auf in dem belebenden Dufte , der sich jetzt erhob , auch ihm floß es wie erquickliche Kühle durch die Adern : was war es denn gewesen , das ihn so erschreckt hatte ? Hier ging er ja gesund und kräftig wie nur jemals ! Und daheim ? Verlockend , wie noch nie , stand seines Weibes schlanke jugendliche Gestalt vor seinen Sinnen . Immer rascher schritt er durch den gewaltig niederrauschenden Regen , bis er das Gebell seiner beiden braunen Hunde hörte , die mit ausgelassenen Sprüngen ihm entgegentobten , und bis er endlich dann mit leuchtendem Angesicht vor seinem blonden Weibe stand . Freilich , von Kuß und Umarmung des triefenden Geliebten wollte sie für jetzt nichts wissen ; lachend , mit vorgestreckten Händen , drängte sie ihn in die Kammer : » Hier , Rudolf , ist der Schlüssel zu deinem Kleiderschrank . Wenn du hübsch trocken bist , darfst du zu mir kommen und dir deine Schelte holen ! « Und ihre Augen lachten wie die lieblichste Verheißung . Aber der glückliche Schluß dieses Tages hatte seinen übrigen Inhalt nicht beseitigen können . Es war in Rudolf etwas wachgerufen , das während seiner kurzen Ehezeit bisher geschlafen hatte ; ein Zufall hatte die Decke jetzt gelüpft , und er sah es in der Tiefe liegen und allmählich höher steigen , bis es endlich unverrückt mit den feindlichen Augen zu ihm emporstarrte . Immer öfter zog es seinen Blick dahin , so daß er dauernd auf nichts anderes mehr sehen konnte und zu Arbeiten , die er vormals bequem bewältigt hatte , nicht selten die Nacht zu Hülfe nehmen mußte . Eine Geschäftsreise nach der Residenz im Auftrage des Grafen brachte Abwechselung und eine Einkehr bei der Mutter . Sie hatte bei seinem Empfange ihn lange stumm betrachtet und ihn dann in das zweite Zimmer geführt , das Rudolf früher wohl scherzend ihren Ahnensaal zu nennen pflegte . » Du siehst übel aus , mein Sohn ! « war das erste Wort , das sie ihm sagte , als sie sich gegenübersaßen . Er suchte ihr das auszureden und wollte es auf die Nachtfahrt schieben , aber sie unterbrach ihn : » Seit deines Vaters Augen so früh sich geschlossen , waren die meinen nur auf dich gerichtet ; du vermagst mich nicht zu täuschen . « Und als er schwieg , ergriff sie seine beiden Hände : » Du bist unglücklich , mein Sohn ; nur deiner Mutter kannst du das nicht verbergen ! « Er sah wie gedankenlos eine Weile zu ihr hinüber . » Ja , Mutter « , sagte er dann ; » ich glaube fast , daß ich es bin . « » Weshalb , Rudolf , weshalb bist du es ? « Auf dem Tische lag eine Zeitung ; Rudolf hob sie auf , es war dieselbe , die der Oberförster und er zusammen hielten . » Hast du das gelesen neulich ? « sagte er zögernd ; » das – mit dem Hufschmied ? « » Ja , Rudolf , ich hab es gelesen . Was soll das ? Der Unglückliche ! « » Die Unglückliche ! « erwiderte er , stark das erste Wort betonend . » Und hast du auch gelesen , nach dreizehn Jahren ist es ausgebrochen ? « » Was soll das ? Was willst du , Rudolf ? « frug sie wieder . Er war aufgestanden . » Mutter « , sagte er leise ; » bin ich nicht auch von einem solchen Hund gebissen worden ? Und sie , die Unglückliche , ist ewig , was wir hier ewig nennen , an mir festgeschmiedet ! Wir waren übel beraten , Mutter , als wir die schöne Unschuld für meinen Dienst betrogen . « Sie blickte ihn fast zornig an : » Das ist es , Rudolf ? Ich verstand dich nicht . « » Ja , Mutter ; was konnte es anders sein ? « Ein schmerzliches Aufleuchten ging durch die dunkeln Augen der Frau , und einige Sekunden lang bedeckte sie sie mit ihrer weißen Hand . » Wenn ich für dich gesündigt habe « , sagte sie bitter , » so habe ich mit Recht den Dank dafür verloren ; laß mich ' s denn auch allein verantworten ! « Er nahm ihre nur schwach widerstrebende Hand und küßte sie : » Ich bin nicht undankbar , Mutter ; aber ich weiß auch , daß ich meine Schuld allein zu tragen habe . « Frau von Schlitz antwortete nicht sogleich ; hinter ihrer breiten Stirn , die unter einer schwarzen Florhaube noch blasser als das Antlitz ihres Sohnes schien , hielten die Gedanken raschen Überschlag . » Besinne dich « , begann sie dann anscheinend ruhig ; » du hast den Brief deines derzeitigen Arztes selbst gelesen , er enthielt nichts , was zu verbergen war ; von jener Seite droht deinem oder , wie ich jetzt ja sagen muß , euerem Leben nicht Gefahr . Dich drückt nur das Geheimnis , das Versprechen , das du mir gegeben hast ; ich gebe es dir zurück , es war unnötige , übertriebene Sorge , da ich es von dir verlangte . « Aber Rudolf blickte wie erstaunt auf sie herab . » Reden ? Jetzt noch reden , Mutter ? Und das rätst du mir ? Und Anna ? Anna ? Dreizehn Jahre lang , und immer die armen Augen nach dem Schreckgespenst ? – – Nein , nein ! « rief er heftig , » jetzt muß ich mit mir selber fertig werden ! « » Und wenn du es nicht wirst , Rudolf ? « Wie von Angst gepreßt wurden diese Worte ausgestoßen . » Dann « , sagte er langsam , » wird sie frei von mir ; es gibt nur einen Weg , den ich ohne sie noch gehen kann . O Mutter , hat denn mein Vater dich nicht auch geliebt ? « Sie hatte sich aufgerichtet