– in die Hände und hob , jede Muskel zu der größten Kraftanstrengung gespannt , die nichtige Bürde einer – leeren Kiste spielend auf die getäuschte Schulter . Hahaha ! ‹ Zum dritten und letzten stellte ich mich närrisch feierlich zwischen das wahre Kreuz und das Gaukelkreuz in seiner schlecht verschlossenen Kammer , und rätselte mit wiederholten Fingerzeigen nach beiden Seiten : › Die Wahrheit im Frein , die Lüge im Schrein ! ‹ – husch und ich klatschte in die Hände : › Die Lüge im Frein , die Wahrheit im Schrein ! ‹ Ich schickte einen schrägen Blick auf die im Halbdunkel sitzende Novize , die Wirkung der drei Orakelsprüche aus den Mienen der Barbarin zu lesen . In diesen gewahrte ich die Spannung eines unruhigen Nachdenkens und das erste Wetterleuchten eines flammenden Zorns . Dann suchte ich meine Stube wieder , behutsam schleichend , wie ich sie verlassen hatte , warf mich angezogen auf das Lager und genoß den süßen Schlummer eines guten Gewissens , bis mich das Getöse der dem Kloster zuziehenden Menge und die mir zu Häupten dröhnenden Festglocken aufweckten . Als ich die Sakristei wieder betrat , kehrte eben Gertrude , zum Sterben blaß , als würde sie auf das Schafott geführt , von einem wohl zum Behufe der unredlichen Kreuzesverwechselung von alters her eingerichteten Bittgange nach einer benachbarten Kapelle zurück . Der Putz der Gottesbraut begann . Im Kreise der psalmodierenden Nonnen umgürtete sich die Novize mit dem groben , dreifach geknoteten Stricke und entschuhte dann langsam ihre kräftig , aber edel gebildeten Füße . Jetzt bot man ihr die Dornenkrone . Diese war , anders als das symbolische Gaukelkreuz , aus harten , wirklichen Dornen geflochten und starrte von scharfen Spitzen . Gertrude ergriff sie begierig und drückte sie sich mit grausamer Lust so derb auf das Haupt , daß daraus der warme Regen ihres jungen Blutes hervorspritzte und dann in schweren Tropfen an der einfältigen Stirne niederrann . Ein erhabener Zorn , ein göttliches Gericht flammte vernichtend aus den blauen Augen der Bäuerin , so daß die Nonnen sich vor ihr zu fürchten begannen . Sechse derselben , welche die Äbtissin in das fromme Schelmstück mochte eingeweiht haben , legten ihr jetzt das Gaukelkreuz auf die ehrliche Schulter mit so plumpen Grimassen , als vermochten sie das Spielzeug kaum zu tragen , und mit so dumm heuchelnden Gesichtern , daß ich in der Tat die göttliche Wahrheit im Dornenkranze zu sehen glaubte , öffentlich geehrt und gefeiert von der menschlichen Unwahrheit , aber hinterrücks von ihr verspottet . Jetzt entwickelte sich alles rasch wie ein Gewitter . Gertrude warf einen schnellen Blick nach der Stelle , wo mein Dolch an dem echten Kreuz eine tiefe Marke geschnitten , und fand sie an dem falschen unversehrt . Verächtlich ließ sie das leichte Kreuz , ohne es mit den Armen zu umfangen , von der Schulter gleiten . Dann ergriff sie es wieder mit einem gellenden Hohngelächter und zerschlug es frohlockend an dem Steinboden in schwächliche Trümmer . Und schon stand sie mit einem Sprunge vor der Tür der Kammer , wo jetzt das wahre , das schwere Kreuz versteckt war , öffnete , fand und wog es , brach in wilden Jubel aus , als hätte sie einen Schatz gefunden , hob es sich ohne Hilfe auf die rechte Schulter , umschlang es triumphierend mit ihren tapferen Armen und wendete sich langsam schreitend mit ihrer Bürde dem Chore zu , auf dessen offener Bühne sie der Menge sichtbar werden sollte , die atemlos lauschend , Kopf an Kopf , Adel , Pfaffheit , Bauersame , ein ganzes Volk , das geräumige Schiff der Kirche füllte . Wehklagend , scheltend , drohend , beschwörend warf sich ihr die Äbtissin mit ihren Nonnen in den Weg . Sie aber , die leuchtenden Augen nach oben gerichtet : › Jetzt , Muttergottes , schlichte du den Handel ehrlich ! ‹ rief sie aus und dann mit kräftiger Stimme : › Platz da ! ‹ wie ein Handwerker , der einen Balken durch eine Volksmenge trägt . Alles wich und sie betrat den Chor , wo , ein Vikar des Bischofs an der Spitze , die ländliche Geistlichkeit sie erwartete . Aller Blicke trafen zusammen auf der belasteten Schulter und dem blutgeträufelten Antlitz . Aber das wahre Kreuz wurde Gertruden zu schwer und keine Göttin erleichterte es ihr . Sie schritt mit keuchendem Busen , immer niedriger und langsamer , als hafteten und wurzelten ihre nackten Füße im Erdboden . Sie strauchelte ein wenig , raffte sich zusammen , strauchelte wieder , sank ins linke , dann auf das rechte Knie und wollte sich mit äußerster Anstrengung wieder erheben . Umsonst . Jetzt löste sich die linke Hand vom Kreuze und trug , vorgestreckt , auf den Boden gestemmt , einen Augenblick die ganze Körperlast . Dann knickte der Arm im Gelenk und brach zusammen . Das dorngekrönte Haupt neigte sich schwer vornüber und schlug schallend auf die Steinplatte . Über die Sinkende rollte mit Gepolter das Kreuz , welches ihre Rechte erst im betäubenden Sturze freigab . Das war die blutige Wahrheit , nicht der gaukelnde Trug . Ein Seufzer stieg aus der Brust von Tausenden . Von den entsetzten Nonnen wurde Gertrude unter dem Kreuze hervorgezogen und aufgerichtet . Sie hatte im Falle das Bewußtsein verloren , aber bald kehrte dem kräftigen Mädchen die Besinnung wieder . Sie strich sich mit der Hand über die Stirn . Ihr Blick fiel auf das Kreuz , welches sie erdrückt hatte . Über ihr Antlitz verbreitete sich ein Lächeln des Dankes für die ausgebliebene Hilfe der Göttin . Dann sprach sie mit einer himmlischen Heiterkeit die schalkhaften Worte : › Du willst mich nicht , reine Magd : so will mich ein anderer ! ‹ Noch die Dornenkrone tragend , deren blutige Spitzen sie nicht zu fühlen schien , setzte sie jetzt den Fuß auf die erste der aus dem Chor in das Schiff niederführenden Stufen .