Wärter kam und sie derb zur Rede stellte , zogen sie schimpfend ab und räumten den Plan einem gravitätischen älteren Herrn , der den langsam zum Leben , zurückkehrenden Caspar von vorn und hinten beschnüffelte , den Finger an die Stirn legte , sich räusperte , den Kopf schüttelte , erst Französisch , dann Spanisch , dann Englisch auf den Jüngling einredete , mit dem Wärter tuschelte , kurz von Wichtigkeit förmlich barst . Caspar jedoch sah ihn immer nur an und sagte in jämmerlichem Ton : » Heimweisen . « » Warum spielst du nicht mit dem Rößlein ? « fragte , als die wichtige Person gegangen war , der Wärter . Man verständigte sich mit Caspar noch immer mehr durch Gesten als durch Worte , und er selbst las , was Worte ihm nicht mitteilen konnten , von den Augen und den Händen der Menschen ab . Er blickte auch Hill lange an und sagte : » Heimweisen . « » Heimweisen ? « antwortete der Wärter , halb verdrießlich , halb mitleidig . » Wohin denn heim ? Wo bist du denn daheim , du Unglückswurm ? In dem unterirdischen Loch vielleicht ? Nennst du , das daheim ? « » Der Du soll kommen « , sagte Caspar klar , langsam und hell . » Der wird sich hüten « , versetzte Hill , bärbeißig lachend . » Der Du kommt , bald kommt « , beharrte Caspar , und er schaute mit einem Ausdruck feierlicher Inbrunst gegen den abendlichen Himmel , als sei er überzeugt , daß der Du durch die Lüfte schreiten könne . Dann erhob er sich in seiner mühevollen Weise , nahm sein Spielpferdchen und versuchte es zu tragen , denn dies allein wollte er von den Gegenständen , die er geschenkt erhalten , mitnehmen , wenn der Du käme , sonst nichts . Hill begriff sein Vorhaben . » Nein , Caspar « , sagte er , » jetzt mußt du schon in dieser Welt bleiben . Daß sie dir nicht gefallen mag , versteh ich wohl . Mir gefällt sie auch nicht , aber dableiben mußt du . « Caspar , wenngleich er den Worten nicht ganz folgen konnte , erfaßte doch den unabänderlichen Beschluß , den sie enthielten . Er begann an allen Gliedern zu beben , laut weinend warf er sich zu Boden , aber auch später , als es dem bestürzten Hill gelungen war , ihn zu trösten , schien es , wie wenn er vor Kummer sein Herz verhauche . Die Traurigkeit seines Gemüts überflutete das kindhafte Gesicht wie ein dunkler Schleier , und am Morgen waren seine Lider durch die während des Schlummers vergossenen Tränen verklebt . Er wollte zum erstenmal nicht mehr mit dem Pferdchen spielen , sondern kauerte stundenlang ohne Regung auf einem Fleck . Bei jedem Krachen der Treppe schüttelte es ihn , und er schauderte , wenn sich wieder und wieder ein neues Gesicht über der Schwelle zeigte . Zitternd sah er die Menschen an , der Geruch ihres Atems war ihm eine Pein und unerträglich , wenn sie ihn berührten . Am meisten Furcht hatte er vor ihren Händen . Zuerst sah er immer die Hände an , merkte sich ihre verschiedene Gestalt und Farbe , und ehe er sie an seiner Haut spürte , erschrak er schon , denn sie erschienen ihm wie selbständige Geschöpfe , kriechende , klebrige , gefährliche Tiere , deren Tun von einem Augenblick zum andern gar nicht abzuschätzen war . Nur Daumers Hand , die einzige , deren Berührung angenehm war , war verschwunden . Warum ? dachte Caspar , warum war dies alles ? Warum das seltsame Getöse von früh bis spät ? Woher kamen die fremden Gestalten , warum so viele , und warum war ihr Mund und ihr Auge böse ? Das frische Wasser schmeckte ihm nicht mehr , auch hungerte ihn nicht mehr nachdem gewürzten Brot . In seiner Erschöpfung dünkte ihm mitten am Tage , es sei Nacht geworden , und das Heißgleißende , funkelnde , von dem man ihm gesagt , daß es der Schein der Sonne sei , wurde vor seinen müden Augen zu purpurnem Dunst . Es beängstigte ihn das Geräusch des Windes , denn er verwechselte es mit den Stimmen der Menschen . Er sehnte sich in die Einsamkeit seines Kerkers zurück ; heimweisen war sein einziger Gedanke . Es war ein Sonntag . Spätnachmittags waren Daumer und Herr von Tucher aus Ansbach wieder angelangt , und in ihrer Begleitung befand sich der Staatsrat von Feuerbach , der sich entschlossen hatte , den Findling selbst zu besuchen und womöglich Klarheit in das unfruchtbare Hinundher von Akten und Erlässen zu bringen . Nachdem er im Gasthof zum Lamm Quartier gemietet hatte , ließ sich der Präsident von den beiden Herren sogleich zur Burg und auf den Turm führen . Es hatte schon neun Uhr geschlagen , als sie dort ankamen . Groß war ihre Überraschung , als sie das Zimmer Caspars leer fanden ; die Frau des Wärters erklärte verlegen , ihr Mann sei mit Caspar ins Wirtshaus zum Krokodil gegangen . Der Rittmeister von Wessenig habe nämlich einigen seiner von auswärts zugereisten Freunde den Findling zu zeigen gewünscht , habe heraufgeschickt und befohlen , daß man Caspar bringe . Daumer war erbleicht und schaute , Schlimmes ahnend , finster zu Boden ; Herr von Tucher vermochte seinen Unwillen kaum zu bemeistern , und über die bartlosen Lippen des Präsidenten huschte ein halb mokantes , halb verächtliches Lächeln ; seine gebietende Haltung erinnerte an einen durch Pflichtversäumnisse vielfach beleidigten Fürsten , als er sich mit der schroffen Aufforderung zu seinen Begleitern wandte : » Führen Sie mich zu diesem Wirtshaus ! « Die Dunkelheit war eingebrochen , über dem Dach des Rathauses stand fahlleuchtend der Mond . Schweigend schritten die drei Männer den Berg hinab , und kaum waren sie , das winklige Gassengewirr verlassend , auf den Weinmarkt getreten , als Daumer stehenblieb und mit