, bis ein matter Glanz unter ihren Fäusten entstand und die Linien der eingefügten Prachtmuster schattenhaft hervorkamen . Dank dem rechtzeitig eingetroffenen Buchhändlerhonorar standen auch neue zierliche Sessel und Blumentische von Korbgeflecht umher . Nun stieg Epheugespinst an den weißen Wänden empor , und aus Gruppen breiter Blattpflanzen hingen Draperien von Clematis und Immergrün auf das Parkett herab . Ein Odem von behaglicher Traulichkeit durchwehte den erst so kahlen Salon , und das war notwendig , denn hier sollte das Hochzeitsfrühstück eingenommen werden . Während dieser Vorkehrungen schweifte Liane mit Botanisierbüchse und Grabscheit an der Seite ihres Bruders durch Wald und Feld , als habe sie mit der ganzen Angelegenheit nichts zu schaffen . Der Bruder vergaß über allen Wundern der Schöpfung , daß sein kleiner Famulus am längsten mit ihm zusammen gelebt und gestrebt habe , und von den Lippen der Schwester kamen geläufig lateinische Namen und kritische Bemerkungen , nie aber auch nur der Name des fernen Verlobten . Es war ein seltsamer Brautstand . Im Elternhause hatte Liane wohl manchmal die Mainaus nennen hören – ein Lutowiski hatte eine Mainau heimgeführt – , aber nie hatte ein persönlicher Verkehr mit den entfernten Verwandten stattgefunden . Da waren plötzlich Briefe aus Schönwerth an die Gräfin Trachenberg eingelaufen , die eifrig beantwortet wurden , und eines Tages kündigte Ihro Erlaucht der jüngsten Tochter kurz und bündig an , daß sie über deren Hand verfügt und sie dem Vetter Mainau zugesagt habe , wobei die jeden etwaigen Widerspruch mit der Bemerkung abschnitt , daß sie genau auf dieselbe Weise verlobt worden und dies die einzig standesgemäße Form sei ... Dann war der Bräutigam unerwartet gekommen , Liane hatte kaum Zeit gefunden , ihr von Wind und Gesträuch zerwühltes Haar unter den berüchtigten Samtschleifen zu verbergen , da war sie schon in das Zimmer der Mutter befohlen worden . Wie dann alles gekommen , wußte sie selbst kaum . Ein schöner großer Mann war ihr aus der Fensternische entgegengetreten ; hinter ihm hatte die volle glühende Frühlingssonne durch die Scheiben gefunkelt und sie gezwungen , die Augen niederzuschlagen . Darauf hatte er fast väterlich freundlich zu ihr gesprochen und ihr schließlich seine Hand hingehalten , in die sie auf Befehl der Mutter , noch mehr aber auf die vorhergegangenen geheimen und inständigen Bitten Ulrikens hin , die ihrige gelegt . Er war sofort wieder abgereist , zur unaussprechlichen Erleichterung der Gräfin Trachenberg ; denn wie aufgescheuchte Gespenster waren ihre Gedanken während der Verlobung durch die öden Kellerräume oder die todeseinsamen Johannisbeersaftetiketten hingeirrt , und die alte Lene hatte drunten in der Küche ihr Gehirn zermartert , wie sie wohl mit den letzten fünf Eiern und einem Restchen Kalbsbraten ein gräfliches Diner herrichte . Alles die Hochzeit Betreffende wurde zwischen dem Bräutigam und der Mutter schriftlich vereinbart , und nur dem Brautgeschenke hatten einige Zeilen für Liane beigelegen , Zeilen voll ausgesuchter Höflichkeit und Galanterie , aber auch fremd und förmlich – sie wurden mit kalten Augen gelesen und lagen seitdem unberührt bei dem Schmuck im Kasten . Es war dies alles aber so » prächtig standesgemäß und aristokratisch steif « und das » Hineinfinden « Lianens , ihre widerspruchslose Ruhe befriedigten die Gräfin Mutter so sehr , daß sie sich einige Tage nach der stürmischen Szene wieder herbeiließ , mit ihren Kindern zu essen und dann und wann ein gnädiges Wort an sie zu richten . Sie wußte freilich nicht , daß das junge Mädchen unter dem Trennungsschmerze bereits unsäglich litt – das aber erfuhren ja selbst die Geschwister nicht ... Der Hochzeitsmorgen war da – ein kühler , grauverhangener Julimorgen . Nach trockenheißen Tagen tröpfelte ein sanfter Regen durch das Gehölzdickicht , und draußen auf den großen ausgedörrten Staudenblättern der Rasenflächen klatschte er in leisem unermüdlichen Ticktack und sammelte sich zu rollenden Silberperlen . Aus Busch und Baum und von den Dachrinnen herab zwitscherten und schrieen die Vögel , und die alte Lene sah von ihren schmorenden Pfannen hinweg in das graue Geriesel hinein und freute sich , daß es der Braut in den Kranz regne . Ein einziger Wagen rollte in den Schloßhof , noch dazu ein Mietwagen von der nächsten Eisenbahnstation . Während er in einer der ungeheuren leeren Remisen verschwand , stiegen die zwei Angekommenen langsam die Freitreppe des Schlosses hinauf . Baron Mainau zeigte sich auf die Minute pünktlich : er traf der Verabredung gemäß genau eine halbe Stunde vor der Trauung ein . » Daß Gott erbarm ' – das will ein Hochzeiter sein ! « seufzte die alte Lene betrübt auf und trat vom Küchenfenster zurück . Droben flog die Glasthür weit auf und die Gräfin Trachenberg eilte heraus . Die Regentropfen sprühten auf ihre dunkelviolette Samtschleppe und glitzerten in den schwarzen Scheitelpuffen neben einigen aus dem Schiffbruche geretteten Brillanten . Schmachtend und mit sanfter Anmut streckte sie begrüßend die feinen Hände aus den reichen Spitzenärmeln – wer hätte ihnen zugetraut , daß sie einen schweren Gegenstand mit der Kraft der Furie zertrümmernd durch die Glasscheiben schleudern konnten ! Man flüchtete vor dem Regen in das Wohnzimmer der Gräfin , und Baron Mainau stellte seinen Trauzeugen , Herrn von Rüdiger , vor . Zwischen die leichte Plauderei , die sich an die Vorstellung knüpfte , kreischte ein Ara in der Fensternische , und auf dem verblichenen Fußteppich balgten sich knurrend zwei schneeweiße Exemplare einer kleinen Pudelrasse ... Hätte die alte Lene nicht eine dicke Guirlande über die Glasthür gehängt , durch welche der Bräutigam kommen mußte , und wäre nicht die effektvolle , königlich stolze Toilette der Gräfin gewesen , es hätte niemand einfallen können , an einen bevorstehenden feierlichen Akt in diesem Hause zu denken , so banal und obenhin plauderte die Dame , so gleichmütig und unbewegt stand die elegante schwarzbefrackte Gestalt des Bräutigams am Fenster und sah in den stäubenden Regen hinaus , und eine so tiefe Stille und Oede lag seit dem Verrollen der vier Wagenräder wieder über dem weiten , verlassenen Schlosse . Herr von Rüdiger wußte , daß