drei singend aus der Klus auf die Landstraße , Gesima jetzt in der Mitte , die Buben zu beiden Seiten . Ein haushoher Lastwagen , mit sechs normännischen Nilpferden bespannt , knarrte schwerfällig vor ihnen her , der Fuhrmann in gebückter Haltung neben den Tieren einherkeuchend , als ob er ihnen müßte schleppen helfen . Er gab den Kindern seine Befriedigung über ihren lieblichen Gesang kund , welcher dem Herzen wahrhaft wohltue , erlaubte sich dagegen über ihre Erscheinung eine freche Bemerkung . Sie sähen nebeneinander aus , meinte er , und machte ein geistreiches Gesicht , wie die Schaufeldame zwischen dem Herzkönig und dem Ecksteinbuben . » Und dem Schwarzpeter davor « , ergänzte Gesima spitzig . Der Fuhrmann belobte das Mädchen wegen ihrer Schlagfertigkeit und erkundigte sich nach ihrem Namen . Mit dieser Frage entfachte er jedoch Zank . Nämlich die Knaben behaupteten , Gesima wäre ein häßlicher Name , wogegen Gesima einwandte , was häßliche Namen betreffe , so seien jedenfalls Gerold und Hansli häßliche Namen , denn wenn sie schöne Namen hätten , würden sie Artur und Oskar heißen . Er möchte indessen durchaus nicht etwa der Anlaß sein , verwahrte sich der Fuhrmann , daß sie ihren Gesang seinetwegen unterbrächen ; im Gegenteil , falls sie nichts dawider hätten , wolle er gerne mithelfen , so gut oder so schlecht er es verstände . Die Kinder erklärten den Zuschuß eines Basses für annehmbar , und nach kurzer Verständigung sangen sie alle vier mit vereinten Kräften : » Es zieht mich in die Ferne . « Der Fuhrmann grölte greulich , allein das verdroß ihn nicht . » Falsch ! « strafte Hansli jedesmal , wenn er einen Fehler machte . Später suchten sie wieder ein anderes Lied zusammen und so fort , indem jeder aus seinem Gedächtnis hervorklaubte , was zum gemeinschaftlichen Konzert taugen mochte . So oft ein Quartett verklungen war , umkreiste der Fuhrmann einmal seinen Wagen , um den Rossen ein melancholisches » Hü « zuzurufen und ihnen mit dem Peitschenstock den Takt anzudeuten ; hernach gesellte er sich wieder zu seinen Kameraden , um sich das Losungswort zu einer neuen Nummer zu holen . Bisweilen ließ er auch die Pferde ein wenig ausschnaufen , während er sich an den Rädern zu schaffen machte . Man könne nie wissen , entschuldigte er das Versäumnis , ob man je wieder einmal zusammenkäme und wie viele von ihnen das nächste Jahr um diese Zeit noch am Leben seien . Aber er fürchte , es gäbe morgen ander Wetter . Es gefalle ihm nicht , wenn man die Alpen gar so schön sehe , daß man meine , man könne sie mit den Händen greifen wie einen Zuckerstock , und der Himmel sei ihm auch viel zu bunt , gerade wie wenn ein Flachmaler seinen Farbentopf darüber geworfen hätte . Die Fledermäuse segelten schon um die Dächer , als die Kinder mit dem Fuhrmann bei der Friedlismühle anlangten . Auf der stattlichen Freitreppe standen die Wirtsleute übereinander postiert , wie die Altersstufen in einem Bilderbogen . Mit erhobenen Armen riefen sie den Ankommenden entgegen , wohin sie wollten , bei Nacht und Dunkel . Und auf die Antwort , der Statthalter hätte ihnen gesagt , der Wagen des Herrn Landammann warte auf sie bei der Friedlismühle , kam der Bescheid : » Davon hat der Kutscher nicht das mindeste gewußt , kein Mensch hat ihm deutlich gesagt , was er machen soll ; ein halbes Stündchen hat er noch hier gewartet , für alle Fälle , dann ist er eben heimgefahren , in der Meinung , ihr würdet heute nacht noch in Schönthal bleiben . « » Das gleicht wieder dem Statthalter ! « tönte ein Ruf . » Nun , da laß ich einfach schnell anspannen und die Kinder nach Schönthal zurückbringen . Oder , noch besser , ich fahre selber . « Unterdessen hatte sich jedoch eine stattliche , ungewöhnlich große Jungfer an die Buben herangemacht . » Hat euch niemand in Sentisbrugg einen Auftrag nach der Friedlismühle gegeben ? « flüsterte sie . » Freilich « , sagte Gerold , » ich solle sagen , es sei alles in Ordnung . « » Hast du etwa Briefe ? « rief sie gierig . » Ja « , antwortete er und kramte die Briefe hervor . Trotz der Dunkelheit erbrach die Jungfer einen Umschlag mit fiebernden Fingern und fing an zu lesen . Plötzlich beging sie einen Freudensprung » Juchhu « und lief wie ein Windhund zurück die Treppe hinan , um die Briefe vorzuzeigen . Jetzt änderten sich mit einem Male der Text und die Tonart . Sie könnten ja , hieß es , schließlich auch hier übernachten und morgen mit der Achtuhrpost nach Bischofshardt weiterreisen , sie seien ja hier gut aufgehoben und müßten morgen nicht so früh aufstehen , als wenn sie wieder rückwärts führen und von Schönthal die Post nähmen . Abgesehen von der unnützen Aufregung , die sie daheim verursachen würden , wenn sie in der Nacht plötzlich wieder in Schönthal ankämen . Es dauere doch immerhin eine kleine halbe Stunde , bis der Wagen angespannt wäre . Zur völligen Beruhigung könne man ja einen Knecht nach Schönthal schicken und den Herrn Balsiger und den Statthalter davon verständigen . Oder ob sie vielleicht etwas dagegen hätten , hier zu übernachten ? An freundschaftlicher Fürsorge würde man es ihnen jedenfalls nicht fehlen lassen . Mit einem bedenklichen Fragezeichen im Gesicht wandte sich Gesima nach den Kadetten , ihnen stillschweigend die Antwort zuweisend . Hansli , dem die Aussicht auf unverhoffte Abenteuer das Herz verjüngte , stupfte den Bruder heimlich mit der Faust in den Rücken , einladende Grimassen schneidend . Auch Gerold mochte lieber in der Friedlismühle als in Schönthal übernachten , schon deshalb , weil ihm vor der gewalttätigen Freundschaft seines Götti Statthalter graute . Aber wieviel es denn kosten würde , erkundigte er sich bange , sie hätten nämlich jeder nur einen Fünffrankentaler bei sich . Der