mein herzliebstes junges Weib ! “ Und ich fühlte , wie mir vor freudigem Stolz das Blut in das Antlitz trat . „ Heinz ! Mein guter Heinz ! “ rief Prinz Christian in alter vertrauter Weise , „ so finde ich Dich wieder ? Hast es nicht ausgehalten allein im alten Hause und Dir die schönste Elfe eingefangen , die jemals im Mondschein durch den Wald geflattert ? Alter Borkenkäfer , wie hast Du ' s angefangen , das schönste , stolzeste Mädchen zu gewinnen , Friederike von Babenberg ? “ „ Wie ich es angefangen , Christel ? “ entgegnete ich , und warf einen Blick da hinüber , wo mein Weib gestanden ; „ wie ich es angefangen ? “ wiederholte ich noch einmal , und sah ihn stolz an . „ Garnicht habe ich es angefangen ; unsere Herzen haben sich in Liebe gefunden und – “ „ Und sie kam gern in diese Einsamkeit ? “ unterbrach mich Prinz Christian und wandte das Haupt nach den grauen Mauern des Hauses , aus dem die Giebelfenster gleich glühenden Augen in der Abendsonne leuchteten . „ Gern , Christel ? Mein Weib liebt mich . “ „ Hm ! “ meinte er , und schritt neben mir durch das Tannengestelle dem Hause zu . „ So schön , so jung und so allein , oder glaubst Du , Dein Edelfalk sei ihr auf die Länge ein guter Zeitvertreib ? “ „ Sie ist nicht wie die Andern , “ gab ich fast barsch zurück ; „ ihr ernster Sinn passet wohl zur Einsamkeit . “ Und so schritten wir schweigend in das Haus , und einen Augenblick wollt ' es mich bedünken , als wär ' mir der heimgekehrte Jugendfreund minder lieb , denn einst . Da wir aber beim Nachtmahl saßen und uns wie sonst in die Augen schauten , nahm ich meinen Becher und stieß an den seinen : „ Willkommen daheim , Christian ! Laß Dir das rothe Haus nach wie vor gefallen zu gastlichem Einspruch ! Du findest hier stets die alte Gesinnung . “ Mein Weib aber saß schweigend neben mir – ihr Lachen war verstummet ; sie sah fast stolzer aus , denn je , nur ein rosiger Anhauch war auf dem bleichen Gesichte zurückgeblieben , und als sich unsere Becher mit vollem Klange trafen , hob sie den Blick und schauete mich an , daß ich zu trinken vergaß ; ich weiß nicht , was Alles in ihren Augen lag , Angst und Vorwurf und stummes Bitten . Da ich aber den Mund aufthat , um sie zu fragen , legte sie mir sanft die Hand auf die Schulter , erhob sich und beurlaubete sich von dem Prinzen , „ da sich die Herren gewißlich noch Mancherlei zu berichten hätten aus der Zeit der Trennung , und sie noch Hausfrauenpflichten zu üben habe . “ „ Bleib , Friederike ! “ bat ich , „ es mag Dich interessieren zu hören , was man anitzo zu Paris treibet , und wie die Damen am Hofe die Hütlein tragen . “ „ Erlaube , daß ich gehe ! “ bat sie schier unfreundlich , „ was kümmert mich Paris und die welsche Mode ? “ Und mit einer tiefen Verneigung gegen den Prinzen schritt sie hinaus . Ich aber warf einen triumpfhirenden Blick zu ihm hinüber und wiederholete : „ Sie ist nicht wie die Andern , Christel . “ Ich sehe noch sein Gesicht vor mir in jenem Augenblick ; er schauete die Thür an , hinter der ihre schlanke Gestalt verschwunden war , und ein purpurn Roth überfloß sein schönes Antlitz . Ich lachete laut auf und hielt ihm den Becher hin , und als er mir Bescheid that , da sah er so bleich aus wie das Tuch auf dem Tische . Dann aber hub er an zu erzählen von seinen Reisen und lobete Paris mit seinen schönen Frauen und manch ein verwegen Abenteuer klang da in meine Ohren . Welsche Sitte , lockere Zucht – es wollt ' mir schier leid thun um den Mund , so dies erzählete , als ich aber in seine Augen sah , da leuchtete mir doch ein gut Theil alter deutscher Ehrenhaftigkeit entgegen und ich dachte , er kann sich wohl einmal in diese wirbelnden , rauschenden Wogen gestürzt haben , aber er wird niemalen darinnen untergehen , und ich dachte an seine Mutter , das Urbild einer edlen Frauen und Fürstin , und daß ihr reiner Geist ihn gefeiet habe gegen jeglich unedel Thun . Da er heimwärts reiten wollte spät in der Nacht , schritt er leisen Fußes die Gänge entlang und in die Halle , und als ich laut nach den Knechten schrie , daß sie Leuchtung bringen sollten , verwies er mich heftig : „ Denkst Du nicht , daß Dein Weib schläft ? “ Ich stutzete . Es ward mir einen Augenblick klar , welch ein ungefüger Gesell ich sei , dann aber lachte ich . „ Man merket , daß Du zu Paris die höfische Sitte noch vervollkommnet hast . “ [ 612 ] Als er sich dann auf das Pferd schwang , irrete sein Auge über die dunklen Fenster . „ Darf ich wiederkommen , Heinz ? “ fragte er itzo laut . „ So oft Du willst , Christel ; es ist meinem Hause eine Ehre und Freude , und bin ich nicht daheim , so triffst Du Friederiken ; nur darfst Du ihr nicht von Paris sprechen , “ setzte ich lachend hinzu , „ Du weißt itzo , wie sie darüber denket . “ Friederiken fund ich aber noch wach in ihrem Stüblein ; sie las in einem Gebetbuch , und der Lichtschimmer floß um ihr blondes Haupt als ein Heiligenschein . „ Friederike , “ fragte ich , „ warum ließest Du uns allein ? Mißfällt Dir Prinz Christian ? “ „ Nein , “ sagte sie kurz , „