Aber du magst ja nicht mit Männern tanzen ! « – » Oh , wie du reden kannst ! Ich bin ja dein ! « » Und was sollen deine Abgewiesenen sagen ? « » Ich weiß nicht . Wir wollen tanzen ! « Und wir tanzten miteinander ; nur dies eine Mal in unserem Leben . Du weißt , Hans , ich war einst ein leidenschaftlicher Tänzer , und ich meine , auch kein ungeschickter ; aber jetzt war mir , als würden meine Füße beflügelt , als ströme eine Kraft , die Kunst des Tanzes , von meinem Weibe auf mich über , und dennoch – mitunter befiel mich Furcht , als könne ich sie nicht halten , als müsse sie mir in Luft zergehen . » Oh , das war schön ! « hauchte Elsi ; » wie liebe ich dich , Franz ! « Ich ließ das alles wie einen stillen Zauber über mich ergehen , denn – und das gehört wohl noch zu dem Bilde dieser Frau – der Haushalt ging desungeachtet unter ihren Händen wie von selber ; ja , ich habe nie gemerkt , daß überhaupt gehaushaltet wurde ; es war , als ob die toten Dinge ihr gegenüber Sprache erhielten , als ob sie ihr zuriefen : » Hier in der Ecke steckt noch ein Häufchen Staub , hier ist ein Fleck , stell hier die Köchin , hier die Stubenmagd ! « Es war wie im Märchen , wo es dem Kinde beim Gange durch den Zaubergarten aus den Apfelbäumen zuruft : » Pflück mich , ich bin reif ! « » Nein , ich noch reifer ! « – Von der Wirtschaftsunruhe , an der so viele Ehen kranken , habe ich niemals was erfahren . Doch ich habe weiter zu berichten , denn die Zeit des Glückes war nur kurz . – – Es war an einem Maiabend unseres vierten Ehejahres , als ich von einer ermüdenden Praxis nach Haus zurückkehrte . Da es still und mild war , ging ich zunächst in den Garten , wo ich bei solchem Wetter und um diese Zeit meine Frau zu finden pflegte ; ich ging die Steige durch die Tannen , zuletzt noch unten nach dem Rasen , der , wie wir schon im Herbst bemerkt hatten , ganz mit Veilchen durchsetzt war ; aber die bescheidenen Blumen , die um Mittag den Platz mit Duft erfüllt hatten , waren in der herabsinkenden Abenddämmerung kaum noch sichtbar . Es war hier alles leer ; auch Else war nirgend zu sehen , und so wandte ich mich und ging wieder dem Hause zu . Als ich nach den beiden Fenstern unseres Wohnzimmers hinaufblickte , die hier hinaus im oberen Stocke lagen , sah ich , daß sie ganz von dunklem Abendrot wie überströmt waren ; aber auch dort schien es einsam . Niemand schaute hinter ihnen zu mir hinab . Unwillkürlich nahm ich meinen Weg dahin , nicht ahnend , welch ein befremdender Anblick mich erwartete . Als ich eintrat , sah ich Else mitten im Zimmer stehen , aber sie schien mich nicht bemerkt zu haben ; und jetzt gewahrte ich es , sie stand ohne Regung , wie ein Bild , die linke Hand herabhängend , die rechte , wie beklommen , gegen die Brust gedrückt . Gleich einer Verklärung lag der rote Abendschein , der durch die Scheiben brach , auf den herabfließenden Falten ihres lichtgrauen Gewandes , auf dem feinen Profil ihres Angesichts , das sich klar von dem dunklen Hintergrund des Zimmers abhob . Eine Weile konnte ich sie so betrachten , ohne daß mir die leiseste Bewegung ihres Körpers kundgeworden wäre . » Elsi ! « rief ich leise . » Ja ? « erwiderte sie wie traumredend ; » ich komme ! « Wie ein Erwachen schien es plötzlich ihre schlanken Glieder zu durchrinnen ; sie rieb mit ihren weißen Händen bedächtig sich die Augen . » Ach du , Franz ! « rief sie und lag im Augenblick in meinen Armen . » Was war das , Elsi ? « frug ich . – » Ich weiß nicht . Was war es doch ? – Ich meinte , ich sei bei dir , und ich war es nicht ; und da riefst du mich . Aber du kommst aus deiner Praxis , du mußt jetzt ruhen ! « Sie hatte mich zu einem Lehnsessel gezogen , und als ich mich hineingesetzt hatte , kniete sie vor mir nieder und streckte die Arme mir entgegen . Ich war ermüdet , aber nicht so sehr , um nicht noch mit Entzücken auf den schöngeformten Kopf meines Weibes zu blicken ; ich hatte ihre Hände in die meinen genommen , und so saßen wir , ohne zu sprechen ; nur ihre lichtgrauen Augen sahen unablässig und immer forschender in die meinen . Es war seltsam , daß es mir – ich kann ' s nicht anders ausdrücken – unheimlich unter diesem Blicke wurde ; zugleich aber kam jener süße Schauder über mich , der mir damals von meinem Nachtgesicht geblieben war . » Elsi « , sagte ich endlich , » was siehst du so mich an ? « Ich sah , wie sie zusammenzuckte . » Soll ich das nicht ? « frug sie dann leise . » Deine Augen sind so gespenstisch , Elsi ! « Sie sah mich dringender an . » Du ! « sagte sie heimlich und verstummte . – » Was denn , geliebte Frau ? « » Du , Franz , wir müssen uns früher schon gesehen haben ! « Der Atem stand mir still , aber ich sagte nur : » Wir sehen uns jetzt schon in das vierte Jahr ; von früher weiß ich nichts . « Sie schüttelte ihren blonden Kopf : » Ich mein es ernsthaft ; du sollst keinen Scherz daraus machen ! Nein , weit , viel weiter zurück – aber ich kann mich