! Das ist alles der Mordbrennergesellschaft von dazumal an den Fingern hängen geblieben – haben sie doch gar dem Jesukindchen das bißchen Goldsachen von seinem Seidenrock gerissen ! Aber muß es denn gerade ein Spartopf oder so was wie Silberkannen oder Abendmahlskelche sein ? Sehen Sie , zum Kloster hat einmal viel Land gehört . Von außen her sind Klosterjungfern eingetreten , die Hab und Gut , meist liegende Gründe , mit eingebracht haben , und das ist alles zu Klosterhöfen gemacht worden . Da hat ' s Zehnten an Korn , Federvieh , Honig und Gott weiß was noch , die schwere Menge gegeben , und die Klosterhöfe sind gut bewirtschaftet worden . Dazumal ist hier in dem Trümmerwerk Milch und Honig geflossen , wie im Lande Kanaan , und die Nonnen sollen es gar gut verstanden haben , aus den schönen Sachen genug bare Batzen zu schlagen . Gar manchmal haben da die Frachtwagen vor dem Kloster gestanden und Fässer und Kisten in die Welt ' nausgefahren . Ja , dumm sind die Frauenzimmerchen von dazumal nicht gewesen , dumm gar nicht ! – Heide , Himbeeren und Heidelbeeren , das beste Bienenfutter , hat ' s hier und auf den Klosterhöfen genug und übergenug gegeben , und da haben sie eine Bienenzucht gehabt , wie in unserer Zeit kaum die großen Güter in Ungarn . Na ja – und da bin ich gestern abend unten im Keller – ich hatte schon lange ein paar wacklige Steine an der Mauer gesehen , aber im Frühjahr gibt ' s immer viel zu tun , und dazu kam die Räumerei und das Reinmachen im oberen Stockwerk , und da verschob ich die Flickerei von einem Tag zu dem anderen . Gestern aber dachte ich doch , ich müßte mich schämen , und Sie hielten mich für einen liederlichen Hausverwalter , wenn Sie das sahen , und da hole ich mir gleich Kelle und Mörtelgelte . Wie ich aber den ersten wackligen Stein anfasse , Herr meines Lebens , da wird es doch ordentlich lebendig unter meinen Fingern ! Es rückt und wankt – kein Wunder , ist ' s doch auch nur in der Angst und Flucht gemacht gewesen – und ehe ich mich recht versehe , ist das liederliche Mauerwerk zusammengeprasselt , und ich gucke in ein mannshohes Höhlenloch – ja , in ein Gewölbe , von dem kein Erdenmensch mehr ' was gewußt hat ! Und was war drin ? – Wachs ! « Er hielt einen Augenblick inne , als schwelge er noch in der Erinnerung an den Fund . » Ja , Wachs , schönes , reines , gelbes Wachs « , wiederholte er , jedes Wort schwer betonend , » Scheibe an Scheibe , ein ganzer sommertrockener Keller voll , der gerade unter dem Turm liegt ! « Er schüttelte den Kopf . » Die reine Wundergeschichte ! Ich alter Kerl lese auch für mein Leben gern so Zaubermärchen , wie › Tausendundeine Nacht ‹ , und da ist mir doch seit gestern zumute , als hätte ich selber in so einen Berg Sesam geguckt , denn was da unten liegt , das ist auch so gut wie ein Kasten voll Bargeld . Die Nonnen müssen lange Jahre dran gesammelt und gespart haben , lange Jahre ! Es sind viele , viele Zentner , und sie haben wohl am besten gewußt , was die ganze Pastete wert ist , sonst hätten sie nicht zugemauert , ehe sie auf und davon sind ! Und weiß ich ' s denn nicht auch ? Bin ja selbst Bienenvater und verkaufe , was das fleißige Völkchen in meine Stöcke schleppt . « Klaudine hatte das Küchengerät in ihrer Hand unwillkürlich beiseite gestellt und folgte sichtlich gespannt der lebendigen Schilderung . Über das gute , breite , brave Gesicht des alten Mannes huschten Freude , Stolz auf die Entdeckung und Schelmerei wie in wechselnden Lichtern . » Ja , ja , so ein paar tausend Tälerchen sind ' s ganz gewiß ! « sagte er nach einem tiefen Atemholen mit lustigem Augenblinzeln . » Hm , so ein bißchen Heiratsgut , das die Nonnenseelchen , die ja noch umgehen sollen , ganz extra für unser gnädiges Fräulein behütet und aufgehoben haben . « Die schöne Hofdame mußte lachen . » Ich glaube nicht , daß wir uns den Fund so ohne weiteres aneignen dürfen , Heinemann « , sagte sie dann ernst . » Die vorherigen Besitzer haben ohne Zweifel dieselben Rechte . « Der alte Gärtner sah plötzlich ganz betreten und erschrocken drein . » I , die werden doch nicht – ? « meinte er mit stockendem Atem . » Na , weiß Gott , das wär ' doch Sünd ' und Schande ! Der Neuhäuser da drüben , dem fürstliches Hab und Gut nur so in die Tasche gefallen ist , der müßte sich ja doch eher alle zehn Finger abbeißen , als daß er sich an dem bißchen Armut vergriffe ! Freilich « – er zuckte die Achseln mit niedergeschlagener Miene – » wer kann ' s wissen ! So manche von den Herren können nie genug kriegen , das erlebt man alle Tage , und da kann ' s immer sein , daß der Herr Baron die Hand hinhält und nicht › nein ‹ sagt , wenn ' s zum Treffen kommt . O je « – er kratzte sich voll Ärger hinter dem Ohr – » da hätt ' ich auch eher an des Himmels Einsturz gedacht , als daß uns die von Neuhaus noch ein Querholz zwischen die Füße werfen könnten ! Da heißt ' s nun abwarten und zusehen , wie einem vielleicht die Butter vom Brote genommen wird . « Er seufzte und ging nach der Tür . » Aber ansehen müssen Sie sich die Geschichte doch einmal , gnädiges Fräulein ! Ich gehe jetzt hinunter und räume die letzten paar Steine weg , die noch im Wege liegen – muß