ist etwas für Leute , wie ihr seid ! nicht für mich . Warum machst du solch ein dummes Gesicht , liebe Mia ? Von geschenktem Gelde leben - in meiner Lage - und tun , als wäre es mir ums Tanzen - ? Denken , wie ich mir einen guten Tag mache ? Ach , Kinder , Kinder ! « - - Marie war zusammengeknickt . » Mir ist fast ohnmächtig . Gib mir ein Glas Wasser ! « stöhnte sie , » diese Aufregung ! Dafür bin ich nicht gemacht . « Josy ging hinaus . » Was hat sie vor ? « flüsterte Marie . » Was sie vor hat ? Gott mag wissen . Irgend etwas Unsinniges ! Du kennst doch Josefine . Ach , ich fürchte - wir werden nicht sobald wieder hierher kommen . « Marie weinte . » Sie ist nicht zurechnungsfähig . Man wird hier ganz nervös . Was für ein Zustand . Und solche Hartnäckigkeit . Wie öde hier ! Schrecklich ! Man sieht es den Zimmern an . « » Gottlob , Josefine hat Nerven von Stahl . Vater scheint auch in Unfrieden von ihr gegangen zu sein , « überlegte Adele . Dann kam Josy und brachte Himbeerlimonade . » Wir müssen leiser sprechen , « bat sie , » die Kinder wachen schon wieder . Sie sind so unruhig geworden - « Der Lampenschein , leicht gedämpft durch einen zartblauen Schleier , der die Gesichter blaß machte , beleuchtete die drei Schwestern , die ungleichen Schwestern . Sie tranken , und dabei musterten sie einander wie fremde Leute . Hastig , sprudelnd , wie es ihre Art war , wenn sie einmal ihre natürliche Zurückhaltung durchbrach , begann Josy zu sprechen : » Was ich tun will ? O , vielerlei . Erstlich kommt zu mir Laure Anaise von Chur , Vater hat mir heut telegraphiert . « » Ach , die Kleine von der alten Nina ? « sagte Marie verwundert . » Ja , die . Sie ist achtzehn Jahr , frisch , naiv . Nach der hab ich Sehnsucht . « » Merkwürdig ! « machte Adele . » Laure Anaise - das ist wie ein Feldblumenstrauß ; die Kinder brauchen sie auch . Dann - die Wohnung ist zu groß und zu teuer . Ich vermiete zwei Zimmer und die Mansarde . « » Fifi , aber nein ! nein ! Das ist doch nun wahrlich nicht nötig , « jammerte Marie . » Nicht ? Ich weiß wohl , was nötig ist ! Viel ist nötig . Alles ist nötig . Die Hauptsache kommt noch . Ich werde Medizin studieren und meines Mannes Praxis übernehmen . « Adele lachte schrill auf . » Du machst dich lustig ! Das ist nicht schön von dir , Fifi , wir sind in guten Treuen zu dir gekommen ! « » Und ich spreche zu euch in guten Treuen . Seit ich den Entschluß gefaßt habe , bin ich wieder ein Mensch . Ich lebe wieder ! Ich habe ja diese Zeit nicht gelebt . « Marie streichelte mitleidig Josys schmale Wange . » Arme Josy ! Ich bin furchtbar erschrocken . « Josefine fing die Hand der Schwester und drückte sie zwischen ihren fiebernden , heißen . » Arme Marie ! Arme Adele ! Verzeiht ! Ich muß hier bleiben . Wo sonst sollt ich so bequem studieren , so bequem Pensionäre finden . Ich werde bald hineinkommen . Hab ihm ja oft geholfen . Bei den Operationen , wißt ihr . « Adele saß wie erstarrt in kühler Würde . Sie vergaß , mit dem Zwicker zu spielen . » Ja , ob aber Albert und Léon zu einem solchen Experiment Geld hergeben - - « Marie seufzte tief auf . » Wohl , « sagte Josy nach langer Pause , » das glaub ich gern . Ich hab auch nicht auf eure Hilfe gerechnet , Kinder . Wir kennen uns ja . Eure Wege sind nicht meine Wege , und eure Gedanken sind nicht meine Gedanken . Que faire ? « Marie beobachtete sie , diese vergrämten Züge mit den tiefliegenden Augen , die einen seltsam erschrockenen entsetzten Blick bekommen hatten . Ein schwesterliches Gefühl wallte auf . » Es ist mir unbeschreiblich traurig zu Mute . Dieses viele Schwere willst du auf dich nehmen , meine arme Fifi ! Weißt du , was du brauchst ? Ruhe und Erholung , sonst nichts ! Wenn ich dich so ansehe - ach , kein Mensch würde denken , daß du von uns allen die jüngste bist . « » Das größte Unglück ! « lachte Josefine . » Ich seh wohl schrecklich aus ? « Sie sprang auf . » Das macht das Herumsitzen , das Zuwarten . Man wird fast verrückt davon . Nein , so kann es nicht weitergehen . Ich muß etwas tun , ich muß einen Beruf haben , sonst geh ich zu Grunde . Nur nicht denken ! Denken macht verrückt ! Tun ! Arbeiten ! Irgend etwas ! « Die Schwestern gingen bald . Es war kein Wort mehr über das Geldanerbieten gefallen . » Besinne dich , Fifi ! « hieß es noch beim Abschied . » Stärke dich ! erhole dich ! « rief Marie , während sie Josefine küßte . Aber als sie fort waren , hatte Josefine einen Weinkrampf . Hermannli erwachte davon ; er rief Rösli zu : » Hörst du ' s ? Mama weint wieder ! Merkst du jetzt , daß der Papa tot ist ? « Die Antwort des Vaters kam umgehend . Sie lautete ! Mein gutes Kind Josefine ! Du bist von den Menschen , die sich selbst helfen wollen und denen anderer Hilfe nichts nützt . Ich billige deinen Entschluß nicht , ich billige vor allem nicht , daß du die Scheidung hinausschiebst . Denn ich bleibe dabei , sie ist nur hinausgeschoben , und spätestens nach