des Kameles , welche bei euch in ungesunden , lichtlosen Ställen gezogen wird , um in Gesellschaft von Bären , Stachelschweinen und Murmeltieren dressierte Affen durch die Welt zu tragen ? Als ich noch Knabe war , fand ich sie sehr belustigend . Seitdem ich aber edle Rasse kenne , thut mir der Anblick solcher Tiere wehe . Man sagt , daß diese Zucht vorzugsweise von Italien ausgehe . Wenigstens pflegen die Führer solcher Sehenswürdigkeiten , welche fast immer Virtuosen auf der Sackpfeife sind , nach welcher Bär und Affe tanzen müssen , meist italienischen Geblütes zu sein . Nun denke dir ein solches , im tiefsten Schmutze geborenes und mit der Peitsche erzogenes Kamel , mit Dornen und Disteln gefüttert und mit schmutzigem Wasser getränkt , nie vom Ungeziefer gereinigt , ein vom Hunger und Elend gefügig gemachtes Skelett mit haarlos geschundener Haut und wundem Gehufe , so hast du ein Bild der Kamele , die hier in dem Himmelreich standen , von fettreichen Pächtern entmagert , für die sie die Qualen zu dulden und sich schweigend zu opfern hatten ! Ihre tiefhängenden Köpfe waren mit Dopplstricken an beide Kniee gefesselt , so daß sie nie den Himmel , sondern nur die Erde in den Augen hatten . Zum Kniebeugen reichten diese Stricke aus , doch nicht dazu , das Haupt emporzuheben . Und einen weiten , freien Schritt zu thun , auch das litt diese ihre Fessel nicht . Sie konnten nur behutsam vorwärtsschleichen und hatten nichts zu thun als das , was die Dressur befahl . An ihren Mäulern hingen Lippenkörbe , damit sie gegen Züchtigungen sich ja nicht wehren könnten und ja nicht von den giftigen Kräutern fräßen , an denen zwar sogar Kameele sterben , die aber für die Zwecke solcher Paradiese besonders wertvoll sind . Die Sättel waren hohe Throngestelle , mit farbenreichem Teppichwerk belegt , mit Fransen- und mit Federschmuck behangen , sodaß der Reiter , falls es ihm gelang , sich auf der stolzen Höhe festzusetzen , und wenn er jene Phantasie besaß , die leidenschaftlich gern auf Höckern reitet , sich leicht als Allahs Liebling dünken konnte . - - - Hast du auch dieses Bild verstanden , Sihdi ? « » Ja , « antwortete ich . » Es ist ja deutlicher , als ich es geben möchte . Ich bitte dich , dein Pferd nun abzuwenden ! « » Ich habe es gethan . Ich ritt davon , mit offenem Auge in dieses vielgerühmte Himmelreich hinein . Fragst du mich vielleicht , wie lange es dauerte , bis ich es kennen gelernt hatte ? Ein ganzes , ganzes Menschenelend lang ! Soll ich beschreiben , was ich sah , was ich entdeckte ? Wer kann Unbeschreibliches beschreiben ! Schon gleich am ersten Tage blieb ich nicht allein . Der Menschheitsjammer kam zu mir und weinte mir aus tiefen Augenhöhlen zu . Er hat mich nicht verlassen bis zum letzten Schritt . Das Erdenweh gesellte sich zu mir . Es kroch zu mir aufs Pferd und schlang die Arme fest um meine Hüften . Des Lebens Elend faßte meinen Bügel und schleppte sich an meiner Seite weiter . Es kam die Not gerannt und griff in die Kanthare , um mich in meiner Richtung zu beirren . Wenn sich die Dämmerung senkte , tanzten die Schatten des Verbrechens vor mir her , und in der stillen Nacht begannen Schuld und Strafe hinter mir zu heulen . Ich ritt wochenlang durch Trümmerstätten , in denen mich der hohnlachende Menschenwahn als Gespenst der Vernichtung begrüßte . Ich kam über schier endlose Gräberfelder , aus deren Höhlen das irre Gekicher der Unduldsamkeit schrillte . Ich sah Tempelruinen , in denen der Unverstand im tiefsten Stumpfsinne hockte . Um die zerbrochenen Säulen einstiger Heiligtümer schlug die Narrheit ihre widerlichen Capriolen . An ausgetrockneten Quellen träumte die Gleichgültigkeit in Lumpen , die ihre Blöße kaum bedecken konnten . Die Scheinheiligkeit andächtelte vor eingestürzten Kapellen , für deren Erhaltung sie keine Hand gerührt hatte . Zuweilen tauchte am Horizonte einer jener Reiter auf , welche Einlaßkarten besessen hatten ; aber sein Tier wendete sich sofort zur Flucht , sobald es sah , daß ich kein Kamel und keinen Esel ritt . Und wenn sich irgendwo noch ein anderes Wesen in diesem starren Himmelreiche zeigte , so hatte ich entweder einen listigen Fennek5 gesehen , der mit Lammesaugenaufschlag schnell verschwand , oder es war ein fraßgieriger Dibb6 , welcher mit eingezogenem Schwanze und heuchlerisch gesenktem Kopfe von weitem an mir vorüberschlich . « Hier ließ der Ustad eine weitere Pause eintreten . Ich war ihm mit großem Interesse gefolgt . Nun fühlte ich eine Lücke in seiner Darstellung . Darum fragte ich : » Aber alle die Unzähligen , welche Einlaß bekommen haben ? Sie können dir doch nicht so einzeln erschienen und gleich wieder verschwunden sein ! « » Nein , « antwortete er . » Ich kann sie dir leider nicht ersparen . Meinst du vielleicht , dieses Paradies sei von einer himmlisch friedfertigen , sich gegenseitig liebenden und stützenden Bevölkerung bewohnt ? Glaubst du , dort einen Hirten und eine Herde zu finden ? Ich kenne so gut wie du das verheißende Wort : Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist , das wird von Gott bereitet denen , die ihn lieben . Welche unbeschreiblichen Glückseligkeiten aber waren es , welche ich zu sehen und zu hören bekam ? Höre und staune ! Hast du schon einmal vernommen , daß es unter den wilden Tieren welche giebt , die sich von ihresgleichen zurückgezogen haben und sie so grimmig hassen , daß sie jedes , welches in ihren Bereich kommt , sofort zerreißen oder sonst vernichten ? « » Ja . Dies ist besonders bei den Elefanten , Nashörnern , Löwen , Tigern und andern Raubtieren der Fall . Man pflegt solche Exemplare Einsiedler zu nennen . « » Nun , so wisse , daß es