Mauer umzogen , ein weitgedehnter Park , über dessen kugelige Ulmenwipfel sich das Dach und die Türmchen von Schloß Hubertus erhoben . Von den Insassen des Nachens achtete niemand der Schönheit dieses Bildes , das nach dem reinigenden Gewitterregen in seinen Farben so frisch und so neu erschien , als wäre es eben jetzt aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen . Der alte Schiffer führte , im Spiegel des Bootes stehend , in gleichmäßigem Takt das Ruder ; Franzl , der auf dem Schnabel des Schiffes ein nicht sehr bequemes Plätzchen gefunden , wischte mit dem Ärmel die Rostflecken von dem Lauf seiner Büchse ; und Kitty saß , dem Stiftsfräulein den Rücken kehrend , in schmollendes Brüten versunken . Plötzlich erwachte sie . Franzl hatte sie leis auf das Knie getippt und flüsterte : » Schauen S ' das alte Fräuln an ! « Kitty blickte über die Schulter zurück und erschrak vor dem kummervollen Anblick , den Tante Gundi bot . Breit lag ihr das rote Doppelkinn auf dem schwer atmenden Busen , tiefe Furchen kreuzten die Mundwinkel , und über die welken Wangen , von denen auch die letzte Spur der Schminke geschwunden war , kollerten dicke Perlen . Waren es Schweißtropfen oder Tränen ? Wohl beides zugleich . Aus dem zerfallenen Gesichte redete die Sprache eines tiefen , bedrückenden Schmerzes . Das fühlte Kitty , und im Augenblick war ihr Groll vergessen . Hurtig schwang sie die Füßchen über das Brett und faßte die Hände des Fräuleins . » Tante Gundi ! Was hast du ? « Die Kleesberg sah mit verstörten Augen auf , als hätte man sie bei einer bösen Tat ertappt . » Laß mich , du - « Sie wandte mit einem übelgelungenen Versuch von Würde das Gesicht und blickte krampfhaft ins Wasser , um ihre Tränen zu verbergen . Kitty schwieg . Mit scheuer Sorge hingen ihre Augen an Tante Gundi , und im stillen begann sie sich Vorwürfe zu machen . Sie wußte sich freilich keiner anderen Sünde zu zeihen als der einzigen , daß sie in der begreiflichen Ungeduld , nach langer Trennung den Vater um eine Stunde früher zu sehen , die erste Ursache zu dem für Gundi Kleesberg so übel verlaufenen Abenteuer gegeben hatte . An allem anderen war sie schuldlos . Alles andere war gekommen - sie wußte selbst nicht wie ! Knirschend fuhr der Nachen an das Ufer . Kaum hatte die Kleesberg festen Fuß unter sich , und kaum gewahrte sie die Gruppen der Schiffer und Sommergäste , da hatte sie ihre verlorene Fassung wiedergefunden . Der Seewirt , der die zum Schloß Hubertus gehörige Fischerei in Pacht hatte , kam gerannt , um den » gnädigen Damen « seine Aufwartung zu machen . Kitty reichte ihm freundlich die Hand , Gundi Kleesberg rauschte an ihm vorüber , mit dem Aplomb einer Königin , deren Würde mehr in die Breite ging als in die Höhe . Franzl schwang die Büchse auf den Rücken und wanderte davon . Bald verstummte hinter ihm der Lärm des belebten Ufers , und zwischen Haselnußstauden ging sein Weg über stille Wiesen . Ein paar hundert Schritte trennten ihn noch von seinem Haus . Nun führte der Fußweg gegen einen hohen Zaun , bei dem ein paar rohgezimmerte Stufen den Überstieg erleichterten ; und drüben lag ein schmaler , von zwei tischhohen Bretterplanken eingefaßter Pfad . Da hörte Franzl über den Zaum her eine Männerstimme - sie redete jene zweifelhafte Bauernsprache , die der Jäger manchmal in den Sennhütten von jungen Touristen zu hören bekam - und ihr erwiderte eine zornige Mädchenstimme : » Aus ' m Weg , du ! « Neugierig drückte Franzl die Haselnußzweige auseinander und gewahrte einen kniemageren Touristen , dessen Rucksack , Joppe und Lederhose an diesem Tage wohl zum erstenmal die Berge erblickt hatten ; quer in den Händen hielt er einen wahren Baum von Bergstock , mit dem er einem jungen , schmucken Mädel den schmalen Pfad verlegte . » ' s Zollheben is ' n alter Brauch , « erklärte der kühne Wegelagerer in seinem zweifelhaften Dialekt , » und drum sog i dir , du saubers Diandl , du kommst mir nit ummi , eh du nit dein Zoll zahlt hast . « » Gehst aus ' m Weg ? « » Nit um die Welt . Da müßt ich woltern erscht von dein süßen Göscherl mein Bussarl haben ! Und wann du ' s nit gern gibst - « Da griff das Mädel mit zwei gesunden Fäusten zu . » Wart , dir gib ich a Bußl , du Zibebenkramer ! « Zuerst machte der Bergstock einen Purzelbaum , dann sein Besitzer ; die morsche Bretterplanke krachte , und hinter ihr verschwand der besiegte Ritter , daß für eine kurze Weile nur noch seine frisch genagelten Schuhe zu sehen waren . Das Mädel wischte die Hände über die Hüften , näherte sich dem Überstieg , hörte das Gelächter des Jägers und gewahrte über dem Zaunrand sein braunes Gesicht mit den lustigen Augen , die in Wohlgefallen an ihr hingen . Franzl erkannte sie nicht , sie mußte eine Auswärtige sein . Das gestrickte braune Leibchen , das die Brust und die runden Arme knapp umschloß , und die weiße Halskrause - das war fremde Tracht . Aber woher auch immer , sie war in einer Luft gewachsen , die gesund und sauber macht . Und wie gut der halbverrauchte Zorn zu ihrem frischen , sonnverbrannten Gesichte stand , zu den blaugrauen Augen und der festen Stirn , über der die blonde Haarkrone sich so bedenklich verschoben hatte , daß die schweren Zöpfe zu fallen drohten . Der erste Blick , den sie auf den Jäger geworfen , war kein sonderlich freundlicher gewesen . Sie schien eine neue Wegsperre zu befürchten . Doch sein Lachen wirkte ansteckend , und sie lachte mit . » Madl ! Den hast bös auszahlt . « » Wie ' s ihm ghört hat ! So