Tüten füllte . » Durchlaucht - soll ich all die Standesherren aufzählen , die Brennereien , Brauereien , Sägereien haben ? Die Holz , Milch , Vieh , Korn , Wild verkaufen ? « » Ih - ja - das könnte klingen . Ist aber doch anders ! Betrieb auf eigener Scholle - mein Neffe Rudi hat an seinem Waldbach ' ne Sägerei und ' ne Kornmühle . - Liebste - eigene Scholle ! Und er klopft und sägt und mahlt nicht selbst , « sagte sie amüsiert . » Mein Sohn steht wohl auch nicht selbst an den Retorten und Oefen der Fabrik . « » Ach Gott ja - die neue Zeit , « sagte die Greisin so ins Unbestimmte hinein , » alles bekommt andere Taxen . « Und dann lenkte sie von diesem Gebiet , auf dem sie sich gänzlich unsicher fühlte , plötzlich auf das ihr bequeme ab . » Wen will denn Ihr Sohn so mal heiraten - wenn er sich in so ' ne andere Welt ' rein begab ? Passen Sie auf , was er Ihnen da mal bringt - vielleicht irgend ' ne Börsenprinzeß - hm - vielleicht nicht übel - jedenfalls nicht ungewöhnlich . Wir haben ja manche Familien , die nicht mehr fortgekonnt hätten ohne solche Neuvergoldung ... « » Ja , Durchlaucht , die Frage beschäftigt mich beständig . Aber es ist eben eine ernste Frage . Kopf und Herz sollen bei der Beantwortung übereinstimmen . Das findet sich schwer . « » Unsinn . Unsinn . Kopf und Herz , « eiferte die Fürstin . » Das Herz kommt nach , wenn der Kopf durchaus weiß : so ist ' s vernünftig , so muß es sein . Es ist viel angeborene Neigung und Bedürfnis in einem , zu lieben , sich anzuschließen . Das hilft nach , sobald der Verstand einen unabänderlichen Lebenszustand etabliert hat . Und dann die Gewohnheit ! Beste Hellbingsdorf , die gute Hälfte von dem , was man so für Verständnis und Liebe hält , ist ja bloß Gewohnheit . Das müssen Sie Ihren Söhnen klarmachen . « Jetzt kam die Gesellschaftsdame der Fürstin zurück , eine ältliche Person von strengem Ausdruck und hochmütiger Haltung . Die beiden Damen vertieften sich in ein Gespräch über die Besuche und Besorgungen , die Fräulein v. Rothenkrug inzwischen hatte machen müssen . Sophie hörte der seltsamen Unterhaltung , die fast ein Kampf war , nicht zu . Immer fand die Greisin , daß ihre Rothenkrug zu karg mit den Worten , der Zeit , dem Gelde gewesen war , alles hätte gütiger und freigebiger eingerichtet werden sollen . » Nein , « sagte die Rothenkrug bestimmt , » man darf die Leute in der Not nur stützen ; nie so weit gehen , daß sie ihre Hilfsbedürftigkeit als den bequemeren Zustand empfinden . Das wäre keine richtige soziale Politik . « » Oh Gott ! « klagte die Greisin unwillig . » Jetzt hört man bei jeder Gelegenheit Worte , die alles ins Allgemeine setzen . Was denn ? Die Leute mit ihren vielen kranken Kindern brauchen Hilfe - unsereins hat Pflicht zu helfen - dafür ist mein Wohltätigkeitsbudget da - « Gerade als die Rothenkrug ihrer Herrin den Pelz umlegte , füllte ein grauer Schatten das Atelier . Draußen war die Luft voll Schnee - der erste Schnee . Der fällt schon auf sein Grab , dachte Sophie . Und als sie endlich allein war , stand sie lange an den breiten , hohen Scheiben und sah hinaus . Und am Nachmittag saß sie , wie an allen drei vorangegangenen Tagen , wieder vor der Mappe . Von bräunlichem Leder war sie und vielfach abgegriffen . Sie hatte kein verschließbares Schloß , sondern nur eines , das man auf- und zuschieben konnte . Es war Sophie unter den Fingern aufgegangen . Sie kannte die Mappe , hatte sie schon einmal gehütet - in ihrem eisernen Kasten , der ihr bißchen Schmuck und ihre Versicherungspolicen und dergleichen enthielt , und den sie in ihrem Kleiderschrank verbarg . Damals hatte er am Donnerstag zu lange und so köstlich behaglich bei ihr verweilt und den vorgehabten Weg zu seinem Rechtsanwalt nicht mehr machen können ; die Bürostunde war vorüber . Und er wußte ohne Bitte und Wort , die unverschlossene Mappe würde ihr unantastbar sein , als lägen eiserne Bänder wohlvernietet herum . Damals hatte Sophie dasselbe Gefühl gehabt wie vor einigen Tagen : er will die Mappe nicht mit nach Hause nehmen . Vielleicht war er dort nicht ohne Mißtrauen gegen die Sicherheit seiner Schlösser . Schon in den ersten betäubenden Schmerz hinein war ihr schreckhaft die Erinnerung an die Mappe gekommen . Sie fragte sich : » Was ist darin ? Wem soll ich sie zustellen ? « Und sie fühlte vor allem eines : daß sie es dem Toten schuldig war , sich über den Inhalt zu unterrichten . Dieser Inhalt mußte dann bestimmen , was sie zu tun habe . Vielleicht waren es Papiere , deren Kenntnis nach seinem Tode den Haß vergrößern konnte , der zwischen ihm und seiner Frau bestanden . Sophie wußte : er hatte gewisse Beweise gesammelt . Aus Liebe zu seiner Tochter zögerte er immer noch , mit diesen Beweisen zum Schlage gegen die Frau auszuholen , die ihn so voll Feindschaft und Feigheit zugleich festhielt . Sophie war vorweg entschlossen : sie würde dergleichen verbrennen . Sie fühlte dazu ein heiliges Recht . - Dieser ihr noch unbekannte Inhalt der Mappe war wie ein Vermächtnis ! Vor Gott und ihrem Gewissen gestand sie sich das Recht zu , damit zu verfahren , in Andacht vor dem Verstorbenen , nach ihrem Ermessen ! Aber als unter ihren zögernden , unsicheren Fingern das Schloß sich wie von selbst öffnete , erlitt Sophie ein Entsetzen , das ihr eine Ohnmachtsanwandlung zuzog . - - Geld sah sie - Geld - Geldwerte ! Ein breites , flaches Paket bildeten diese braun