legten nun Tausende toter Chinesen den Weg nach Kanton zurück . Die teuren , nach chinesischem Muster in San Francisco verfertigten Holzsärge waren erspart und der Preis der Überfahrt bedeutend verringert , denn man konnte nunmehr die toten Chinesen wie Sardinen in irgend einen Schiffswinkel fest aufeinander pressen und unterstauen , und sie kamen vollkommen unversehrt daheim an , den hart gedörrten gelben Enten ähnlich , die als grosse Delikatesse im San Franciscoer Chinesenviertel feilgeboten werden . Dies war die Grundlage der O ' Doyleschen Millionen ! Seitdem macht Charles W. Geschäfte in allen Ländern der Welt , er ist längst aus San Francisco fortgezogen und nach New York übergesiedelt , aber er ist mit China stets in besonderen Beziehungen geblieben . Es wird gemunkelt , dass er , abgesehen von seinen grossen chinesischen Bank- und Bahninteressen , durch die Dankbarkeit seiner ersten chinesischen Klienten , denen sein Chinalack manch kleine Erbschaft erhalten , Anteile an kantonesischen Pfandinstituten , Teehäusern und Blumenbooten erworben hat . Mein Bruder kannte ihn schon lange , hat auch von Peking aus Geschäfte mit ihm gemacht , und so war denn Charles W. O ' Doyle einer unserer ersten Besucher im Waldorf-Astoria , und gestern Abend waren wir zum Diner bei ihm . Sein Haus liegt dicht am Central-Park . Es hat hohe Türme und eine breite Bogen-Loggia , von der aus man in die herbstlich gefärbten Bäume des Parks und auf den fortwährenden Strom der vorbeifahrenden Equipagen blickt . Auf dem mit blitzenden Kupferplatten belegten Dach stehen zwei grosse Bronzereiter , ähnlich wie die auf dem deutschen Reichstagsgebäude , bei denen man sich auch immer staunend fragt , wie sie wohl da hinaufgeraten sind . Die Haustür ist massiv geschnitzt und entstammt einem alten befestigten Hause bei Golconda ; sie ist mit weit vorspringenden eisernen Spitzen versehen , die einst dazu dienten , den Anprall feindlicher Elefantenreiterei aufzuhalten . Durch diese Tür tritt man in eine weite , weissgoldene Halle . Zwei ägyptische Mumienkasten , reich bemalt und vergoldet , mit Deckeln , deren obere Enden Sperberköpfe darstellen , stehen aufrecht , wie Schildwachen zu beiden Seiten einer wunderbaren Malachittreppe , die zu den oberen Stockwerken führt . Es ist eine weltbekannte Treppe , über die die Lebemänner zweier Kontinente geschritten ; führten ihre Stufen doch einst zu jener berühmten Aspasia des zweiten Kaiserreiches , der sie ein russischer Grossfürst geschenkt . In der grossen débacle , die das Kaiserreich verschlang , verschwand auch jene Dame . Ihr mit Schätzen gefülltes Haus ward während der Belagerung von Paris durch feindliche Kugeln zerlöchert und dann von Kommunarden geplündert . Ein armenischer Antiquar , der mit richtiger Witterung guter Gelegenheiten in Paris in einem Keller versteckt geblieben war , erwarb in jenen Tagen für ein Spottgeld die Malachittreppe , und von ihm hat sie der jetzige Besitzer erstanden . Gepuderte Diener mit respektablen englischen Gesichtern standen sich auf den Treppenabsätzen stumm gegenüber . » Als der Herzog von Hardup neulich verkrachte « , erklärte mir Charles W. O ' Doyle , » habe ich nach London telegraphiert und seine ganze Dienerschaft rüberkommen lassen - so war ich doch sicher , Leute zu haben , die in einem anständigen Hause trainiert worden sind . « O ' Doyle ist ein breitschultriger , stämmiger Mann . Sein rotes glattrasiertes Gesicht ist unter dem Kinn bis zu den Ohren von einem kurzen Bart umgeben , der einer Halskrause ähnlich sieht . Grosse Perlen prangen auf dem Hemde , eine Kette mit allerhand seltenen Berlocks hängt ihm quer über dem Magen . Mit dem spitzen vorspringenden Bauche , über dem sich die breiten haarigen Hände von kostbaren Ringen funkelnd kreuzen , mit dem gutmütigen , halb irischen , halb Yankeedialekt , in dem er fortwährend von seinen verschiedenen Kunstschätzen und ihrem Ursprung spricht , hält man ihn zuerst für einen eingebildeten , aber harmlosen Narren , bis sich unter den buschigen Augenbrauen einmal die schläfrig gesenkten Lider heben und man eine Sekunde lang in die seltsamen Augen blickt ; kalt und lauernd sind sie , wassergrün mit kleinen dunkeln Flecken , wie die gesprenkelte Schale von Kiebitzeiern - ; hat man einmal in sie hineingeschaut , so glaubt man gern eine jede der vielen Geschichten , die über O ' Doyles Skrupellosigkeit im Gelderwerb kursieren . Mrs. O ' Doyle merkt man es auf den ersten Blick an , dass sie aus der früheren Lebensepoche ihres Mannes stammt , und dass sie sich unter ihrer Perlenlast und zwischen den gepuderten Dienern nicht recht wohl fühlt . Von Zeit zu Zeit schaut sie ängstlich nach ihrem Mann , wenn sie sich einer besonderen gesellschaftlichen Schwierigkeit gegenüber sieht , oder wenn sie fürchtet , eine Dummheit gesagt zu haben . Ihr ängstliches , um Vergebung flehendes Benehmen und die kalten , lauernden Augen von O ' Doyle - welche Faktoren für eine jener häuslichen Tragödien , die sich täglich neben uns abspielen , ohne dass wir es ahnen ! Die arme Frau hat es nicht einmal fertig gebracht , dem Hause O ' Doyle Erben zu schenken - und Charles W. hat deshalb einen Neffen und eine Nichte an Kindesstatt angenommen . Der Sohn war nicht anwesend , dagegen die Tochter , Prinzessin von Armenfelde , die zur Zeit mit ihrem Manne in Scheidung liegt , weil Charles W. den stets von neuem verschuldeten Schwiegersohn nicht zum viertenmal von seinen Gläubigern retten will . So muss sich denn die Prinzessin scheiden lassen , ob sie selbst will oder nicht . Sie wird den Namen ihres Mannes behalten , und Charles W. findet , dass er ihn allmählich teuer genug bezahlt hat . Es war übrigens amüsant zu beobachten , wie sehr die » Prinzess « der ganzen Familie imponiert , obschon sie doch vor ein paar Jahren auch noch eine einfache Miss O ' Doyle war , die aus einer Anzahl armer Verwandten zur Adoption ausgesucht wurde . Zwei entfernte junge Vettern von Mrs. O ' Doyle waren auch anwesend . Der