sagt ' ich in der vorigen , wird ihm das vorkommen , besonders da ich ihm verstatte , meine Lebens-Rollen zu versetzen und z.B. früher die Schulstube als die Messe zu beziehen - bloß mit dem Pfarrer muß er schließen - ; aber , Freund Harnisch , dem Testament bieg ' ich zu jeder Rolle einen versiegelten Reguliertarif , genannt die geheimen Artikel , bei , worin ich Euch in den Fällen , wo Ihr das Pulver auf die Kugel ladet , z.B. in Notariatsinstrumenten , kurz gerade für eben die Fehler , die ich sonst selber begangen , entweder um einen Abzug von der Erbschaft abstrafe , oder mit dem Aufschube ihrer Auslieferung . Seid klug , Poet , und bedenkt Euren Vater , der so manchem Edelmann im -a-n gleicht , dessen Vermögen wie das eines russischen zwar in Bauern besteht , aber doch nur in einem einzigen , welches er selber ist . Bedenkt Euren vagabunden Bruder , der vielleicht , eh ' Ihrs denkt , aus seinen Wanderjahren mit einem halben Rocke vor Eure Türe kommen und sagen kann : » Hast du nichts Altes für deinen Bruder ? Sieh diese Schuhe an ! « - Habt also Einsichten , Universalerbe ! 8te Klausel Den Hrn . Kirchenrat Glanz und alle bis zu Hrn . Buchhändler Paßvogel und Flitte ( inclusive ) mach ' ich aufmerksam darauf , wie schwer Harnisch die ganze Erbschaft erobern wird , wenn sie auch nichts erwägen als das einzige hier an den Rand genähte Blatt , worauf der Poet flüchtig einen Lieblings-Wunsch ausgemalt , nämlich den , Pfarrer in Schweden zu werden . ( Herr Bürgermeister Kuhnold fragte hier , ob ers mitlesen solle ; aber alle schnappten nach mehren Klauseln , und er fuhr fort : ) Meine t. Hrn . Anverwandten fleh ' ich daher - wofür ich freilich wenig tue , wenn ich nur zu einiger Erkenntlichkeit ihnen zu gleichen Teilen hier sowohl jährlich zehn Prozent aller Kapitalien als die Nutznießung meines Immobiliar-Vermögens , wie es auch heiße , so lange zuspreche , als besagter Harnisch noch nicht die Erbschaft nach der sechsten Klausel hat antreten können - solche fleh ' ich als ein Christ die Christen an , gleichsam als sieben Weise dem jungen möglichen Universalerben scharf aufzupassen und ihm nicht den kleinsten Fehltritt , womit er den Aufschub oder Abzug der Erbschaft verschulden mag , unbemerkt nachzusehen , sondern vielmehr jeden gerichtlich zu bescheinigen . Das kann den leichten Poeten vorwärtsbringen und ihn schleifen und abwetzen . Wenn es wahr ist , ihr sieben Verwandten , daß ihr nur meine Person geliebt , so zeigt es dadurch , daß ihr das Ebenbild derselben recht schüttelt ( den Nutzen hat das Ebenbild ) und ordentlich , obwohl christlich , chikaniert und vexiert und sein Regen- und Siebengestirn seid und seine böse Sieben . Muß er recht büßen , nämlich passen , desto ersprießlicher für ihn und für euch . 9te Klausel Ritte der Teufel meinen Universalerben so , daß er die Ehe bräche , so verlör ' er die Viertels-Erbschaft - sie fiele den sieben Anverwandten heim - ; ein Sechstel aber nur , wenn er ein Mädchen verführte . - Tagreisen und Sitzen im Kerker können nicht zur Erwerbzeit der Erbschaft geschlagen werden , wohl aber Liegen auf dem Kranken- und Totenbette . 10te Klausel Stirbt der junge Harnisch innerhalb zwanzig Jahren , so verfället die Erbschaft den hiesigen corporibus piis . Ist er als christlicher Kandidat examiniert und bestanden : so zieht er , bis man ihn voziert , zehn Prozent mit den übrigen Hrn . Erben , damit er nicht verhungere . 11te Klausel Harnisch muß an Eidesstatt geloben , nichts auf die künftige Erbschaft zu borgen . 12te Klausel Es ist nur mein letzter Wunsch , obwohl nicht eben mein Letzter Wille , daß , wie ich den van der Kabelschen Namen , er so den Richterschen bei Antritt der Erbschaft annehme und fortführe ; es kommt aber sehr auf seine Eltern an . 13te Klausel Ließe sich ein habiler , dazu gesattelter Schriftsteller von Gaben auftreiben und gewinnen , der in Bibliotheken wohl gelitten wäre : so soll man dem venerabeln Mann den Antrag tun , die Geschichte und Erwerbzeit meines möglichen Universalerben und Adoptivsohnes , so gut er kann , zu schreiben . Das wird nicht nur diesem , sondern auch dem Erblasser - weil er auf allen Blättern vorkommt - Ansehen geben . Der treffliche , mir zur Zeit noch unbekannte Historiker aber nehme von mir als schwaches Andenken für jedes Kapitel eine Nummer aus meinem Kunst- und Naturalienkabinett an . Man soll den Mann reichlich mit Notizen versorgen . 14te Klausel Schlägt aber Harnisch die ganze Erbschaft aus , so ists so viel , als hätt ' er zugleich die Ehe gebrochen und wäre Todes verfahren ; und die 9te und lote Klausel treten mit vollen Kräften ein . 15te Klausel Zu Exekutoren des Testaments ernenn ' ich dieselben hochedlen Personen , denen oblatio testamenti geschehen ; indes ist der regierende Bürgermeister , Hr . Kuhnold , der Obervollstrecker . Nur er allein eröffnet stets denjenigen unter den geheimen Artikeln des Reguliertarifs vorher , welcher für das jedesmalige gerade von Harnisch gewählte Erb-Amt überschrieben ist . - In diesem Tarif ist es auf das genaueste bestimmt , wieviel Harnischen z.B. für das Notariuswerden beizuschießen ist - denn was hat er ? und wieviel jedem Akzessit-Erben zu geben , der gerade ins Erb-Amt verwickelt ist , z.B. Herrn Paßvogel für die Buchhändler-Woche oder für siebentägigen Hauszins . Man wird allgemein zu frieden sein . 16te Klausel Folioseite 276 seiner vierten Auflage fodert Volkmannus emendatus von Erblassern die providentia oder » zeitige Fürsehung « , so daß ich also in dieser Klausel festzusetzen habe , daß jeder der sieben Akzessit-Erben oder alle , die mein Testament gerichtlich anzufechten oder zu rumpieren suchen , während des Prozesses keinen Heller Zinsen erhalten , als welche den andern oder streiten sie alle - dem Universalerben zufließen . 17te und letzte Klausel Ein jeder Wille darf toll und halb und weder gehauen noch gestochen sein , nur aber der Letzte nicht , sondern dieser muß , um sich zum zweiten- , dritten- , viertenmal zu runden , also konzentrisch , wie überall bei den Juristen , zur clausula salutaris , zur donatio mortis causa und zur reservatio ambulatoriae voluntatis greifen . So will ich denn hiemit darzu gegriffen haben , mit kurzen und vorigen Worten . - Weiter brauch ' ich mich der Welt nicht aufzutun , vor der mich die nahe Stunde bald zusperren wird . Sonstiger Fr . Richter , jetziger van der Kabel . * Soweit das Testament . Alle Formalien des Unterzeichnens und Untersiegelns etc. etc. fanden die sieben Erben richtig beobachtet . Nr. 2. Katzensilber aus Thüringen J. P. F. R.s Brief an den Stadtrat Der Verfasser dieser Geschichte wurde von der Testamentsexekution , besonders vom trefflichen Kuhnold , zum Verfasser gewählt . Auf einen solchen ehrenvollen Auftrag gab er folgende Antwort . P. P. Einem hochedlen Stadtrat oder einer trefflichen Testamentsexekution die Freude zu malen , daß Sie und die Klausel : Ließe sich ein habiler , dazu gesattelter Schriftsteller etc. mich aus 55000 zeitigen Autoren zum Geschichtschreiber eines Harnisch ausgelesen ; Ihnen mit bunten Farben das Vergnügen zu schildern , daß ich mit solchen Arbeiten und Mitarbeitern beehrt worden : dazu hatt ' ich vorgestern , da ich mit Weib und Kind und allem von Meinungen nach Koburg zog und unzählige Dinge auf- und abzuladen hatte , ganz natürlich keine Zeit . Ja , kaum war ich zum Stadttore und zur Haustüre hinein , so ging ich wieder heraus auf die Berge , wo eine Menge schöner Gegenden neben- und hintereinander wohnen : » Wie oft « , sagt ' ich droben , » wirst du dich nicht künftig auf diesen Tabors verklären ! « Hier send ' ich dem etc. etc. Stadtrate die erste Nummer , Bleiglanz überschrieben , ganz ausgearbeitet ; ich bitte aber die trefflichen Exekutoren , zu bedenken , daß die künftigen Nummern reicher und feiner ausfallen und ich mich darin mehr werde zeigen können als in der ersten , wo ich fast nichts zu machen hatte als die Abschrift der erhaltenen Testaments-Kopie . Das Katzensilber aus Thüringen habe ganz erhalten ; nächstens läuft das Kapitel dafür ein , das aus einer Kopie des gegenwärtigen Briefes , für die Leser , bestehen soll . Ein weder zu barocker noch zu verbrauchter Titel für das Werk ist auch schon fertig ; Flegeljahre ist es betitelt . So hat denn die Maschine ihren ordentlichen Mühlengang . Wenn die van der Kabelsche Kunst- und Naturalien-Sammlung siebentausendundzweihundertunddrei Stücke und Nummern stark ist , wie ich aus dem Inventarium ersehe : so werden wir wohl , da der Selige für jedes Stück sein ganzes Kapitel haben will , die Kapitel etwas einlaufen lassen müssen , weil sonst ein Werk herauskäme , das sich länger ausstreckte als alle meine opera omnia ( inclusive dieses ) zusammengenommen . In der gelehrten Welt sind ja alle Kapitel erlaubt , Kapitel von einem Alphabet bis zu Kapiteln von einer Zeile . Was die Arbeit selber anlangt , so verpfändet sich der Meister einem hochedlen Stadtrate dafür , daß er eine liefern will , die man keck jedem Mitmeister , er sei Stadt- oder Frei- und Gnadenmeister , zu beschauen geben kann , besonders da ich vielleicht mit dem sel . van der Kabel , sonst Richter , selber verwandt bin . Das Werk - um nur einiges vorauszusagen - soll alles befassen , was man in Bibliotheken viel zu zerstreut antrifft ; denn es soll ein kleiner Supplementband zum Buche der Natur werden und ein Vorbericht und Bogen A zum Buche der Seligen Dienstboten , angehenden Knaben und erwachsenen Töchtern wie auch Landmännern und Fürsten werden darin die Collegia conduitica gelesen - Ein Stylisticum lieset das Ganze - Für den Geschmack der fernsten , selber der geschmacklosesten Völker wird darin gesorgt ; die Nachwelt soll darin ihre Rechnung nicht mehr finden als Mit- und Vorwelt - Ich berühre darin die Vakzine - den Buch- und Wollenhandel - die Monatsschriftsteller - Schellings magnetische Metapher oder Doppelsystem - - die neuen Territorialpfähle - die Schwänzelpfennige - die Feldmäuse samt den Fichtenraupen - und Bonaparten , das berühr ' ich , freilich flüchtig als Poet - Über das weimarsche Theater äußer ' ich meine Gedanken , auch über das nicht kleinere der Welt und des Lebens - Wahrer Scherz und wahre Religion kommen hinein , obwohl diese jetzt so selten ist als ein Fluch in Herrnhut oder ein Bart am Hof . - Böse Charaktere , so mir der hochedle Rat hoffentlich zufertigt , werden tapfer gehandhabt , doch ohne Persönlichkeiten und Anzüglichkeiten ; denn schwarze Herzen und schwarze Augen sind ja - näher in letztere gefasset - nur braun ; und ein Halbgott und ein Halbvieh können sehr gut dieselbe zweite Hälfte haben , nämlich die menschliche - und darf die Peitsche wohl je so dick sein als die Haut ? - Trockne Rezensenten werden ergriffen und ( unter Einschränkung ) durch Erinnerungen an ihre goldne Jugend und an so manchen Verlust bis zu Tränen gerührt , wie man mürbe Reliquien ausstellt , damit es regne - Über das siebzehnte Jahrhundert wird frei gesprochen , und über das achtzehnte human , über das neueste wird gedacht , aber sehr frei - Das Schaf , das eine Chrestomathie oder Jean Pauls Geist aus meinen Werken auszog mit den Zähnen , bekommt aus jedem Bande einen Band zu extrahieren in die Hand , so daß besagtes gar keine Auslese , sondern nur eine Abschrift zu machen braucht , samt den einfältigsten Noten und Präfationen - Gleich dem Not- und Hülfs-Büchlein muß das Buch Arzneimittel , Ratschläge , Charaktere , Dialogen und Historien liefern , aber so viele , daß es jenem Not- könnte beigebunden werden als Hülfs-Buch , als weitläuftiger Auszug und Anhang , weil jedes Werk der Darstellung so gut aus einem Spiegel in eine Brille muß umzuschleifen sein , als venezianische Spiegelscherben zu wirklichen Brillengläsern genommen werden - In jeden Druckfehler soll sich Verstand verstecken und in die errata Wahrheiten - Täglich wird das Werkchen höher klettern , aus Lesebibliotheken in Leih bibliotheken , aus diesen in Ratbibliotheken , die schönsten Ehren- und Parade-Betten und Witwensitze der Musen - -