und hieß sie herzlich willkommen , herzlicher als sonst wohl , und das einfach deshalb , weil durch ihr Erscheinen ein Gespräch unterbrochen worden war , das selbst fallenzulassen sie nicht mehr die Kraft gehabt hatte . Tante Marguerite fühlte sofort heraus , wie günstig heute die Dinge für sie lagen , und begann denn auch in demselben Augenblicke , wo sie sich gesetzt und die Seidenhandschuh in ihren Pompadour gesteckt hatte , sich dem hohen Adel königlicher Residenzien zuzuwenden , diesmal mit Umgehung der » Allerhöchsten Herrschaften « . Ihre Mitteilungen aus der Adelssphäre waren ihren Hofanekdoten in der Regel weit vorzuziehn und hätten ein für allemal passieren können , wenn sie nicht die Schwäche gehabt hätte , die doch immerhin wichtige Personalfrage mit einer äußersten Geringschätzung zu behandeln . Mit andern Worten , sie verwechselte beständig die Namen , und wenn sie von einer Eskapade der Baronin Stieglitz erzählte , so durfte man sicher sein , daß sie die Gräfin Taube gemeint hatte . Solche Neuigkeiten eröffneten denn auch das heutige Gespräch , Neuigkeiten , unter denen die , » daß der Rittmeister von Schenk vom Regiment Garde du Corps der Prinzessin von Croy eine Serenade gebracht habe « , die weitaus wichtigste war , ganz besonders , als sich nach einigem Hin- und Herfragen herausstellte , daß der Rittmeister von Schenk in den Rittmeister von Schach , das Regiment Garde du Corps in das Regiment Gensdarmes und die Prinzessin von Croy in die Prinzessin von Carolath zu transponieren sei . Solche Richtigstellungen wurden von seiten der Tante jedesmal ohne jede Spur von Verlegenheit entgegengenommen , und solche Verlegenheit kam ihr denn auch heute nicht , als ihr , zum Schluß ihrer Geschichte , mitgeteilt wurde , daß der Rittmeister von Schenk alias Schach noch im Laufe dieses Nachmittags erwartet werde , da man eine Fahrt über Land mit ihm verabredet habe . Vollkommener Kavalier , wie er sei , werd er sich sicherlich freuen , eine liebe Verwandte des Hauses an dieser Ausfahrt mit teilnehmen zu sehen . Eine Bemerkung , die von Tante Marguerite sehr wohlwollend aufgenommen und von einem unwillkürlichen Zupfen an ihrem Taftkleide begleitet wurde . Um Punkt drei war man zu Tische gegangen , und um Punkt vier – l ' exactitude est la politesse des rois , würde Bülow gesagt haben – erschien eine zurückgeschlagene Halbchaise vor der Tür in der Behrenstraße . Schach , der selbst fuhr , wollte die Zügel dem Groom geben , beide Carayons aber grüßten schon reisefertig vom Balkon her und waren im nächsten Moment mit einer ganzen Ausstattung von Tüchern , Sonnen- und Regenschirmen unten am Wagenschlag . Mit ihnen auch Tante Marguerite , die nunmehr vorgestellt und von Schach mit einer ihm eigentümlichen Mischung von Artigkeit und Grandezza begrüßt wurde . » Und nun das dunkle Ziel , Fräulein Victoire . « » Nehmen wir Tempelhof « , sagte diese . » Gut gewählt . Nur Pardon , es ist das undunkelste Ziel von der Welt . Namentlich heute . Sonne und wieder Sonne . « In raschem Trabe ging es , die Friedrichsstraße hinunter , erst auf das Rondell und das Hallesche Tor zu , bis der tiefe Sandweg , der zum Kreuzberg hinaufführte , zu langsamerem Fahren nötigte . Schach glaubte sich entschuldigen zu müssen , aber Victoire , die rückwärts saß und in halber Wendung bequem mit ihm sprechen konnte , war , als echtes Stadtkind , aufrichtig entzückt über all und jedes , was sie zu beiden Seiten des Weges sah , und wurde nicht müde , Fragen zu stellen und ihn durch das Interesse , das sie zeigte , zu beruhigen . Am meisten amüsierten sie die seltsam ausgestopften Altweibergestalten , die zwischen den Sträuchern und Gartenbeeten umherstanden und entweder eine Strohhutkiepe trugen oder mit ihren hundert Papilloten im Winde flatterten und klapperten . Endlich war man den Abhang hinauf , und über den festen Lehmweg hin , der zwischen den Pappeln lief , trabte man jetzt wieder rascher auf Tempelhof zu . Neben der Straße stiegen Drachen auf , Schwalben schossen hin und her , und am Horizonte blitzten die Kirchtürme der nächstgelegenen Dörfer . Tante Marguerite , die , bei dem Winde , der ging , beständig bemüht war , ihren kleinen Mantelkragen in Ordnung zu halten , übernahm es nichtsdestoweniger , den Führer zu machen , und setzte dabei beide Carayonsche Damen ebensosehr durch ihre Namensverwechselungen wie durch Entdeckung gar nicht vorhandener Ähnlichkeiten in Erstaunen . » Sieh , liebe Victoire , dieser Wülmersdörfer Kürchtürm ! Ähnelt er nicht unsrer Dorotheenstädtschen Kürche ? « Victoire schwieg . » Ich meine nicht um seiner Spitze , liebe Victoire , nein , um seinem Corps de logis . « Beide Damen erschraken . Es geschah aber , was gewöhnlich geschieht , das nämlich , daß alles das , was die Näherstehenden in Verlegenheit bringt , von den Fernerstehenden entweder überhört oder aber mit Gleichgiltigkeit aufgenommen wird . Und nun gar Schach ! Er hatte viel zu lang in der Welt alter Prinzessinnen und Hofdamen gelebt , um noch durch irgendein Dummheits- oder Nichtbildungszeichen in ein besondres Erstaunen gesetzt werden zu können . Er lächelte nur und benutzte das Wort » Dorotheenstädtsche Kirche « , das gefallen war , um Frau von Carayon zu fragen , » ob sie schon von dem Denkmal Kenntnis genommen habe , das in ebengenannter Kirche seitens des hochseligen Königs seinem Sohne , dem Grafen von der Mark , errichtet worden sei . « Mutter und Tochter verneinten . Tante Marguerite jedoch , die nicht gerne zugestand , etwas nicht zu wissen oder wohl gar nicht gesehen zu haben , bemerkte ganz ins Allgemeine hin : » Ach , der liebe , kleine Prinz . Daß er so früh sterben mußte . Wie jämmerlich . Und ähnelte doch seiner hochseligen Frau Mutter um beiden Augen . « Einen Augenblick war es , als ob der in seinem Legitimitätsgefühle stark verletzte Schach antworten und den »