Gustav Adolfs getreten , als des gottesfürchtigsten Helden seiner Zeit , und hatte dem Könige oft bekannt , ihn jammere der Sünden , die er hier außen im Reiche sehen müsse : Undank , Maske , Fallstrick , Intrige , Kabale , verdecktes Spiel , verteilte Rollen , verwischte Spuren , Bestechung , Länderverkauf , Verrat , lauter in seinen helvetischen Bergen vollständig unbekannte und unmögliche Dinge . Er hatte sich hier eingefunden , vielleicht um seinem intimen Freunde , dem französischen Gesandten , welcher sich von seiner Sitteneinfalt angezogen fühlte , etwas Neues erzählen zu können , worauf die Franzosen brennen ! wie sie einmal sind ; vielleicht auch nur , um zur Erbauung seiner Seele einem Sieg der Tugend über das Laster beizuwohnen . Er kniff seelenruhig die Augen und wirbelte die Daumen der gefalteten Hände . Diesem Tugendbilde gegenüber , rechts vom Könige , stand die freche Sünde : der Lauenburger , mit unruhigen Füßen in seiner reichsten Tracht und seinem kostbarsten Spitzenkragen , dämonisch lächelnd und die Augen rollend . Er war einem Knecht des Gewaltigen begegnet , welchem dieser seinen Mantel übergeben . Unter dessen Falten hatte er eine Menschengestalt erkannt , war hinzugetreten und hatte das Tuch aufgeschlagen . Gustav maß die Versammlung mit einem verdammenden Blick . Dann brauste der Sturm . Seltsam – der König , gereizt durch den Widerspruch dieser stolzen Gesichter , dieser übermütigen Haltungen , dieser prunkenden Rüstungen mit dem Unadel der darunter schlagenden Herzen , bediente sich , um den Hochmut zu erniedrigen und das Verbrechen zu brandmarken , absichtlich einer groben , ja bäurischen Rede , wie sie ihm sonst nicht eigen war . » Räuber und Diebe seid ihr vom ersten zum letzten ! Schande über euch ! Ihr bestehlet eure Landsleute und Glaubensgenossen ! Pfui ! Mir ekelt vor euch ! Das Herz gällt mir im Leibe ! Für eure Freiheit habe ich meinen Schatz erschöpft – vierzig Tonnen Goldes – und nicht so viel von euch genommen um mir eine Reithose machen zu lassen ! Ja , eher bar wär ich geritten , als mich aus deutschem Gute zu bekleiden ! Euch schenkte ich , was mir in die Hände fiel , nicht einen Schweinestall hab ich für mich behalten ! « Mit so derben und harten Worten beschimpfte der König diesen Adel . Dann einlenkend , lobte er die Bravour der Herren , ihre untadelige Haltung auf dem Schlachtfelde und wiederholte mehrmals : » Tapfer seid ihr , ja , das seid ihr ! Über euer Reiten und Fechten ist nicht zu klagen ! « ließ dann aber einen zweiten noch heftigeren Zorn aufflammen : » Rebelliert ihr gegen mich « , forderte er sie heraus , » so will ich mich an der Spitze meiner Finnen und Schweden mit euch herumhauen , daß die Fetzen fliegen ! « Er schloß dann mit einer christlichen Vermahnung und der Bitte , die empfangene Lehre zu beherzigen . Herr Erlach trocknete sich mit der Hand eine Träne . Die Herren gaben sich die Miene , es fechte sie nicht sonderlich an , aber ihre Haltung war sichtlich eine bescheidenere geworden . Einige schienen ergriffen , ja gerührt . Das deutsche Gemüt erträgt eine grobe , redliche Schelte besser , als eine lahme Predigt oder einen feinen schneidenden Hohn . Insoweit wäre es nun gut und in der Ordnung gewesen . Da ließ der Lauenburger , halb gegen den König , halb gegen seine Standesgenossen gewendet , in nackter Frechheit ein ruchloses Wort fallen : » Wie mag Majestät über einen Dreck zürnen ? Was haben wir Herren verbrochen ? Unsere Untertanen erleichtert ! « Gustav erbleichte . Er winkte dem Generalgewaltigen , der hinter der Türe lehnte . » Lege diesem Herrn deine Hand auf die Schulter ! « befahl er ihm . Der Profos trat heran , wagte aber nicht zu gehorchen ; denn der Fürst hatte den Degen aus der Scheide gerissen und ein gefährliches Gemurmel lief durch den Kreis . Gustav entwaffnete den Lauenburger , stemmte die Klinge gegen den Fuß und ließ sie in Stücke springen . Dann ergriff er die breite behaarte Hand des Gewaltigen , legte und drückte selbst sie auf die Schulter des Lauenburgers , der wie gelähmt war , und hielt sie dort eine gute Weile fest , sprechend : » Du bist ein Reichsfürst , Bube , dir darf ich nicht an den Kragen , aber die Hand des Henkers bleibe über dir ! « Dann wandte er sich und ging . Der Profos folgte ihm mit gemessenen Schritten . Den Pagen Leubelfing , welchen die enge stehenden Herrschaften in eine Fensternische gedrängt hatten , vor der eine schwere Damastdecke mit riesigen Quasten niederhing , hatte der Vorgang bis zu einem krampfhaften Lachen ergötzt . Nach dem blutigen Untergange der Corinna , der ihn zugleich erschüttert und erleichtert hatte , waren ihm die von seinem Helden heruntergemachten Fürsten wie die Personen einer Komödie erschienen , ungefähr wie ein Knabe mit Vergnügen und unterdrücktem Gelächter seinen Vater , in dessen Hut er sich weiß und dessen Ansehn und Macht er bewundert , einen pflichtvergessenen Knecht schelten hört . Bei der ersten Silbe aber , welche der Lauenburger aussprach , war er zusammengeschrocken über die unheimliche Ähnlichkeit , welche die Stimme dieses Menschen mit der seinigen hatte . Derselbe Klang , dasselbe Mark und Metall . Und dieser Schreck wurde zum Grauen , als jetzt , nachdem König Gustav sich entfernt hatte , der Lauenburger eine erkünstelte Lache aufschlug und in die gellenden Worte ausbrach : » Er hat wie ein Stallknecht geschimpft , der schwedische Bauer ! Donnerwetter , haben wir den heute geärgert ! Pereat Gustavus ! Es lebe die deutsche Libertät ! Machen wir ein Spielchen , Herr Bruder , in meinem Zelt ? Ich lasse ein Fäßchen Würzburger anzapfen ! « und er legte seinen rechten Arm in den linken der Fürstlichkeit , die ihm zunächst stand . Dieser Herr aber zog seinen linken