mehr , wenn er behauptet , daß die Güter nach sechs Jahren das Sechsfache ihres bisherigen Werthes haben würden . “ „ Nun , und wenn ’ s wäre , was geht das uns an ? “ Der verächtliche Ausdruck lag noch immer um den Mund des Grafen . „ Man wird dafür sorgen , daß er auf seiner Scholle bleibt . Uebrigens soll er ja , wie ich höre , ganz in seine wirthschaftlichen Angelegenheiten vertieft sein und gar nicht beabsichtigen , auf einem andern Gebiete irgend eine Rolle zu spielen . “ „ Weil er noch fremd ist . Warten wir erst ab , wenn er festen Fuß gefaßt hat . Es ist immer gefährlich , wenn ein Fremder , ein Protestant , all die Arbeitskräfte der Umgegend an sich zieht und für sie eine Autorität wird . Es gährt ohnedies hier überall ; man wird ihm gegenüber Stellung nehmen müssen . “ Der Graf hörte die letzten Worte kaum , er wandte sich hastig um , denn in diesem Moment wurde die Flügelthür von Neuem geöffnet und ein junger Mönch in der schwarzen Tracht der Benedictiner erschien auf der Schwelle . Er konnte höchstens vier- oder fünfundzwanzig Jahre alt sein , aber es lag nichts von Jugendfrische und Jugendleben in diesen Zügen , die Beides vielleicht nie gekannt hatten . Ueppiges dunkles Lockenhaar kräuselte sich um die hohe Stirn und umgab ein Antlitz , das selbst in seiner ascetischen Blässe und seinem Ausdruck finsterer Verschlossenheit noch schön zu nennen waren . Die kalte , fast eisige Haltung contrastirte seltsam mit dem düstern Feuer der großen tiefliegenden Augen , während das lange dunkle Ordensgewand den hohen Wuchs noch mehr hervortreten ließ . Er blieb schweigend , mit einer tiefen ernsten Verneigung an der Thür stehen , trotzdem er sah , daß Graf Rhaneck im Begriff stand , ihm entgegen zu gehen , und trat erst auf einen Wink des Prälaten langsam näher . „ Graf Rhaneck wünscht Sie zu sehen , deshalb ließ ich Sie rufen , Pater Benedict ! “ erklärte dieser . „ Du ziehst doch wohl vor , Deinen Schützling allein zu sprechen , Ottfried ; ich will das erste Wiedersehen nicht stören . Im Cabinet findest Du mich . “ Er grüßte leicht mit der Hand und zog sich in das anstoßende Gemach zurück , Pater Benedict neigte sich , wie vorhin , tief und unterwürfig vor seinem geistlichen Oberherrn , der Graf aber trat jetzt auf ihn zu und bot ihm die Hand . „ Wir haben uns lange nicht gesehen , ein volles Jahr lang nicht ! Muß ich jetzt auch dem hochwürdigen Herrn Pater die Ehren seines neuen Standes geben , oder ist mir noch die frühere Vertraulichkeit und der weltliche Name erlaubt ? “ Die Worte klangen freundlich und herzlich , und es war ein eigenthümlicher , halb froher halb düsterer Blick , der dabei forschend über das Antlitz des jungen Mönches glitt , aber dieser erwiderte die Begrüßung kaum , seine Hand lag kalt und still in der des Grafen , ohne dessen Druck zu erwidern , und seine Züge blieben unbeweglich , als er ablehnend sagte : „ O , ich bitte , Herr Graf ! “ Rhaneck lächelte . „ Nun , der Vormund und ehemalige Beschützer kann auch wohl noch das alte Recht in Anspruch nehmen , nicht , Bruno ? Also jetzt endlich ist das Ziel erreicht , dem Du von frühester Jugend an bestimmt wurdest , nach dem Du selbst mit allen Kräften gerungen hast . Du gehörst nun dem alten berühmten Orden an , der jedem seiner Mitglieder die Priesterwürde verleiht , zu dem ein Jeder das Wissen und den Beruf des Priesters mitbringen muß . Nicht wahr , es ist ein anderes Gefühl , als Geweihter des Herrn vom Altare auf die Menge herabzu  blicken , [ 24 ] die sich um Deinen Segen drängt , als unter ihr verloren zu knieen und zu beten ? “ Es zuckte etwas auf in den Zügen des jungen Priesters bei den letzten Worten , vielleicht zustimmende Begeisterung , vielleicht auch etwas Anderes , deuten ließ es sich nicht , denn die langen Wimpern sanken sofort nieder und verschleierten den Blick , er sah zu Boden . „ Vor allen Dingen muß ich Ihnen , Herr Graf , meinen Dank aussprechen , daß Sie mir dies Ziel ermöglichten . Nur Ihrer Güte allein verdanke ich meine Erziehung und Ausbildung , verdanke ich die Aufnahme in das Stift , die dem armen elternlosen Knaben , von niedriger Herkunft , wohl nie zu Theil geworden wäre . Ich fühle tief die Schuld – “ Ueber die Stirn Rhaneck ’ s lief eine glühende , schnell verschwindende Röthe , und hastig , beinahe ungestüm fiel er dem Redenden in ’ s Wort . „ Nicht doch , nicht doch ! Nur nichts von Dank , von Schuld und dergleichen ! Es war mein Wunsch , Dich diesem Stande gewidmet zu sehen , und ich bin überzeugt , Du wirst ihm Ehre machen . Mein Bruder stellt Dir das ehrenvollste Zeugniß aus , aber auch ihm gehst Du zu weit in Deinem rastlosen Eifer . Ich hoffte , Du würdest nach dem angestrengten Studium des Noviziats hier im Kloster endlich die Ruhe finden , deren Du so sehr bedarfst , statt dessen überarbeitest Du Dich nach wie vor , wachst ganze Nächte hindurch , gönnst Dir selbst auf Deinen Spaziergängen keine Erholung . Der Pater Prior sagte mir , als ich bei der Ankunft nach Dir fragte , Du lägest sicher wieder im nahen Walde und brütetest über irgend einem canonischen Werke , das Du mit Dir genommen . Bruno , wo soll das denn endlich hinaus ? “ Der Vorwurf klang sehr milde , aber er mußte doch irgend eine wunde Stelle berühren , bei Erwähnung des Waldes schoß plötzlich eine dunkle Gluth in dem Antlitz des jungen Mönches auf und färbte brennend heiß Stirn und Schläfe