wollte an den Gürtel greifen . Aber da fiel ihm das Wort des Amtmanns ein : » Tu dem Hirten keinen Trutz an ! « Er war ein verläßlicher Hofmann . Drum nahm er die Sache spaßhaft . » Guck , wieviel Schneid die haben ! « Er lachte . » Dirn ! Bei dir sind die süßen Beeren gut verzäunt ! « Zur Türe schreitend , sagte er heiter über die Schulter : » Ein andermal ! « Jula legte den Arm um ihres Bruders Hals und knirschte durch die Zähne : » Die Leut sind schlecht . « In der schönen Morgensonne ging Marimpfel mit klirrendem Schritt über das Ahnfeld hinunter . Als er den Gaul von der Lärche losband , sah er schmunzelnd zum Käser hinauf . » Die wär eine Todsünd wert ! « Während der Gaul auf dem steilen Karrenwege vorsichtig durch den Wald hinunterkletterte , sang der Spießknecht eine zärtliche Weise . Auch diesem Wildfang quoll die Schönheit des leuchtenden Morgens durch Eisen und Haut . Und als er auf dem Weg eine junge Amsel sitzen sah , die unflügg aus dem Nest gefallen war und angstvolle Äuglein machte , lenkte er barmherzig die Hufe des Gaules auf die Seite . Wo der Taubensee zwischen grünem Röhricht blitzte , kam Marimpfel zu dem Wiesgarten , in dem der Bauer das am Abend gemähte Gras mit dem Rechen umwarf . Sobald der Heuer den Spießknecht aus dem Wald heraustauchen sah , lief er an den Straßenzaun und kreischte : » Bruder ? Bist du ' s oder nit ? « Marimpfel ließ das Roß ein paar Galoppsprünge machen , um sich vor dem Bruder als Hofmann zu zeigen . » Ei wohl , ich bin ' s. « Dann verhielt er den Gaul und fragte von oben herab : » Wie geht ' s dir allweil ? « » Nit schlecht . Es tut ' s. Hab dich lang nimmer gesehen . « » Ein Mistbreiter und ein Herrschaftsreiter haben Weg , die auseinand laufen . « Marimpfel wollte nichts Böses sagen , nur etwas Selbstverständliches . Und spähend beugte er sich im Sattel hin und her . » Man sieht wahrhaftig das Häusl nimmer . Wie ich Bub gewesen , hat man ' s noch gesehen von der Straß . Jetzt ist alles zugewachsen . Bäum , Viech und Leut werden allweil mehrer . Bloß das Geld wird minder . Lebt die Mutter noch ? « » Wohl ! Aber mit dem Schaffen ist ' s lang schon aus . Hockt allweil im Sessel . Und kein Tag , daß sie nit redt von dir . Vom Malimmes redt sie nie . Hast lang nichts mehr gehört von ihm ? « » Vier Jahr lang nimmer . Da ist er bei den Nürembergern gewesen als Stadtknecht . Ist kein fürnehmer Dienst . Hofmann sein ist feiner . Aber die Stadt haben allweil die größeren Geldsäck . Da wird ' s dem Bruder nicht schlecht gegangen haben . « » Das tat die Mutter wohl anhören . Magst nit ein lützel hereinkommen ? « » Ich hab nit Zeit . « » Die Mutter tät sich freuen . « » Tu das Weibl grüßen . Herrendienst hat ' s eilig . « Marimpfel straffte den Zügel des Gaules . » Du ? « sagte der Bauer hastig . » Tust was gelten bei deinem Herren ? « » Dem bin ich der Liebst von allen . « In den müden Augen des Bauern glänzte eine Hoffnung . » Da könntest bei deinem Herren für mich eine Fürbitt machen . « » Mareiner ! « Der Spießknecht wurde kühl . » Bist Holdenzins oder Lehent schuldig blieben ? « Der Bauer schüttelte den Kopf . » Noch allweil bin ich ein rechtschaffener Zahler gewesen Und hab den Magen geschnürt und hab ein lützel was auf die Seit gebracht . « Marimpfel wurde aufmerksam . » Und tätest du bei deinem Herren für mich ein gutes Wörtl reden « , sagte Mareiner , » und tät das Stift sich genügen an einem christlichen Gebot , so möcht ich mein Schupflehen auf Erbrecht kaufen . « Jetzt lachte Marimpfel . » Narr ! Wem willst du denn was vererben ? Kinder hast doch nit . « » Was nit ist , kann werden . « » Freilich , ja ! Oft kriegt die Bäuerin Kinder , der Bauer weiß nit wie . « Dem Taubenseer flog es heiß über die Stirne . Doch er sagte ruhig : » Ist auch nit der Kinder wegen allein , die mir der Herrgott erst schenken müßt . Aber was ein richtiger Mensch ist , hängt auch ein lützel an der Ehr . Hätt ich Eigengut und wär ein Erbrechter , so dürft ich in der Gnotschaft mitreden und müßt nit allweil das Maul halten . « » So ? « Der Spießknecht wurde heiter . » Erbrechter werden ? Und den Brotladen aufreißen ? Und wider die Herrschaft schreien ? Und da soll ich helfen dazu . « In den Augen des Bauern brannte die Sehnsucht . » Bist nit mein Bruder ? « » Richtig , ja , das hätt ich als Hofmann schier vergessen . « Und freundlich sagte Marimpfel : » Wieviel kannst dem Herrn bieten fürs Erbrecht ? « Zögernd , an jeder Silbe klebend , sagte der Bauer : » Sechzig Pfund Pfennig . Mehr hab ich nicht . « » Sechzig Pfund hast ? Da kannst dem Herrn bloß vierzig bieten . « » Wieso ? « » Tust vergessen , daß ich dein Bruder bin ? Und daß ich in Hösl und Hemd aus dem Haus gegangen ? Und daß ich Anspruch hab an Acker und Wiesfrucht ? Mareiner ! Sechzig Pfund ? Da wirst wohl dritteln müssen . Mit mir ! « Der Bauer sah den höfischen Bruder an und wurde mauerbleich über das ganze Gesicht . Und ohne noch ein Wort zu