einfachen , edlen Natur , die sie mit der hingebenden Liebe und Sorge einer Mutter umgab , als bei dem nur seichten , oberflächlichen Dingen zugewendeten Geplauder ihrer Begleiterin . So saßen sie auch eines Abends in Abwesenheit der Amadei zusammen und Viktoria half der Dichterin an einem Kleide nähen , das diese , an Sparsamkeit gewöhnt und sie bedürfend , sich selbst verfertigte . Die Rede kam auf die Herzogin von Santomara und ihre wunderbare Schönheit . » Ja , und dabei ist sie auch so liebenswürdig und klug , « sagte Rosa voll inniger Bewunderung . » Und gut , wirklich sehr gut , « fügte Vittoria hinzu . » Ich weiß so viel von all dem Guten , das sie in der Stille tut , denn der Herzog ist kein freigebiger Mann und weist die Armut von der Tür ; aber sie gibt gern und viel . Ich weiß das alles , weil mein Bruder Beppo amore macht mit der Marietta , der Kammerjungfer der Herzogin . Die erzählt ihm alles aus dem Haus , und er kommt dann , es mir zu erzählen . « » Ach , liebe Vittoria , sag doch nicht dies häßliche far amore , « sagte Rosa , » ich kann den Ausdruck in unserer sonst so poesiereichen Sprache nicht leiden . Far amore - es ist gerade , als ob man mit dem heiligsten der Gefühle Handel triebe , als ob die Liebe ein Produkt des Willens sei , das man beliebig hervorbringen und wieder abtun könne , während sie doch - so denk ich es mir , - die schönste , unmittelbarste Gabe des Himmels ist , ein Etwas aus unbekannten Regionen , das plötzlich bei einem bestimmten Gegenstand erwacht und unser Herz zu einem Tempel macht , den ein Bild in reiner Andacht ausfüllt . « » Ja , so denken Sie , meine Signorina , « versetzte Vittoria , indem sie voll Rührung auf das Mädchen sah ; » bei Ihnen ist alles anders , rein und schön , aber so im gewöhnlichen , bei unseren Burschen und Mädchen , da ist es fast wie ein Geschäft ; im gegebenen Alter muß amore gemacht werden und wie es sich denn gerade trifft , so macht sich ' s , mit dem einen oder der einen , und ist die Sache nicht dauerhaft gewesen , wie meistenteils , so bricht man ab und fängt mit anderen an . Das hindert nicht , daß man sich deshalb unglücklich macht , sich Coltellaten gibt , sich umbringt und aus Kummer stirbt , wenn der eine oder andere untreu wird , denn es kommen ja auch tiefere Gefühle vor , die einen ernsteren Charakter haben ; aber im ganzen ist es ein auf die untergeordneten natürlichen Triebe gegründetes willkürliches Verfahren , und daher mag denn auch der Ausdruck gekommen sein . « » Es kann sein , daß du recht hast , Vittoria , « versetzte Rosa nachdenklich . » Was sagt denn aber die Marietta von der Herzogin ? Mir scheint , daß eine so ausgezeichnete , schöne , liebenswürdige Frau den älteren , stolzen , immer kalt und spöttisch aussehenden Mann nicht lieben könne . « » Ach nein , das tut sie auch gewiß nicht , « erwiderte Vittoria ; » ganz jung ist sie so verheiratet worden , ohne zu wissen , was es sei , und bisher hat sie so gelebt in Reichtum und Glanz , bewundert und gefeiert , aber geliebt hat sie wohl noch nicht ; jetzt aber ... « Vittoria hielt inne . » Was denn jetzt , gute Vittoria ? « fragte Rosa rasch ; » sag mir doch alles , ich liebe die Herzogin sehr und möchte , daß sie glücklich wäre . « » Nun , die Marietta meint , ihr schiene , ihre Herrin habe eine heftige Neigung für den fremden jungen Prinzen gefaßt , der so viel in den Palazzo kommt ; aber das kann auch nur dummes Geschwätz von der Marietta sein ; solche Mädchen , die immer um die Herrin sind , sind neugierig , passen auf alles auf , wissen oft mehr , als die Dame ahnt , irren sich dann aber auch oft , weil sie die Dinge sich nach sich selbst auslegen und die Marietta ist leichtsinnig ; und was sie selbst tun würde , traut sie auch den anderen zu . « Rosa erwiderte nichts , sie war betroffen und fühlte ein unerklärtes Weh , das sie für den Augenblick stumm machte und in sich selbst blicken ließ , um die Ursache davon zu suchen . Auch wurde die Unterhaltung abgebrochen , denn die Amadei kam zurück und Vittoria verschwand augenblicklich . An demselben Abend befand sich im Palast Santomara nur ein kleiner Kreis meist älterer Herren , unter denen der Kardinal Palombi und mehrere andere Prälaten , aber auch Prinz Waldemar mit seinen zwei Begleitern zugegen waren . Das Gespräch hatte einen beinahe politischen Charakter bekommen , indem einige der geistlichen Herren sehr günstig für Österreich , die anderen aber , besonders Kardinal Palombi , durchaus französisch liberal gestimmt waren . Es waren dies die zwei Strömungen , die die damalige römische Gesellschaft teilten . Der Wiener Kongreß 1815 hatte den von der Napoleonischen Zeit her überwiegenden französischen Einfluß gebrochen und Italien wieder dem finsteren Druck österreichischer Jesuitenherrschaft anheimgegeben . Dann , unter Papst Pius VII. , hatte der edle Kardinal Consalvi eine Reihe kultureller Reformen angefangen , die aber abgeschnitten wurden durch die Wahl des Kardinals della Genga zum Papst unter dem Namen Leo XII. Er war von dem strengen Geiste des mittelalterlichen Papsttums erfüllt und hätte am liebsten den Kirchenstaat ein paar Jahrhunderte zurückgeführt und für immer jedem Licht der Aufklärung , des freien Gedankens , der fördernden Wissenschaft verschlossen . Sein Pontifikat dauerte zum Glück nur fünf Jahre , doch schon zu lange für den Zustand des römischen Staates , in dem nun geheim die ewig treibenden Kräfte