Brettersteg und ruft den Abfahrenden noch einige Bosheiten nach - die versteht man aber nicht mehr . Battanys Barke wird sacht in die Mitte des Stroms hineingerudert - dort stößt heftig der Wind in die Segel . Und fort gehts stromabwärts . Die Pechfackeln knistern , flammen , lodern und werfen lange rote Farbenbündel , die immerfort wackeln , ins Wasser . Die Wellen klingen plätschernd um die Planken der langen Barke ... sie brodeln und murmeln vorn um den weißen Holzschwan , der die Spitze des Schiffes verziert ... Die eine Pechfackel hängt - vorn an einer Stange befestigt - hoch über dem langen Schwanenhals , ragt aber noch weiter vor als dieser ... in den dunkelblauen Himmel hinein . Hinter dem Schwan sitzt Abu Maschar in seinem weißen Beduinengewande und streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen langen schwarzen Bart. Neben dem Propheten sitzt Safur . Der steckt jetzt seine rechte Hand vorsichtig in die laue Flut , und die Wasser wirbeln schäumend um seine braunen Finger . Der Dichter fühlt , wie der Tigris wohlig um seine Handfläche strudelt , wieder und wieder durch die Finger gleitet und so weich die Gedanken belebt - auch so voll sich anpackt wie flüssiger Schlamm . Kitzelnd spülen die Wogen um die Fingerspitzen des Dichters . Jasminduft weht vom Strande herüber . Battany und seine Freunde heben lächelnd die Nasen höher - Suleiman besonders - der spricht dabei zu Jakuby von Narzissen und Lilien , von Wasserrosen und Riesenveilchen ... Die Gärten Bagdads liegen an den Ufern des Tigris wie schlafende Jungfrauen , und ihre überreiche Blütenpracht schwellt vollen Wohlgeruch auf den breiten Strom hinaus ... Prachtvoll ist die Nacht . Die Sterne funkeln , die Fackeln flackern , und die Wellen klingen plätschernd gegen die Barke an . Der Astronom ist leider noch immer nicht heiter - in dieser herrlichen Nacht , in der selbst Indiens verwöhnte Götter selig lächeln würden . Die Stimmung ist auf der Barke ein bißchen gedrückt . Osman - der Schreiber - ist entschieden der Traurigste . Kodama unter seinem gelben Turban scheint am lustigsten zu sein . Von den Fackeln werden grell beleuchtet - die Dichter , die Gelehrten und die Sklaven . Dem Philosophen Abu Hischam wird die Pelzmütze zu warm , er nimmt sie ab . Battany wundert sich darüber - - - er sieht den Osman unter dem weißen neben Kodama unter dem gelben Turban , Jakuby unter dem lila gefärbten neben Suleiman unter dem schmutzigen Turban ganz schweigend dasitzen . Auch Safur und Abu Maschar in ihren Beduinengewändern sitzen vorn ganz schweigend da ... Und der Astronom erinnert sich plötzlich , daß er seine Freunde zu einer » Vergnügungsfahrt « einlud . Und er flüstert einem älteren Sklaven einen kurzen Befehl zu . Und gleich darauf packen die gehorsamen Diener geschäftig die Wein- und Eßkörbe aus . Das verbessert die Stimmung . Der große Goldpokal wird mit Scherbett , dem berühmten würzigen Eiswein , gefüllt . Bald geht der Pokal von Hand zu Hand . Alle trinken schmunzelnd mit der Zunge schnalzend das eiskalte duftende Getränk ... Alsdann werden Datteln und Bananen , Feigen und Kirschen , Äpfel und Mandeln , Weintrauben , Pfirsiche , Nüsse , Oliven , Erdbeeren und kleine ovale Honigkuchen in fein getriebenen Metallschalen herumgereicht ... Kodama knackt eine Nuß und fragt den Safur , der in der Linken den Pokal und die Rechte noch immer im Wasser hält : » Sage mal , lieber Freund , Du siehst so träumerisch mich an - denkst Du an Deine Tarub ? Wie geht es denn Deiner berühmten Köchin ? Wird sie nicht bald wieder eine neue Torte backen ? - mit Zucker , Citronen und - und frischen Kräutern oder so was weich Zerfließendes ? Hm ? « » Frag sie doch selber « , gibt Safur zurück , » warum soll ich jetzt an die Tarub denken ? Die Nacht ist so prächtig , und ich fühle nur , wie wohlig sich das Wasser anfassen läßt . Die Empfindungen der Hand scheinen mir augenblicklich noch viel feinsinniger als dieser Eiswein . Trink Du , Abu Maschar ! Und wenn Du mir einen Apfel schälen wolltest , würd ich Dir dankbar sein . Hier ist mein Dolch . « Abu Maschar nickt , nimmt den Dolch und schält den Apfel . Kodama wendet sich an Osman und versucht , ihn wieder zu trösten . Osman lächelt schwach und meint : » Die Luft ist sehr erquickend . Wenn jetzt ein Dichter Obstverse vortrüge , würd ich mich sehr freuen . « Dabei lächelt der Dicke schon ganz behaglich , ißt eine rote Kirsche nach der andern - und fühlt sich allmählich immer wohler - vergißt sein Geschäft und seine Sorgen . Die Kirschen sind gut . Safur , der sonst für jede Speise , für alles Süße und für alles Saure prickelnde Vierzeiler aus seinem Beduinengewande herauszuschütteln pflegt , schweigt - schweigt hartnäckig . Suleiman , der am Maste sitzt , beugt sich daher bedächtig zu den beiden Dicken hinüber und spricht laut mit emporgezogenen Augenbrauen : » Ich sah im Traume eine Apfelkrone , Und die stülpt ich mir behutsam auf den kahlen Kopf . Doch Osman schenkte stöhnend mir zum Hohne Einen Kirschenszepter , tragen sollt ich den als Zopf . « Alle lachen nun sehr laut . Suleiman muß seine Verse wiederholen . Selbst Battany muß lachen . Nur Osman lacht nicht . Der nimmt behutsam seinen weißen reinen Turban ab und reicht ihn dem alten Dichter , der kopfnickend für den neuen seinen alten gibt . Jetzt wirds gemütlich . Wieder geht der Goldpokal mit dem köstlichen Scherbett von Hand zu Hand . Der Wind bläst noch kräftiger in die Segel . Die Wellen klingen hell plätschernd um die Planken . Die Sterne funkeln . Die Barke schaukelt . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -