in ihr Austragszimmer und schlossen die Fensterläden . Darauf zündeten sie zu Häupten des Bettes zwei Kerzen an und begannen zu beten . In der Dorfgasse wurde es lebhaft ; es war Feierabend . Die Leute kamen heim vom Acker ; da blieb ein Nachbar beim andern stehen und redete davon , was man diesen Tag geschafft hatte , und was man vom nächsten erwarte . Beim Schmied wurde noch fleißig gehämmert ; ein Gaul vom Bartlbauer brauchte neue Eisen , und der Weßbrunner ließ seinen Pflug schärfen . Einige Leute standen vor der Werkstätte und schauten zu ; sie lobten das Pferd und sagten , der Bartlbauer hätte beim Kaufen eine glückliche Hand gehabt . Da kam der Mesner um das Eck herum , hinterdrein der Kooperator mit dem Allerheiligsten . Alle zogen den Hut , und der Schmied hielt mit der Arbeit ein . » Wer werd denn versehg ' n ? « fragte einer . » An Schuller sei Muatta . « » De alt Vöstin ? Um de is schad , « sagte der Zwerger und schaute dem Kooperator nach . Einige Weiber schlossen sich dem traurigen Zug an . Als der Priester beim Schuller angekommen war , wandte er sich um und hob den Kelch mit der heiligen Wegzehrung in die Höhe . Die Leute knieten nieder und bekreuzten sich andächtig . Und die Bäcker Ulrich Marie betete mit lauter Stimme das Vaterunser vor . Viertes Kapitel Lieber Josepf ! Ich deile Dir zum wiesen mit , das mir vor acht Dag die Muder eingraben ham . Mir haben nichts gemeint , indem es so schnell gangen ist . Aber der Vadder ist anderst zornig , weil die Muder ein Desdament gmacht hat und schenkt der Kirch finfhundert March fier den neien Durm . Beim Notari is das Desdament gwest und mir ham nichts gewußd . Lieber Josepf , wie get es Dir ? Hofendlich get es Dir gut und darfst auf Weinachd heraus . Dem Brückl sein Fux hat umgschmiesen und eine Haksen brochen und hat ihn stechen müsen . Beim Elfinger und der Haslinger ham Schtraf zalen müsen , weil die Schaf reidig warn und habens nicht angezeichd . Es kost jeden dreisig March und is der Tirarzd nicht dabei . Da kost es noch mer . Das ist fiel Geld . Unsere Scheck hat die voring Woch ein Kalb kriegt ; es ist siebsich Fund schwer und gesund . Der Woaz is gut hereinkomen , aber der Vadder schimbft wegen das Desdament . Lieber Josepf , hofendlich get es Dir gut und schreib bald . Es grießt Dich Deine Muther Diesen Brief erhielt der Soldat Josef Vöst vom 12. Infanterieregiment , und er konnte daraus sehen , daß sich daheim Gutes und Böses begab . Er dachte über beides nicht lange nach und war so wenig bekümmert wie andere junge Leute . Aber seinem Vater ging es im Kopfe herum , von der Früh bis zum Abend . Er war alleweil gut mit der Mutter gefahren und hatte ihr kein böses Wort gegeben . Sie war zufrieden mit dem Austrag , und wenn sie vom Sterben redete , sagte sie oft , daß ihr ausgemachtes Vermögen beim Anwesen bleibe . Bloß etliche hundert Mark für Seelenmessen sollten davon abgehen , und so war es auch geschrieben im ersten Testament . Aber ein paar Monate vor ihrem Tode machte sie den Nachtrag und verschrieb fünfhundert Mark für die Erbauung eines neuen Turmes . Das war ihm unverhofft gekommen , und er hätte nicht daran gedacht . Jetzt freilich fiel ihm manches ein , was er zuvor nicht beachtet hatte . Daß die Mutter im Sommer nach Nußbach fuhr , mitten in der Woche , als er keine Zeit hatte zum Begleiten und die Bäuerin im Bett lag . Und daß sie ihm keine rechte Antwort geben wollte , wenn er sie fragte , ob alles in Ordnung sei . Daß sein Bruder Lenz hinterher nicht halbpart verlangen könne , weil sie ihm doch das Ganze versprochen hatte . Da sagte sie immer , es sei alles recht gemacht , und wie es gemacht sei , wäre es recht . Wie der Amtsrichter das Testament vorlas , stand am Schlusse , diese Spende hätte die Mutter wohl überlegt , und die Erben sollten für sie beten anstatt verfluchen und verwünschen . Sie hatte schon gewußt , daß sie Verdruß damit aufhebe . Den Schuller dauerte das schöne Geld , aber das hätte er leichter verschmerzt wie den peinlichen Spott von den Leuten . Er war der Wortführer gewesen gegen den Pfarrer , und er hatte seine Meinung durchgesetzt bei der Gemeinde . Derweil galt sie nichts in seinem eigenen Haus , und der Pfarrer hatte seine Mutter gerade so gut überreden können wie den Linnersteffel . Selbigesmal hatte er gesagt , daß es nicht recht sei , wenn man alte Leute zu solchen Vermächtnissen berede , und jetzt war es bei ihm das nämliche . Der Pfarrer konnte lachen . Was brauchte er sich um die Gemeinde zu kümmern , wenn er das Geld sogar von seinen Widersachern kriegte ? Da muß einer für dumm gelten , wenn er Streit anfängt mit der Geistlichkeit , und hinterher zahlt er selber so viel von der Zeche . Der Schuller versteckte seinen Zorn nicht ; er sagte den Freunden , daß er gegen die Heimlichkeiten nicht ankönne . Er habe öffentlich widerredet nach seiner Pflicht ; aber wenn der Pfarrer von schwachsinnigen Weibern das Geld nehme , was ihm die Männer verweigern , hernach sei gleich ausgestritten . Da könne er sich was darauf einbilden , wenn der Turm auf diese Weis ' zusammengebettelt sei . Und das wäre auch noch eine besondere Kunst , ein altes Leut vor dem Sterben herumzukriegen . Solche Reden wurden weitergetragen , und der Pfarrer hörte sie bald . Daß sie ihn nicht freuten , darf jeder glauben , aber er schimpfte nicht , und auch seine Vertrauten wußten nicht