, meinte Werner . Er wollte dem Manne etwas Angenehmes sagen . » Nicht meine Verantwortung « , versetzte der Lehrer eintönig und leise , wie einer im Schlafe spricht . » Der Herr Pastor wollte uns vielleicht strafen . Ob er das Recht dazu hatte , ist zweifelhaft . « » Nein , nein , dazu hatte er kein Recht « , sagte Werner . » Verzeihen Sie mir , Gröv . « » Ich - bitte , Herr Pastor « , warf Gröv nachlässig hin . Der Scheck trabte munter dem Pastorate zu . » Schlafen werden wir gut « , bemerkte Werner . Ja , schlafen wollte er . Auf eine lange , traumlose Ruhe freute er sich . Die Ebene , über die das flackernde Mondlicht hinstrich , erschien ihm schon Jetzt wie eine weite , stille Traumlandschaft . Es war spät am Nachmittag . Werner ging zu der alten Waldhäuslersmutter Gehda , die nicht sterben konnte . Ganz dürr und gelb , wie ein großes Heimchen , lag die Alte in ihrem Bett . Aus den tiefen Augenhöhlen lugten die trüben Augen geduldig und stetig hervor und warteten . Als der Pastor sich an ihr Bett setzte und fragte : » Wie geht es , Mutter Gehda ? « - schwieg sie , als verlohne es sich nicht , darauf zu antworten . Die Schwiegertochter , die Waldhäuslerin , antwortete redselig : » Ach , Herr Pastor , kein Atem , was ist das für ' n Leben ! Man is alt , man will sterben , nu ja ! Gestern haben wir ihr ein warmes Bad gemacht , haben sie gut abgeseift . Wird man nu sehn - wie ' s wird . « Werner sprach erbauliche Worte . jeder Augenblick , den Gott uns gibt , kann für unser Heil wichtig sein . Was bedeutet das bißchen Warten gegen eine Ewigkeit bei Ihm ! Da begann die Sterbende zu sprechen mit tiefer , mürrischer Stimme , als schelte sie jemanden : » Geplagt hat sich der Mensch beim Mistverstreuen und Unkrautjäten in dem Baumgarten . Nu will der Mensch seine Ruhe haben . Das kann er verlangen . Das heilige Abendmahl hat man genommen , alles ist fertig . Aber nein - und nein . « Werner schwieg . Was sollte er hierzu sagen ? Die Alte wußte es besser . Sie verlangte nach dem Tode als nach ihrem Recht . Hier brauchte er nicht zu trösten . Er stand auf : » Na , Mutter Gehda , - Gott wird helfen . Geduld müssen wir haben . « Er ging hinaus . Der Tag war kalt gewesen und mit leichtem Frost . Die Sonne ging rot hinter den bereiften Bäumen unter . Das » Man will seine Ruhe haben « der Alten klang Werner nach , während er durch den Wald ging , - beruhigend und friedlich . Dazu lebt man , um diese Sehnsucht nach tiefer Ruhe , diesen Durst nach der Wohltat des Todes zu haben . Was sollte er der alten Frau von einer ewigen Seligkeit , einem ewigen Leben sprechen . Sie verlangte nach ewiger Ruhe vom Mistzerstreuen und Unkrautjäten . Lustig waren der weiße Wald mit dem roten Sonnenschein und die klare Frostluft . Alles sah so geschmückt aus , als sollte hier etwas Gutes , etwas Festliches geschehen . Durch den Wald tönte Schellengeklingel , sehr hell , wie ein silbernes Lachen . Werner blieb stehen und horchte . Er kannte dieses Schellengeklingel wohl . Das war es , was in den festlichen , weißen Wald hineingehört hatte . Er lachte ein knabenhaft frohes Lachen vor sich hin . Das Schellengeklingel kam näher . Nun sah Werner schon den Schlitten , die beiden spitzgespannten schwarzen Pferde , des Kutschers Pelzmütze und braunrote Livree . Karola saß allein im Schlitten . » Pastor ! « rief sie , als sie Werner sah . » Fahren Sie mit ? Doch nein ! Peter - halt ! Ich steige aus . Peter wartet auf mich an der Allee . Ich geh ein Stück mit Ihnen . « Sie sprang aus dem Schlitten . Ihr Pelz und die Pelzmütze waren weiß bereift , ihre Wangen gerötet . Sie lachte über das ganze Gesicht , als sie Werner die Hand reichte . » Ist das schön , Pastor ! Der Wald und die rote Sonne ! Wie lauter Balldamen , auf die es Himbeersoße regnet ! « Sie ging neben ihm her , sprach erregt : » Einen Besuch hab ' ich gemacht bei der Baronin Huhn in Debschen . Oh ! war das langweilig ! Schon wenn ich die Zwiebäcke in Debschen sehe , macht es mich traurig . Alles riecht dort nach Zwiebäcken . Woher das wohl kommen mag ? Das Leben dort muß eine einzige , langweilige Kaffeestunde sein . Ich sehnte mich hinaus . Der Wald jetzt ist doch das Eleganteste , das es gibt . Wie fein der Schnee knirscht , wenn man darauf geht , wie Zucker . Das müßte man im Sommer machen , einen Weg mit Zucker bestreuen , und am Rande müßten ganz rote Tulpen stehen . Und wo waren Sie ? « Werner erzählte von der Mutter Gehda und wie sie den Tod nicht erwarten konnte . » Dieser Besuch hat Sie wohl traurig gemacht ? « fragte Karola und sah enttäuscht zu Werner auf » Nein « , meinte er . » So was beruhigt , dieses Haus , in dem man auf den Tod wartet , ärgerlich und ungeduldig , wie auf den Zug , der Verspätung hat . « » So . Dann fürchtet sie sich also nicht « , sagte Karola befriedigt . » Wenn die Leute leben wollen und nicht dürfen , das lieb ich nicht . « Sie traten aus dein Walde hinaus . Vor ihnen lag die Ebene , ganz übergossen von zentifolienfarbenem Licht . Die Sonne war im Untergehen . Um sie her