gerettete Astrallampe verbrauchte . Er öffnete schweigend einen Schrank , nahm eine verblichene , rotseidene Steppdecke heraus und hängte sie vor das der Kranken am nächsten liegende Fenster . Frau von Zweiflingen ergriff eines ihrer langen Haubenbänder und rollte es mechanisch zwischen den dünnen , wachsgelben Fingern auf und ab – es lag etwas nervös Aufgeregtes in dieser Bewegung . » Sie haben einen abscheulichen Rauchgeruch in Ihren Kleidern mit hereingebracht , Sievert « , hob sie wieder an und richtete ihre erloschenen Augen nach dem Fenster , wo sie Sievert noch hantieren hörte . » Ich habe Sie im Verdacht , daß Sie nasses Holz brennen , wenn ich auch nicht begreife , wie Sie dazu kommen ... Sie haben doch ohne Zweifel unser Winterholz im Sommer zur rechten Zeit einfahren lassen – denn Sie sind ja sehr praktisch – , liegt es denn nicht an einem trockenen Ort ? « Ein beißendes Lächeln glitt um Sieverts Lippen , als er das Wort » einfahren « hörte . Ja , auf diesen seinen Schultern hatte er heuer das Winterholz der gnädigen Frau » eingefahren « , und es mochte freilich mancher noch grüne Ast mit untergelaufen sein , der jetzt im Ofen zischte und die Nase der Dame beleidigte ... Sievert hatte die Kasse der Frau von Zweiflingen unter seinen Händen , seit er bei ihr eingetreten war . Früher gelang es ihm , auszukommen und , wenn auch mit großer Mühe , den Anschein eines behaglichen Auskommens der Welt gegenüber aufrecht zu erhalten ; aber jetzt kostete die Krankheit viel Geld . Daran dachte die Frau nicht im entferntesten ; ebensowenig hatte sie eine Ahnung , daß das Abendbrot , welches sie heute essen sollte , wie auch das verabscheute Talglicht , aus Sieverts Tasche bezahlt seien – denn es war kein Groschen mehr im Hause . Der alte Diener versicherte indes seiner Gebieterin , daß das Holz wohlverwahrt im nördlichen Turm liege , und schob alle Schuld auf den Sturm , der den Rauch in die Halle blase . Dabei nahm er gleichmütig eine Serviette , zwei Tassen und eine messingene Teekanne aus dem Schranke und arrangierte einen Teetisch vor dem Sofa . In diesem Augenblick schloß das Klavierspiel im Nebenzimmer mit einem rauschenden Akkord . Frau von Zweiflingen seufzte erleichtert auf und preßte ihre Hände einen Moment gegen die Schläfe – für ihr zerrüttetes Nervensystem mußte die geräuschvolle Musik eine wahre Marter gewesen sein . Die Tür des Nebenzimmers ging auf . Wenn statt der Gardinen plötzlich bestaubte Spinnweben die tiefen Fensternischen des Turmgemachs überhangen hätten , wenn die elegante Möbeleinrichtung in den Erdboden gesunken und statt des Teetisches eine Kunkel zur Seite der Frauengestalt im Sessel auferstanden wäre , dann hätte Prinzessin Dornröschens Erscheinen bei der mörderischen Frau Stubenpoesie nicht lieblicher verkörpert werden können als in diesem Augenblick . Dicht neben dem greulichen schwarzen Ofenungeheuer , im Rahmen der Türöffnung , erschien ein junges Mädchen . Diese kinderhaften Hände , die jetzt prüfend und ordnend durch die auf die Büste niederfallenden dunkeln Locken glitten , waren eben noch mit ungewöhnlicher Energie über die Tasten hingeflogen . Wie leicht mußte das so schwierige Klavierstück der jungen Spielerin geworden sein – auch nicht die leiseste Röte der Erregung lag auf dem Gesicht , das zwar blaß , aber frühlingsfrisch wie die Blüte des Kirschbaumes war . Es hatte nichts gemein mit jenem hippokratischen Frauenprofil , das so lebensmüde und mumienhaft braun auf dem gelben Seidenpolster lag – wohl aber wiederholten sich seine köstlichen Linien voll griechischer Schönheit immer und immer wieder in der langen Bilderreihe der Halle , und die schwarzen Augen , die da draußen in wilder Jagdlust funkelten oder in ihrem aristokratischen Bewußtsein kalt gleichgültig auf die Welt niedersahen , strahlten auch hier groß und weit geöffnet aus dem weißen Mädchengesicht . Um den Kontrast zwischen Mutter und Tochter noch schreiender zu machen und letztere in allem lediglich als Sproß der Zweiflingen zu kennzeichnen , die fast durchgängig in grünem , mit Goldstickerei bedecktem Samt prunkten , umrauschte die jugendliche Gestalt ein durchwirktes , blaßblaues Seidenkleid , um dessen viereckigen Halsausschnitt sich echte Spitzen in gelblicher Weiße kräuselten . » Nun , Sievert « , sagte das junge Mädchen , in das Zimmer tretend , » kann man endlich heißes Wasser bekommen ? « Ihre Augen fielen auf den Teetisch . » Wie , nur zwei Tassen ? « rief sie . » Haben Sie vergessen , daß wir Besuch erwarten ? « » Der Besuch kann nicht kommen , weil der Herr Student krank geworden ist « , erwiderte Sievert kurz , während er die Teekanne noch einmal prüfend neben das Licht hielt , ob sie auch fleckenlos blinke . Die junge Dame sah plötzlich aus , als seien ihre sämtlichen Lebenshoffnungen vor ihr ins Wasser gefallen – ein Zug der bittersten Enttäuschung flog um ihre Lippen . » Oh , wie abscheulich ! « klagte sie . » Darf man sich denn auch auf gar nichts mehr freuen ? ... Krank soll der junge Ehrhardt sein ? Was fehlt ihm denn , wenn man fragen darf ? « Eine Beimischung von Ironie und Unglauben trübte mißtönend die kinderklare Stimme des jungen Mädchens . » Hm – der Student wird sich auf der Reise erkältet haben « , erwiderte Sievert trocken , indem er nach der Tür schritt . » Nun meinetwegen denn – aber ich sehe nicht ein , weshalb da nun auch der Hüttenmeister zu Hause bleibt ... Fürchtet er sich auch vor dem Schnupfen ? « fragte die junge Dame . » Sei nicht so kindisch , Jutta ! « schalt Frau von Zweiflingen ärgerlich . » Wie kannst du verlangen , daß er den kranken Bruder allein lassen soll , den er seit zwei Jahren nicht gesehen hat , und ihn obendrein zum erstenmal im eigenen Hause beherbergt ! « » O Mama , das entschuldigst du auch ? « rief Jutta und schlug in unwilligem Erstaunen die Hände zusammen