in deinem Leben unglücklich zu sein . Denn nicht du bist es , den du fortan in dir fühlst , sondern mich fühlst du in dir ; also daß , wenn du nicht hochmütig fühlst , du mich beleidigst . - Doch wer ist jene , die an deiner Seite kniet ? « Ich antwortete : » Dies ist meine edle Freundin , deine gläubige Magd , die gleich mir die Wünsche ihres Herzens zum Opfer dir gebracht . Nimm sie an , wie du mich selber angenommen . « » Steh auf « - befahl meiner Freundin die Strenge Frau - » und zeige mir dein Angesicht ! Dein Angesicht ist schön und wahr ; wohlan , ich nehme dich an , nicht als meine Magd , sondern als meine Tochter . Neige dein Haupt , o meine Tochter , damit ich dich taufe ! « Da neigte meine Freundin ihr Haupt , und meine Herrin taufte sie mit dem Namen Imago . » Und nun « , schloß die Strenge Frau , » reicht euch die Hände , damit ich euern Bund segne . « Nachdem wir uns die Hände gereicht , sprach sie den Segen : » Im Namen des Geistes , der da höher ist als die Ordnung der Natur , im Namen der Ewigkeit , die heiliger ist als das vergängliche Gesetz der Menschen , erkläre ich euch hiermit als Braut und Bräutigam verbunden , lebenslänglich , untrennbar , durch Glück und Unglück , mit der Seele in steter Hochzeit beieinander wohnend . Du sollst ihr Ruhm und ihre Herrlichkeit sein , und sie soll deine Wonne und deine Süßigkeit sein . « - Nach diesen Worten verschwand die Strenge Frau , und wir waren wieder zu zweien allein . » Ward dir das Opfer schwer ? « lächelte Imago . Ich jauchzte : » O Krönung meines Lebens , o Verschwendung der Gnade ! « Darauf grüßte Imago den Abschied : » Du bist nun müde , und ich habe einen weiten Weg ; doch morgen kehre ich zurück , denn wir weilen ja nun in ewiger Hochzeit täglich beisammen . « Nach diesen Worten schieden wir in Hoheit und Seligkeit . Aber noch lange blieb ich , dem schweren Nachhall des Ereignisses lauschend , am dunklen Schreibtisch gebannt ; denn wie ein Ozean rauschte es durch meinen Geist , und ein feierlicher Gesang umtönte mich wie nach einem Gottesdienste . Und am folgenden Morgen begann in Wahrheit , wie uns verkündet worden , unser stetes Beisammensein . Eine fliegende Hochzeit , ein jauchzendes Duett , mit vereintem Siegesmunde gesungen . Doch ihre Stimme klang höher als die meinige , so daß ich öfter innehielt , um ihrem Gesang zu lauschen . Wenn ich an ihrer Seite über die Hügel der Erde in das Reich meiner Strengen Frau sprengte , welches reiner ist als das Reich der Wirklichkeit , aber wesenhafter als das Reich der Träume , also daß die Wirklichkeit sich zu ihm verhält wie das Getier zum Menschen , aber der Traum zu ihm sich verhält wie der Geruch zur Blume , und welches sich bis zu den Gefilden der Erinnerungen und Ahnungen erstreckt , da jubelte Imago : » O mein Geliebter , in was für neue , weite Welten führst du mich die Straße ? mein überraschtes Auge nennt sie fremd , doch mein beglücktes Herz begrüßt sie Heimat . « - Und gute Völker , freundlicher als der Menschen Völker , hießen an den Pforten der Täler uns brüderlich willkommen . Wenn ich unter sorgenschwerer Arbeit , während welcher sie bescheiden ihre Gegenwart verhehlte , hin und wieder rastete und seufzend aufschaute , traf mich Imagos andächtiger Blick : » Wie beglückt mich der Stolz « - erwiderte ihr Blick - » mich von einem solchen geliebt zu wissen . « Wenn ich nach redlich erworbenem Ruherecht mit ihr in das Außenleben hinunterstieg , mit ihr scherzend wie mit einer menschlichen Ehefrau , sie mit törichten Kosenamen nennend , ihr beim Essen einen Teller und ein Besteck hinstellend , als säße sie körperlich neben mir , lachte Imago vergnügt : » Was sind wir Kinder ! Wie aber vollbringst du Tiefer das Wunder , daß du mich so fröhlich lachen lässest , wie ich nie zuvor so fröhlich lachen konnte ? « Darüber wurde ich reich und freundlich , so daß die Menschen verwundert zu mir sprachen : » Angenehm ; wie hast du dich lieblich verwandelt . « Wie ein Baum auf freier , sonniger Wiese , der den Wipfel nach allen Seiten entfalten darf und dem die Früchte sämtlich reifen . Und das währte so weiter , eine unendliche Seligkeit , jenseits von Zeit und Raum , bis zu dem Tage , da die Schnauze des Verrates in die goldige Wonne hereinfuhr wie ein Wildschwein durch eine Tapete . Eine gedruckte Verlobungsanzeige mit einem Fremden ; ohne ein Wort der Freundschaft , ohne ein Zeichen der Erinnerung ; nichts als die rohe Tatsache . Das Ganze eine stumme Frechheit ! Verächtlich warf ich den Wisch in den Winkel . Nicht der mindeste Schmerz , bloß Empörung über den Verrat , gemischt mit Trauer über die Offenbarung ungeahnter Kleinheit . Etwa so , wie wenn man berauschenden Herzens ein herrliches Klavierstück spielt und plötzlich läge vor einem an Stelle der Noten eine Kröte . Es ist also menschenmöglich , daß ein weibliches Geschöpf , dem das Schicksal die Gunst anbot , als Liebesgenossin eines Berufenen Ewigkeitsluft zu atmen , vorzieht , mit dem ersten besten Bärtling in den Sumpf der Familie zu waten . Verblüfft staunte ich dem wunderlichen Phänomen der Kleinheit nach , wie einst in der Kinderzeit , als ich einen Krebs betrachtete . » Wie kann man ein Krebs sein ! « hatte ich damals gerufen . Heute rief ich : » Wie kann jemand nicht groß sein ! « Und durch ihren schmählichen Abfall soll jetzt meine schöne Seligkeit elendiglich verwesen ? Plötzlich lachte