bei den hohen Herren , und solche Nebenbuhlerschaft trat ergötzlich zutage , als der Warmbrunner Grundherr , Hans Ulrich Schaffgotsch , auf seinem Schlosse Kynast bei Hermannsdorf seinen Geburtstag feiern wollte . Wiewohl Hirschberg nicht zur Herrschaft Schaffgotsch gehöret , waren Vertreter des Rates , der Kirche und Schule , darunter mein Vater , abgeordnet worden , den Freiherrn beim Hermannsdorfer Teich zu begrüßen , wo er einem Fischzuge beiwohnen wollte . Von Böllern begrüßt , kam Hans Ulrich die Straße von Kemnitz dahergesprengt , nebst einem Gefolge von Reitern . Feuer in den blauen Augen , antwortete er auf unsern Jubel mit dem Schwenken seines Federhutes . Er war ein schöner , langer , blondlockiger Mann . Der Prediger von Giersdorf wollte seine Rede anheben ; da ward auf einmal zwischen den Scheunen eine Prozession sichtbar , Gepränge , Fahnen , brennende Kerzen . Papisten waren es , gesonnen , um des Grundherrn Gunst zu buhlen , der Meinung , auf seiner Reise durch Welschland und Hispanien habe er sich dem Papismo zugeneiget . Auch der Zetteritz war bei der Prozession . Angetan mit weißem Chorgewande , schwang er sein Weihrauchfässel und plärrete : » Sanctus spiritus « , riß den Hals immer weiter auf : » Adveni-i-sti , desiderabilis . « Bei Herrn Schaffgotsch angelanget , neigeten sich die Papisten devotest , und ihr Führer kam dem Giersdorfer Prädikanten zuvor , indem er einen salbungsvollen Glückwunsch sprach und dabei eine Schrift überreichte . Hans Ulrich las den Titul » Die wahre Religion der Schlesier « und gab die kühle Antwort : » Wir danken euch , sind aber nicht hergekommen , über Religion zu disputieren . « Und mit der Zunge seinem Rosse schnalzend , galoppierte er zum nahen Teiche . Unsere Schar stund verblüffet , alsdann erhub sich ein Gemurmel , und die beiden Religionsparteien sahen einander wie knurrende Hunde an , bis sie schließlich Herrn Schaffgotsch zum Teiche folgten . Die Fischer waren bereits beim Einholen der Netze . Ihr Fischzug war nicht sonderlich mit Beute gesegnet , und Hans Ulrich sprach : » Wir hätten vermeinet , es müsse dahier mehr Fische haben . « Da brummte ein grauköpfiger Fischer : » Ei ja doch , lieber Junker ! Sollen wohl gar noch die Fische prozessionsweise ins Garn gehen ? « Lange Gesichter machten die Umstehenden . Hans Ulrich aber lachte und wandte sein Roß zu den Papisten : » Dieser Alte redet frisch heraus . Solch freier Mut , bar aller Schleicherei , gehöre alleweil zur wahren Religion der Schlesier . « Nun ernteten die Papisten schadenfrohe Blicke , und ich verspottete den Zetteritz durch Gebärden . Der nahm am Abend dafür Rache . Herr Schaffgotsch hatte Ritter , Prädikanten und etliche angesehene Bürger , auch meinen Vater , zum Festin geladen , auf daß männiglich mit ihm fröhlich sei und Gott für alles Gute danke . Bei der abendlichen Gasterei sollten etliche Scholaren eine artige Comödiam aufführen , angezettelt von Herrn Schönborn , dem ehemaligen Lehrer des Freiherrn . Ich hatte dabei kein geringer Amt , als Gott , den Vater , darzustellen , wie er vom Himmel herniederschwebet , den verlorenen Sohn aus Höllenflammen zu erlösen . Die Rolle des obersten Teufels aber war dem Zetteritz übertragen . Wie nun an mich die Reihe kam , war mein Antlitz rot bemalt , weiß umrahmt von Locken und Bart und gekrönt mit güldenem Heiligenschein ; es umwallete mich ein blauer Mantel mit Silbersternen . Auf einer Leiter stund ich , und unter meinen Armen hindurch ging ein Strick , daran ich schweben sollte . In der Tiefe lohete das Fegefeuer , und der Zetteritz als Satan befahl seinen Teufelsknechten , die Zangen glühend zu machen , um den verlorenen Sohn weidlich zu peinigen . Da sprang ich von der Leiter , schwebte in der Luft und hub mit Donnerstimme an : » Halt an , du Höllenfürst ! Entfleuch , du Satansbrut ! Ich lösche diesen Brand mit meines Sohnes Blut . Nicht alle Sünder sind zur Höllenpein erkoren , Und kein verlorner Sohn soll ewig sein verloren . Komm , arme Seele , komm .... ! « Auf einmal ward mein Strick losgelassen , und ich stürzte zu den Teufeln . Zetteritz starrete mich an , dann fiel er als ein Besessener über mich her , der ich auf dem Boden kauerte wie ein Vierfüßler . Das Sternengewand zog er mir prall und gerbte mein Fell . Dröhnend Gelächter erhub sich . Ich aber raffte mich auf und vergalt meinem Widersacher , bis man herbeigesprungen kam und uns mit Mühe trennte , worüber der Vorhang fiel . Herr Schönborn , Autor und Rektor der Comödia , war indigniert , aber Hans Ulrich tröstete ihn durch Lobsprüche , und der Hofnarr , Michel Puchhammer , so unter der Schellenkappe Witz und Weisheit trug , klopfte dem Poeten beifällig auf die Schulter , vermeinend : » Der letzte Effektus war das wahre Kleinod Seiner Comödia . Hand aufs Herze , ihr Herren , wäre es nicht fast klüglich und vergnüglich , wenn alle Händel dieser Welt in Summa könnten ausgefochten werden einzig durch unsere höchsten Potentaten , den lieben Gott und den leidigen Satan ? Machet nicht lange Gesichter , ihr Herren ! Glaubet mir , das wäre die erbaulichste Comödia , so wir dürften dem Duelle zuschauen , wie Israeliten und Philister zuschauten , als ihre Sache durch David und Goliath ausgefochten ward . Wir hätten alsdann nicht nötig , unsere Schwerter widereinander zu wetzen und zu disputieren , wie die wahre Religion beschaffen sei , wer die ledigen Klostergütel bekommen , und wer König in Böheim werden solle . Ei ja , vermieden wäre aller Bruderzwist von Kain und Abel bis zu Liga und Union . Wir wüßten , daß wir nichts mit menschlicher Macht ausrichten und daß wir uns ergeben müssen in das Verhängnus von oben - wie solches ja auch die Kunst der Künste gebeut , die himmlische Astrologia .