und beeinflußt die Dinge immer nur ungünstig . Es war eine glückliche Fügung , daß ich hierherkam . Ich muß die Segnungen dieses Aufenthalts immer mehr anerkennen und kann nur sagen , ein Sanatorium ist doch der einzige geeignete Ort , um auf Erbschaften zu warten . Von der Kur habe ich mich ziemlich emanzipiert , es war nicht mehr zum Aushalten . So habe ich dem Professor auseinandergesetzt , meine Schlaflosigkeit hätte sich in das Gegenteil verkehrt und ich litte jetzt vielmehr an einer veritablen Schlafsucht ... damit er mich nur mit seinen Wickeln und Duschen verschont . Außerdem möchte er mir etwas mehr Bewegungsfreiheit gewähren , denn ich hätte einen verwickelten Erbschaftsprozeß und müsse deshalb öfter in die Stadt , um mit einem Anwalt zu beraten . Er gab schließlich nach , aber seine Sympathie für mich , die wohl nie sehr heftig war , nimmt immer mehr ab . Ich glaube sogar , er möchte mich fort haben , denn er machte ziemlich brutale Anspielungen , ob ich nicht zur Nachkur noch in ein Seebad gehen wollte . Henry meint , er hielte mich am Ende für eine Schwindlerin ... Es ist schon möglich , denn daß meine Nerven völlig intakt sind , hat er längst durchschaut , vielleicht auch , daß es mit meinen Geldverhältnissen nicht der Fall ist . Der Freudianer hat ihn ja damals brieflich darauf vorbereitet , daß ich erst am Ende meines Aufenthalts zahlen würde ... Erbschaftsprozesse und dergleichen klingt immer etwas nach Schwindel , kein Mensch glaubt an Erbschaften , die noch in der Luft hängen , kurz , er wird in meiner Vorstellung immer mehr zum Gläubiger , und das ist ungemütlich . Vielleicht ist es auch ein Fehler , daß ich nie die Rechnung beanstande , sie wird einem jede Woche ins Zimmer gelegt , und ich sehe , daß andere Patienten , die regelmäßig zahlen , jeden Augenblick Krakeel machen . Das ist eine Gewohnheit aus schlechten Zeiten . Ist man selbst überzeugt , daß man doch nicht wird zahlen können , so kommt es nicht in Betracht , wie hoch die Rechnung wird . Ich kann ihm also sein Mißtrauen nicht übelnehmen ... wie oft war man schon in ähnlicher Lage und brannte dann irgendwie durch , das mag in Sanatorien ebenso oft vorkommen wie in Hotels . Um wenigstens etwas glaubhafter dazustehen , habe ich mir einen Rechtsanwalt von ihm empfehlen lassen und bin auch wirklich hingegangen . Was er für mich tun soll , ist vorläufig noch ganz unklar , aber ich bereite ihn darauf vor , daß es eventuell etwas zu tun geben wird , und befrage ihn um tausend Dinge , die ich entweder schon weiß oder gar nicht zu wissen brauche . Im Anschluß daran kann man sich wenigstens etwas herumtreiben , ins Café gehen und dergleichen längst entbehrte Freuden genießen . - Mittlerweile ist auch der schon erwähnte russische Fürst hier aufgetaucht , das heißt , zur allgemeinen Enttäuschung ist er kein Fürst , sondern nur Großgrundbesitzer und heißt Balailoff . Den erhofften Spleen aber hat er im höchsten Maße , und so kommt es auf eins heraus . Wir haben ihn gleich in unseren Kreis gezogen und sind durchaus zufrieden mit ihm . Der Spleen zerfällt in zwei Teile , einmal will er sich den Alkohol abgewöhnen lassen , zweitens hat er eine Braut mit und will hier heiraten . Dieser Balailoff ist eine gute Ablenkung , denn er erzählt beständig von seinen Angelegenheiten , und wenigstens in seiner Gegenwart müssen wir unsere Geldgespräche suspendieren , schon weil er augenscheinlich über schwindelhafte Mittel verfügt und unsere Komplexe nicht verstehen würde . Statt dessen drehen wir uns mit um seine Heiratsangelegenheiten und seinen Alkoholismus . Mit der Braut dagegen haben wir vergebens versucht uns in Fühlung zu setzen . Sie bewohnt einen Extrapavillon , zieht sich sehr zurück und weiß uns nicht zu schätzen . Es macht den Eindruck , als ob sie ihn zu dieser Entziehungskur veranlaßt hätte und beständig mit dem Professor komplottiert . Er selbst schimpft bei jeder Gelegenheit darüber , daß er hier so überwacht wird , und für die Momente , wo er es nicht mehr aushalten kann , hat er sich schon eine Art Weinkeller in Henrys Büro eingerichtet . Die beiden haben sich nämlich in einem großen Spekulationsobjekt gefunden . Balailoff hat , wie so viele Russen , auf irgendwelche Weise sein Anrecht auf einen Platz verwirkt , kann deshalb nicht mehr nach Rußland zurück und möchte seine dortigen Ländereien verkaufen . Da , wie er erzählt , ergiebige Petroleumquellen in der Gegend sind , riet Henry ihm , statt dessen eine Aktiengesellschaft zu gründen , und er ist Feuer und Flamme dafür . Sie sitzen beständig im Büro , machen Kostenanschläge und rechnen . Kommen sie dabei zu einem Resultat , das sie besonders begeistert , so wird es auf Balailoffs Verlangen begossen , und wir haben dann unsere liebe Not , ihn so weit zu zähmen , daß der Professor und die Braut nichts merken . Sie begleitet ihn nur selten bei seinen Ausgängen , sondern sitzt in ihrem Pavillon , spielt Klavier und verachtet uns alle miteinander . 8 Ich hab ' Euch verwöhnt , Maria , mit meinem vielen Schreiben . Wenn ich einmal vierzehn Tage schweige , seid Ihr schon unzufrieden . Denkt nur nicht , daß es immer so fortgehen wird . Ich bin gewiß Dir und Euch allen so zugetan wie immer und war es auch in Zeiten , wo man überhaupt nichts voneinander hörte , aber daß ich jetzt so endlose Briefe schreibe , geschieht wohl mehr mir selbst zuliebe und weil ich so viel überflüssige Zeit habe . Habe ich aber zur Abwechslung einmal keine Lust , so laßt mich in Ruhe . Ja , also , kurz nach meinem letzten Schreiben kam ein Telegramm vom Miterben : » Beisetzung erfolgt . Testamentseröffnung verschoben , da selbes noch nicht aufgefunden . Anwalt meint vierhunderttausend pro