Damm fiel , und knipste mit der Peitsche . » Hallo ; Wirtschaft ! « Eine Weile verging , ohne daß wer kam . Endlich erschien der Ladenjunge , lief aber , als er den Tritt heruntergeklappt hatte , gleich wieder weg , » weil er den Knecht , den Jakob , rufen wolle . « » Gut , gut . Aber flink ... Is das ein Hundewetter ! « Unter solchen und ähnlichen Ausrufungen schlug der jetzt wieder alleingelassene Reisende das Schutzleder zurück , hing den Zügel in den frei gewordenen Haken und kletterte , halb erstarrt und unter Vermeidung des Tritts , dem er nicht recht zu trauen schien , über das Rad weg auf eine leidlich trockene , grad vor dem Ladeneingange durch Aufschüttung von Müll und Schutt hergerichtete Stelle . Wolfsschur und Pelzmütze hatten ihm Kopf und Leib geschützt , aber die Füße waren wie tot , und er stampfte hin und her , um wieder Leben ins Blut zu bringen . Und jetzt erschien auch Jakob , der den Reisenden schon von früher her kannte . » Jott , Herr Szulski , bi so ' n Wetter ! Un so ' ne Weg ! I , doa kümmt joa keen Düwel nich . « » Aber ich « , lachte Szulski . » Joa , blot Se , Herr Szulski . Na , nu geihen S ' man in de Stuw . Un dat Fellisen besorg ick . Un will ook glieks en beten wat inhöten . Ick weet joa : de Giebelstuw , de geele , de noah de Kegelboahn to . « Während er noch so sprach , hatte Jakob den Koffer auf die Schulter genommen und ging , dem Reisenden vorauf , auf die Treppe zu ; als er aber sah , daß Szulski , statt nach links hin in den Laden , nach rechts hin in das Hradschecksche Wohnzimmer eintreten wollte , wandt er sich wieder und sagte : » Nei , nich doa , Herr Szulski . Hradscheck is in de Wienstuw ... Se weeten joa . « » Sind denn Gäste da ? « » Versteiht sich . Wat arme Lüd sinn , na , de bliewen to Huus , awers Oll-Kunicke kümmt , un denn kümmt Orth ook . Un wenn Orth kümmt , denn kümmt ook Quaas un Mietzel . Geihen S ' man in . Se tempeln all wedder . « Eine Stunde später war der Reisende , Herr Szulski , der eigentlich ein einfacher Schulz aus Beuthen in Oberschlesien war und den National-Polen erst mit dem polnischen Samtrock samt Schnüren und Knebelknöpfen angezogen hatte , der Mittelpunkt der kleinen , auch heute wieder in der Weinstube versammelten Tafelrunde . Das Geschäftliche war in Gegenwart von Quaas und Kunicke rasch abgemacht und die hoch aufgelaurene Schuldsumme , ganz wie gewollt , durch Barzahlung und kleine Wechsel beglichen worden , was dem Pseudo-Polen , der eine so rasche Regulierung kaum erwartet haben mochte , Veranlassung gab , einiges von dem von seiner Firma gelieferten Ruster bringen zu lassen . » Ich kenne die Jahrgänge , meine Herren , und bitt um die Ehr . « Die Bauern stutzten einen Augenblick , sich so zu Gaste geladen zu sehen , aber sich rasch erinnernd , daß einige von ihnen bis ganz vor kurzem noch zu den Kunden der Krakauer Firma gehört hatten , sahen sie das Anerbieten schließlich als einen bloßen Geschäftsakt an , den man sich gefallenlassen könne . Was aber den Ausschlag gab , war , daß man durchaus von dem eben beendigten polnischen Aufstand hören wollte , von Diebitsch und Paskewitsch , und vor allem , ob es nicht bald wieder losgehe . Szulski , wenn irgendwer , mußte davon wissen . Als er das vorige Mal in ihrer Mitte weilte , war es ein paar Wochen vor Ausbruch der Insurrektion gewesen . Alles , was er damals als nahe bevorstehend prophezeit hatte , war eingetroffen und lag jetzt zurück , Ostrolenka war geschlagen und Warschau gestürmt , welchem Sturme der zufällig in der Hauptstadt anwesende Szulski zum mindesten als Augenzeuge , vielleicht auch als Mitkämpfer ( er ließ dies vorsichtig im Dunkel ) beigewohnt hatte . Das alles traf sich trefflich für unsere Tschechiner , und Szulski , der als guter Weinreisender natürlich auch ein guter Erzähler war , schwelgte förmlich in Schilderung der polnischen Heldentaten wie nicht minder in Schilderung der Grausamkeiten , deren sich die Russen schuldig gemacht hatten . Eine Hauserstürmung in der Dlugastraße , just da , wo diese mit ihren zwei schmalen Ausläufern die Weichsel berührt , war dabei sein Paradepferd . » Wie hieß die Straße ? « fragte Mietzel , der nach Art aller verquienten Leute bei Kriegsgeschichten immer hochrot wurde . » Dlugastraße « , wiederholte Szulski mit einer gewissen gekünstelten Ruhe . » Dluga , Herr Mietzel . Und das Eckhaus , um das es sich in meiner Geschichte handelt , stand dicht an der Weichsel , der Vorstadt Praga grad gegenüber , und war von unseren Akademikern und Polytechnikern besetzt , das heißt von den wenigen , die von ihnen noch übrig waren , denn die meisten lagen längst draußen auf dem Ehrenfelde . Gleichviel indes , was von ihnen noch lebte , das steckte jetzt in dem vier Etagen hohen Hause , von Treppe zu Treppe bis unters Dach . Auf dem abgedeckten Dach aber befanden sich Frauen und Kinder , die sich hier hinter Balkenlagen verschanzt und mit herangeschleppten Steinen bewaffnet hatten . Als nun die Russen , es war das Regiment Kaluga , bis dicht heran waren , rührten sie die Trommel zum Angriff . Und so stürmten sie dreimal , immer umsonst , immer mit schwerem Verlust , so dicht fiel der Steinhagel auf sie nieder . Aber das vierte Mal kamen sie bis an die verrammelte Tür , stießen sie mit Kolben ein und sprangen die Treppe hinauf . Immer höher zogen sich unsere Tapferen zurück , bis sie