und sagte streng und ein wenig mühsam . » Es genügt nicht , als Edelmann geboren zu sein , man muß auch Edelmann sein wollen . « » Du hast sehr recht , lieber Bruder « , unterbrach ihn die Baronesse , die fürchtete , daß er sich aufrege . Couchon beugte ihren Kopf tief auf den Teller nieder und murmelte : » Un bel homme tout de même ! « Am Nachmittage , wenn der Baron und die Baronesse sich in ihre Zimmer zurückgezogen hatten , war von jeher eine schläfrige Stille über das Haus gekommen . Fastrade mußte an den armen Bolko denken , der als Knabe stets gesagt hatte : » Um diese Stunde zieht es einen in allen Gliedern , man muß , muß etwas Unerlaubtes tun . « Sie liebte auch nicht diese Zeit des grellen Nachmittagssonnenscheins und der niedergelassenen Fenstervorhänge . Wenn das Licht rötlich zu werden begann und die Sonne tief über dem Walde stand , dann wich etwas wie ein Druck von dem Hause , und auch Fastrade fühlte neue Unternehmungslust . Sie ging hinaus in den Wald , es war hübsch , so bei Sonnenuntergang durch eine ganz rosa Welt zu gehen , die Wege glänzten wie buntes Glas , die ganze Luft war voll Farbe , alles in ihr bekam eine gefühlvolle Zartheit , selbst die grauen Gestalten der Arbeiter und die grauen Häuschen , zu denen sie langsam und müde heimgingen . Aber in diesem Lichte sah nichts traurig aus , und Fastrade meinte , sie seien in diesem einen farbigen Augenblicke so getröstet , wie sie selbst . Als sie in den Wald gelangte , war die Sonne untergegangen , alles stand wieder still und weiß um sie her , der frische Schnee lag wie Polster unter den Stämmen , auf großen gespreizten Händen wurde er vorsichtig von den Tannenzweigen gehalten , und unheimlich still war es hier , wo die großen ruhigen Baumgestalten einträchtig nebeneinander standen in ihrer schweigenden Schönheit , einschüchternd fast , meinte Fastrade in ihrer Vornehmheit . Ein leiser Ton erwachte , als huschten Schritte über Wolle , und ein Hase setzte über den Weg , tauchte in die weißen Schneepolster unter und wieder auf , es mußte gut tun , dachte Fastrade . Ja , sie hätte gern auch wie einer dieser Bäume regungslos in der Dämmerung gestanden , eingehüllt in all dies kühle Weiß , und teilgenommen an diesem geheimnisvollen Schweigen und Träumen . Aber wenn sie tiefer zu ihnen hinein wollte , ließen die Tannen ihre Schneelast fallen , im Wipfel einer Föhre erwachte ein Rabe und flog mit lautem Flügelschlage auf . Es kam Unordnung hinein , sie fühlte sofort , daß sie ein Eindringling sei . Sie war eine Waldschneide entlang gegangen , jetzt kam sie an einen Bestand alter Föhren , auf hohen ganz geraden Stämmen hoben die Bäume ihre beschneiten Schöpfe zu den Sternen auf . Hier konnte Fastrade ungehindert zwischen ihnen hingehen , hier war es so feierlich , so heilig , daß ein kleiner Eindringling wie sie nicht stören konnte . Sie lehnte sich an einen der kalten Stämme und schaute empor , in einem der hohen regungslosen Föhrenschöpfe schien die Mondsichel zu hängen . Wie oft hatte Fastrade sie dort hängen gesehen , wie gut kannte sie diese Bäume , in allen Jahreszeiten und Tageszeiten war sie bei ihnen gewesen , im Frühling , wenn der Wind in die alten Schöpfe fuhr , daß sie tief und metallig rauschten , als ob sie plötzlich miteinander stritten , oder an heißen Mittagsstunden , wenn es hier so stark nach den besonnten Nadeln duftete und über den Wipfeln der Falke revierte , ein bewegliches Stück Silber im grellblauen Himmel . Fastrade drückte ihre Wange gegen den Stamm , jetzt erst fühlte sie ganz deutlich , daß sie daheim war . Vom Hügel , auf dem die Föhren standen , schaute sie auf eine Schonung junger Tannen nieder , das war das Ende des Padurenschen Waldes , dahinter begann der Sirowsche Wald , allein dort war alles verändert , früher hatte da eine geschlossene Wand alter Tannen gestanden , jetzt war es ein wüster , leerer Platz , die großen Balken waren am Boden hingestreckt , halb von Schnee verhüllt , wie Tote in ihren Leichentüchern , die Zweige waren überall verstreut , die Baumstöcke , von Schnee bedeckt , ragten auf wie kleine weiße Grabhügel , und das alles hier mitten in der vornehmen Stille des Waldes sah aus , als sei ein Verbrechen verübt worden , als sei hier etwas Hohes und Stolzes roh besiegt worden . Dieser Anblick verdarb Fastrade die ganze Feierlichkeit ihrer Stimmung , sie ging den Hügel hinab wieder dem Tannendickicht zu . Hier war es schon fast ganz finster geworden , und plötzlich war es ihr , als wohnte in dieser Dunkelheit , in der schweigend die großen weißen Bäume standen , eine Einsamkeit , die ihr fast bange machte . Sie eilte den Waldweg entlang , um auf die Landstraße zu gelangen , hier war es heller , hier konnte sie den Mond wieder sehen , und plötzlich war der Wald voll von einem hellen , munteren Schellengeläute . Eine Reihe von Schlitten fuhr an Fastrade vorüber , voran ein Schlitten mit einem großen schwarzen Pferde , darin saß ein Herr , neben ihm eine Dame , deren weißer Schleier wehte . Fastrade hörte den Herrn lachen , und seine Stimme klang klar in den Winterabend hinein : » Ja , das ist es eben , wir sind zu klug geworden , um uns zu verirren , schade ! « Andere Schlitten folgten , Herren und Damen saßen darin , alle plauderten , der leichte Wind brachte den Duft einer Zigarre bis zu Fastrade , und eine Frauenstimme sagte , als ein Schlitten nah an ihr vorüberfuhr : » Wer steht da so dunkel , wie unheimlich . « » Die Einsamkeit selbst « , antwortete eine Herrenstimme und