verlangt , dich noch der Langeweile dieser Sitzungen und dieser - Gesellschaft zu unterziehen . So werden wir wieder entre nous sein . Recht angenehm , was ? « Doralice war bis in die Mitte des Zimmers gekommen , da stand sie in ihrem schieferfarbenen Wollenkleide , die Arme niederhängend , in der ganzen Gestalt eine Gespanntheit , als wollte sie einen Sprung tun , in den Augen das blanke Flackern der Menschen , die vor einem Sprunge von einem leichten Schwindel ergriffen werden . » Wenn Hans Grill geht , gehe ich auch « , sagte sie und im Bemühen ruhig zu sein , klang ihre Stimme ihr selbst fremd . - » Wie ? Was ? Ich verstehe nicht , ma chère . « Das Schüreisen fiel klirrend aus seiner Hand und Doralice sah wohl , daß er sie gut verstand , daß er längst verstanden haben mußte . Um seine Augen zogen sich viele Fältchen zusammen und die Bartkommas auf seiner Oberlippe zitterten wunderlich . » Ich meine « , fuhr Doralice fort , » daß ich nicht mehr deine Frau bin , daß ich nicht mehr deine Frau sein darf , daß ich mit Hans Grill gehe , daß , daß - « sie hielt inne , Schrecken und Verwunderung über den Anblick des Mannes dort im Sessel ließen sie nicht weiter sprechen . Er knickte in sich zusammen und sein Gesicht verzog sich , wurde klein und runzlig . War das Schmerz ? War das Zorn ? Es hätte auch ein unheimlich scherzhaftes Gesichterschneiden sein können . Mit großen angstvollen Augen starrte Doralice ihn an . Da schüttelte er sich , fuhr sich mit der Hand über das Gesicht , richtete sich stramm auf . » Allons , allons « , murmelte er . Er erhob sich und ging mit steifen zitternden Beinen an das Fenster und schaute hinaus . Doralice wartete angstvoll , aber auch sehr neugierig , was nun kommen würde . Endlich wandte sich der Graf zu ihr um , das Gesicht aschfarben , aber ruhig . Er zog seine Uhr aus der Westentasche , wurde etwas ungeduldig , weil die Kapsel nicht gleich aufspringen wollte , schaute dann aufmerksam auf das Zifferblatt und sagte mit seiner diskreten , höflichen Stimme : » Fünf Uhr dreißig geht der Zug . « Er sah auch nicht auf , als Doralice jetzt langsam aus dem Zimmer ging . » Mein Herz schlug dabei sehr stark « , hatte später Doralice zu Hans Grill gesagt , » ich hörte es schlagen , es schien mir das Lauteste im Zimmer . Ich weiß nicht , was es war , vielleicht war es plötzlich eine sehr starke Freude . « » Natürlich , natürlich « , meinte Hans Grill , » was sollte es denn anderes gewesen sein . « - Drittes Kapitel Im Wardeinschen Anwesen erwachte das Leben , eine Stalltür knarrte , nackte Füße stapften die Holzstufen am Hause auf und ab . Doralice fuhr aus ihrem Sinnen auf , aus dem Weiterleben des nächtlichen Traumes . Das Zimmer war jetzt ganz hell , die Decke mit den großen Streckbalken , die Möbel in ihrer robusten Häßlichkeit ließen sich nicht mehr wegdenken wie vorhin in der wesenlosen Dämmerung , sie riefen Doralice zu ihrer Wirklichkeit zurück , mahnten sie , daß sie zu ihnen gehörte . Die Tür zum Nebenzimmer stand offen , dort schlief Hans . Doralice sah ihn , wie er in seinem Bette auf dem Rücken lag , die Wangen rot , das gelbe Haar wirr in die Stirn fallend , die Lippen halb geöffnet . Er atmete tief und laut , seine breite Brust hob und senkte sich , die Augenbrauen zog er ein wenig zusammen , was dem Gesicht einen Ausdruck verlieh , als sei das Schlafen eine ernste , schwere Arbeit , der er sich mit ganzer Anstrengung widmete . » Der wird ' s schon machen « , dachte Doralice , » wer so schlafen kann , wer so dabei ist , ist seiner Sache sicher . « Das tröstete sie ein wenig in der unklaren Traurigkeit ihrer Morgenstunden . Aber sie wollte nicht wieder schlafen , sie fürchtete sich davor , zu träumen , wieder hinüberzugleiten in ihr früheres Leben . Sie sprang aus dem Bette und kleidete sich an . Als sie draußen auf die Düne hinaustrat , wehte ein lebhafter , kühler Seewind ihr entgegen . Über einen blaßblauen Himmel zogen eilige hellgraue Wölkchen und auf dem Meere hoben sich die Wellen ohne Schaum , groß und grüngrau , ein mächtiges stilles Atmen , erst näher dem Strande wurden sie lebhafter und ließen die weißen Schaumtücher flattern . Dieses Atmen des Meeres erinnerte Doralice an etwas , was war es ? Ach ja , an Hans , an seine Brust , die sich dort in dem Zimmer eben ruhig und kraftvoll hob und senkte . Sie begann am Strande entlang zu gehen , der Wind fuhr ihr in die Röcke , er trieb sie , sie spürte es deutlich , wie er zu kleinen Stößen ausholte , bald von hinten , bald von der Seite sie anfiel und das war ein köstlich erfrischendes Spiel , so muß es den Wellen zumute sein , sie wiegte sich im Gehen ; es war ihr , als wogte sie , jetzt fuhr ihr ein stärkerer Windstoß in die Haare , schüttelte sie . Doralice machte einen Satz , stieß einen lustigen kleinen Schrei aus . » Jetzt brande ich , jetzt brande ich « , dachte sie . Über ihr antwortete ein schriller Ruf , eine große weiße Möwe hing über dem Wasser , sie schlug mit den Flügeln , warf sich wie von plötzlicher Lust berauscht auf das Wasser nieder und schwamm dort , ein kleiner weißer Punkt auf dieser wogenden grüngrauen Seide . Vor den Fischerhäusern auf der Düne standen Fischerfrauen , ihre grauen Röcke , ihre roten Tücher flatterten und sie schützten die Augen mit