einer Moosart wegen , die um diese Zeit dort blühte , und zwar nur dort allein . Ich war damals auf dem Blutstuhle , doch nachher nicht wieder . Ich habe eine Furcht vor dem wilden Orte behalten , trotzdem daß damals mir das gegeben wurde , welches dieses Haus in meinen Besitz brachte und mir das Leben , wie ich es geführt habe , möglich machte . Das Rätsel liegt noch ungelöst da . Wenn ihr , meine Freunde , nachher euren Scharfsinn daran prüfen wollt , so soll es mir lieb sein . Ich habe es aufgegeben , nachdem ich ein Menschenalter darüber habe nachgrübeln müssen , und jetzt wird es ja auch wohl gleichgültig sein , ob einer hier im Kreise noch zuletzt das rechte Wort findet . Jenen Tag aber , diesen mir bedeutungsvollen 15. Oktober , werde ich euch nun mit allen seinen Umständen so genau als möglich schildern , und ihr müßt es euch schon gefallen lassen . « » Kein Hase macht neugieriger seinen Kegel als ich ! « rief der Förster . » Lieber Gott , welch ein Abend ! « sagte der geistliche Herr . » Hören Sie nur diesen Sturm ! O erzählen – erzählen Sie ! « In der Tat ein stürmischer Abend ! Je weiter . die Nacht vorschritt , desto wilder tobte es von Norden her gegen das Gebirge heran , und die Apotheke › Zum wilden Mann ‹ bekam ihr volles Teil . » Solch ein Wetter war es an jenem Tage nicht « , sagte Herr Philipp in seinem gewohnten Tone , ruhig und gelassen , wie jemand , der eben ein Menschenalter Zeit hatte , ein Erlebnis zu überdenken . Er wurde aber auch noch einmal unterbrochen , denn es kam ein Kunde und holte für einen Groschen Bittersalz und setzte eine Viertelstunde lang dem Verkäufer auseinander wozu – was beides auch Zeit hatte bis morgen , wie Ulebeule mürrisch bemerkte . Die Schwester jedoch benutzte die Pause , die chinesische Schale auf dem Tische von neuem zu füllen , und endlich erfuhren die Freunde doch , was der Apotheker Kristeller an jenem 15. Oktober erlebte . » Um neun Uhr morgens zog ich mit meinem Auftrage , das Frühstück in der Tasche , die Botanisierbüchse auf dem Rücken , vom Hause , das beiläufig das Zeichen › Zum König David ‹ führte , ab ; bei stiller Luft und dichtem Nebel und diesmal im höchsten Grade geknickt und gebrochen . Ich hatte Grund dazu , melancholisch auch in die schönste Witterung hineinzugehen ! Am Abend vorher hatte Johanne ' s Onkel mich bitten lassen , ihn doch einmal auf ein Viertelstündchen zu besuchen , und ich hatte ihn besucht , und er hatte mich zwei Stunden lang unterhalten . Zwei Stunden lang hatte er mir eindringlich zugeredet , endlich doch ein Einsehen zu haben und mir meine Lebensaussichten einmal recht klarzumachen und seine Nichte – nicht unglücklich ! Kurz gesagt , er hatte mich aufgefordert , meiner Braut ihr Wort zurückzugeben , und dafür seiner – des Onkels – ewigen Freundschaft und Zuneigung gewiß zu werden . Und der Mann hatte in allem , was er sagte , recht gehabt , und er hatte nicht nur verständig , sondern auch gutmütig gesprochen . Ohne die geringste Leidenschaft und Zornmütigkeit hatte er mir seine und der Welt Meinung vorgetragen : er hatte nichts gegen mich einzuwenden – ich war ihm sogar sehr lieb und wert – und doch ! Ich war eben nach Hause gegangen oder vielmehr getaumelt und hatte die Nacht über auf dem Stuhle vor meinem Bette gesessen und die Stirn mit beiden Händen gehalten – durch dieses verständige Zureden unfähig zu allem und jedem Überlegen und vernünftigem Überdenken : daß Johanne , meine arme , liebe Johanne , diese selbige Nacht durchweint habe , wußte ich dazu . Betäubt , verstand ich den Prinzipal , der ebenfalls an Schlaflosigkeit litt , kaum , als er schon um fünf Uhr mit dem Nachtlichte in der Hand an meine Tür kam , um mir seinen neuen Herzenswunsch mitzuteilen und mir seinen Auf trag für den Tag zu geben . Verdrießlich ging er , nachdem ich ihn endlich begriffen hatte , seinen verbundenen Kopf schüttelnd , und ich hörte ihn noch auf der Schwelle deutlich genug murren : › Auch der wird mir wieder mal unter den Händen zum Narren ! ‹ › Schreiben Sie dem Mädchen einen braven , ehrlichen , freundlichen Brief , in welchem Sie das Nötige mit etwas Poesie meinetwegen sagen . Ich will ihn abgeben und das Meinige , ohne Poesie natürlich , beimerken – und dann lassen Sie dem Jammer und meinetwegen auch sich selber in Ihrem Elend alle Zeit – es wird schon alles recht werden & ‹ , hatte mir der Onkel vorigen Abend zum Beschlusse seiner schönen Rede geraten – und dabei sollte man denn nicht zum Narren werden ! ! – Das blühende Moos drei Meilen ab vom › König David ‹ , dem Hause des Herrn Onkels und meiner Braut , war unter diesen Umständen in Wahrheit der einzige Trost , der mir in der Welt wuchs . Ein Tag wurde wenigstens durch den Weg und das Aufsuchen für mich und mein armes Kind gewonnen , und wie sich der Mensch in seinen Nöten an den einen Tag , die eine Stunde , die eine Minute klammert , wer hätte das nicht schon in irgendeiner Weise erfahren ? Ich schlich selbstverständlich unter Johannes Fenster vorbei . Mein Mädchen erblickte ich nicht ; aber den Onkel sah ich . Er stand mit der Pfeife hinter den Scheiben und schien nach dem Thermometer zu sehen ; seine eigene Temperatur hatte sich seit gestern abend nicht verändert , denn er zog höflichst die Nachtmütze ab und erhob dabei den Zeigefinger . Der Gestus konnte nichts anderes bedeuten als : Vergessen Sie nicht , mein Bester , was ich Ihnen gesagt habe ; ich bestehe darauf und