zur Familie geherte , dan wer keenen Lohn ne brauchten zahla . So ener mechte hier sen ! « Der Unteroffizier zuckte die Achseln , und der Vater sagte nichts weiter . Der Rückweg wurde schweigend zurückgelegt . In dem Gesichte des Alten zuckte und witterte es , als führe er das Gespräch innerlich weiter . Ehe sie das Haus betraten , hielt er den Sohn am Arme fest und sagte ihm ins Ohr : » Ich will der amal a Briefel weisen , Gustav , das ' ch gekriegt ha ' . Komm mit mer ei die Stube ! « - Der Büttnerbauer ging voraus in die Wohnstube . Außer der alten Bäuerin war hier nur die Schwiegertochter anwesend . Therese schaukelte ihr Jüngstes , das an einem durch zwei Stricke am Mittelbalken der Holzdecke befestigten Korbe lag , hin und her . Der Bauer begann in einem Schubfache zu kramen . » Woas suchst de denne , Büttner ? « fragte die Bäuerin . » ' s Briefel von Karl Leberechten . « » Dos ha ' ch verstackt ! « rief die alte Frau , und kam aus ihrer Ecke hervorgehumpelt . » Wart ack , wart ! « Sie suchte auf der Kommode , dort lag in einem Schächtelchen ein Schlüssel , mit diesem Schlüssel ging sie zum Spind , schloß es auf und entnahm dem obersten Brett ein altes Buch mit vielen Einlagen und Buchzeichen . In dem Buche blätterte sie eine Weile , bis sie endlich auf das gesuchte Schreiben kam . » Doe is er ! « Der Büttnerbauer berührte den Brief wie alles Geschriebene mit besonderer Vorsicht , ja mit einer Art von Scheu . Dann schob er ihn dem Sohne hin : » Lase a mal dos , Gustav ! « Der Briefbogen hatte großes Quartformat und trug rechts oben eine Firma : » C.G. Büttner , Materialwarenhandlung en gros & amp ; en detail . « Folgte die Ortsbezeichnung . Gustav sah nach der Unterschrift . Sein eigener Name stand darunter : Gustav Büttner . Der Briefschreiber war demnach sein ihm gleichaltriger Vetter , Kompagnon im Geschäfte des alten Karl Leberecht Büttner . Gustav hatte Onkel und Vetter ein einziges Mal gesehen in seinem Leben , als sie vor Jahren dem Heimatdorfe einen flüchtigen Besuch von der Stadt aus abgestattet . Dieser Karl Leberecht war ein um wenige Jahre jüngerer Bruder des Büttnerbauern . Er hatte Halbenau frühzeitig verlassen als ein großer Tunichtgut . Jahrelang war nichts von ihm verlautet . Dann tauchte er plötzlich als verheirateter Mann und Inhaber eines Grünwarengeschäftes in einer mittelgroßen Stadt der Provinz auf . Inzwischen hatte sich sein Geschäft zur » Materialwarenhandlung en gros & amp ; en detail « ausgewachsen . Die beiden Familien , die eine in der Stadt , die andere auf dem Dorfe , hatten so gut wie gar keine Berührungspunkte mehr . Nur bei der Erbschaftsregulierung , vor nunmehr dreißig Jahren , war man einander auf kurze Frist wieder einmal näher getreten . In den letzten Jahrzehnten hatte man nur ganz gelegentlich etwas voneinander gesehen oder gehört . G. Büttner jun. also schrieb im Namen seines Vaters , daß man die Hypothek , welche von der Erbteilung her noch auf dem Büttnerschen Bauerngute in Halbenau stand , hiermit kündige , und daß man den Eigentümer besagten Bauerngutes ersuche , Zahlung zum Iohannitermine zu leisten . Als Grund der Kündigung war Erweiterung des Geschäftes angegeben . Der Brief war durchaus in geschäftlichem Stile gehalten und enthielt nichts , was darauf hindeutete , daß Schreiber und Empfänger in naher Blutsverwandtschaft standen . Vater und Mutter hielten sich hinter dem Sohne , während er las , und blickten ihm über die Schulter . » Habt Ihr schon was derzu getan , Vater ? « meinte Gustav , als er fertig war mit lesen . » Wie meenst de ? « fragte der Alte und sah ihn verständnislos an . » Ob Ihr schon derzu getan habt wegen an Gelde ? Am ersten Juli müßt Ihr zahlen . « » Siehst de , Moann ! « rief die Bäuerin . » Ich ho dersch immer geseut , de mechtest federn und nach an Galde sahn . « » Ich bin o schun , und ich ha mich befrogt im a Gald . Bei Kaschelernsten bi ' ch gewast ; der spricht , ar wullt mersch ack gahn , wenn ' ch ' n sechsdehalb Prozent versprechen täte . « » Das sieht dem Kujon ähnlich ! « rief Gustav . Sein Onkel Kaschel war der Inhaber des Kretschams von Halbenau . Er war Witwer , ehemals mit einer Schwester des Büttnerbauern verheiratet . Er galt in Halbenau , wo Bargeld ziemlich rar war , für den ersten Kapitalisten . » Da mechte aber bald Rat werden , « sagte Gustav nachdenklich . » Sonst werdet Ihr verklagt , Vater ! « » Mei Heiland ! Siehste ' s Moann ! « rief die Bäuerin . » Ich ho ' s schun immer geseut iber den Pauer : mir wern noch gepfändt , ho ' ch ibern geseut , de werscht ' s derlaben , Traugott ! « » Nu , dos gleb ' ch do ne von Karl Leberechten ! « meinte der Alte ; aber sein unsicherer Blick zeigte , daß ihm nicht ganz geheuer zumute sei . » Die werden wohl nich lange fackeln ! « meinte Gustav . » Siehste , Traugott , siehste ! Gustav meent och su ! « rief die Bäuerin . » Su is er aber nu , der Vater . Er bedenkt sich , und er bedenkt sich , und er tut nischt derzu . Er werd ' s nuch soweit bringa , daß se ' n ' s Gut wagnahmen kumma . « Der Büttnerbauer warf seiner Ehehälfte einen finsteren Blick zu . Das Wort hatte ihn getroffen . » Halt de Fresse , Frau ! « rief er ihr zu . » Was