ein Deutscher von niedriger Herkunft , der aber zu großem Reichtume gelangt war und sich nun hier niederließ . Die Verhältnisse in der Provinz machten es damals einem fremden Elemente leicht , Boden zu gewinnen , wo man es ihm sonst bedeutend erschwert hätte . Die Nachwehen des letzten Aufstandes , der , wenn auch jenseits der Grenze ausgebrochen , doch die deutschen Landesteile in Mitleidenschaft gezogen hatte , machten sich noch überall fühlbar . Die Hälfte des Adels war geflüchtet oder verarmt , infolge der Opfer , die sie der Sache ihres Vaterlandes gebracht hatten , und so war es für Nordeck nicht schwer , die verschuldeten Güter für die Hälfte ihres Wertes an sich zu bringen und nach und nach in den Besitz einer Herrschaft zu gelangen , die ihm eine Stellung unter den ersten Grundbesitzern des Landes sicherte . Freilich war der Eindringling von sehr geringer Bildung und abstoßender Persönlichkeit , auch ergab es sich bald , daß er ein durchaus charakter- und gesinnungsloser Mensch war , aber der riesige Besitz gab ihm nichtsdestoweniger eine Macht , die in der Umgegend nur zu bald gefühlt wurde , um so mehr , als sie sich mit entschiedener Feindseligkeit gegen alles kehrte , was Polentum hieß , vielleicht aus Rache dafür , daß die ausschließlich aristokratische und slavische Nachbarschaft sich mit unverhehlt gegen ihn ausgesprochener Verachtung fernhielt . Mochten nun Unvorsichtigkeiten von dieser Seite vorgefallen sein , mochte der schlaue Fremde auf eigene Hand den Spion gespielt haben , genug , er erlangte Einsicht in gewisse Parteibestrebungen . Dies machte ihn zu einem höchst gefährlichen Gegner und seine Freundschaft geradezu zu einem Gebote der Notwendigkeit . Man mußte um jeden Preis den Mann gewinnen , der , wie man längst wußte , zu gewinnen war . Der Bestechung war der Millionär natürlich unzugänglich , so blieb nur seine Eitelkeit übrig , die ihm die Verschwägerung mit einer der polnischen Adelsfamilien als sehr wünschenswert erscheinen ließ . Vielleicht lenkte der Umstand , daß Wilicza noch bis vor einem halben Jahrhundert im Besitze der Morynskischen Familie gewesen war , die Wahl gerade auf die Enkelin jenes letzten Besitzers ; vielleicht fand sich auch kein andres Haus , welches seine Tochter oder Schwester zu dem Opfer hergeben wollte , das man von der armen , abhängigen Waise verlangte . Dem rohen Emporkömmling schmeichelte es , daß die Hand einer Gräfin Morynska für ihn erreichbar war ; nach einer Mitgift brauchte er nicht zu fragen . Er ging also mit vollem Eifer auf den Plan ein , und Jadwiga sah sich bei ihrem Eintritte in die Welt schon einer Bestimmung gegenüber , gegen die sich ihr ganzes Wesen empörte . Ihr erster Schritt war entschiedene Weigerung , aber was vermochte das Nein eines siebzehnjährigen Mädchens gegen einen Familienbeschluß , dessen Ausführung man als eine Notwendigkeit ansah . Als Befehle und Drohungen nichts fruchteten , nahm man seine Zuflucht zu Vorstellungen . Man zeigte der jungen Verwandten die glänzende Rolle , welche sie als Herrin von Wilicza spielen werde , die unbedingte Herrschaft , die sie über einen Mann ausüben müsse , zu dem sie so tief herabsteige . Man sprach ihr von der Genugthuung , daß wieder eine Morynska auf den ihren Vorfahren entrissenen Gütern gebieten solle , von der Notwendigkeit , aus dem gefürchteten Gegner ein gefügiges Werkzeug der eigenen Pläne zu machen . Man forderte von ihr , daß sie Wilicza und die riesigen Mittel , über welche sein Herr gebot , den Interessen ihrer Partei erhalte – und was dem Zwange verweigert worden war , das erreichte die Ueberredung . Die Rolle einer armen , abhängigen Verwandten war keineswegs nach dem Geschmacke der jungen Gräfin ; sie war glühend ehrgeizig , Herzensneigungen und Herzensbedürfnisse kannte sie nicht , und die flüchtig auflodernde Leidenschaft , die Nordeck bei ihrem Anblick verriet , ließ auch sie glauben , daß ihre Herrschaft über ihn unbegrenzt sein werde . So gab sie denn endlich nach , und die Vermählung fand statt . Aber die Pläne , die Berechnung und Eigennutz von beiden Seiten gesponnen , sollten sämtlich scheitern . Man hatte sich getäuscht in diesem Manne , der , anstatt sich dem Willen seiner jungen Frau zu beugen , nun seinerseits den Herrn und Gebieter herauskehrte , der sich jedem Einflusse unzugänglich zeigte und dessen flüchtige Neigung für die Gattin sich bald genug zum Haß verwandelte , als er entdeckte , daß sie ihn und sein Vermögen nur den Interessen ihrer Familie dienstbar machen wollte . Die Geburt eines Sohnes änderte nichts in diesem Verhältnisse . Die Kluft zwischen den Gatten schien im Gegenteil nur noch tiefer zu werden . Nordecks Charakter war freilich nicht danach , einer Frau Achtung einzuflößen , diese Frau aber ließ ihn ihre Verachtung in einer Weise fühlen , die jeden Mann zum Äußersten gebracht hätte . Es kam zu furchtbaren Scenen , und nach einer derselben verließ die junge Herrin Wiliczas das Schloß und floh in den Schutz ihres Bruders . Der kleine Waldemar , der damals kaum das erste Lebensjahr zurückgelegt hatte , war bei dem Vater zurückgeblieben . Nordeck , wütend über die Flucht seiner Gemahlin , forderte gebieterisch deren Rückkehr . Bronislaw that , was er konnte , die Schwester zu schützen , und es wäre zwischen ihm und seinem Schwager vielleicht zum Schlimmsten gekommen – da löste unerwartet der Tod die kurze und doch so unglückliche Ehe . Ein Sturz mit dem Pferde auf der Jagd , die er mit wildester Leidenschaft trieb , machte dem Leben Nordecks ein Ende , aber auf seinem Sterbebette hatte er noch Kraft und Besinnung genug , ein Testament zu diktieren , das seine Gemahlin von jedem Anteil sowohl an dem Vermögen wie an der Erziehung des Kindes ausschloß . Ihre Flucht aus seinem Hause gab ihm das Recht dazu , und er gebrauchte es schonungslos . Waldemar wurde der Vormundschaft eines ehemaligen Jugendfreundes und entfernten Verwandten übergeben und dieser mit der unbeschränktesten Vollmacht ausgestattet . Die Witwe