eine Ausnahme macht . « » Glaubst du denn überhaupt und mit einer Art von Zuversicht , daß etwas Höheres aus ihm werden wird ? « » Gewiß , Mutter . Kein halbes Jahr , so kommt er in den Generalstab . Was er über Skobeleff geschrieben , hat Aufsehen gemacht . Und dann noch ein Jahr oder zwei , dann schicken sie ihn nach Petersburg , und da heiratet er , so nehme ich vorläufig an , eine Yussupoff oder eine Dolgorucka ; die haben alle wenigstens zehntausend Seelen und Bergwerke mit Diamanten . Was meinst du dazu ? Kein übler Blick in die Zukunft . Zugegeben , nicht wahr ? Aber wenn der Onkel anders wäre oder meinetwegen auch die Tante - doch von der können wir es nicht verlangen , denn sie ist bloß angeheiratet und war eine Bourgeoise , was immer schlimm ist ; du bist doch wenigstens eine Bürgerliche - , ja , dann wäre er schon da , dann wär er schon in Petersburg , und ich wäre schon attachiert und ginge mit in den Kaukasus oder nach Merw oder nach Samarkand , und all das unterbleibt oder vertagt sich wenigstens grausamerweise , bloß weil kein Vorspann da ist , weil die Goldfüchse fehlen . « » Gott , Leo , wenn man dich so hört , so sollte man glauben , du könntest alles haben , wenn sich bloß der Wind ein bißchen drehen wollte . Phantasien , Pläne , so warst du schon als kleiner Junge . « » Ja , Mutter , so muß man auch sein , wenigstens unsereiner . Wer was hat , nun ja , der kann das Leben so nehmen , wie ' s wirklich ist , der kann das sein , was sie jetzt einen Realisten nennen ; wer aber nichts hat , wer immer in einer Wüste Sahara lebt , der kann ohne Fata Morgana mit Palmen und Odalisken und all dergleichen gar nicht existieren . Fata Morgana , sag ich . Wenn es dann , wenn man näher kommt , auch nichts ist , so hat man doch eine Stunde lang gelebt und gehofft und hat wieder Courage gekriegt und watet gemütlich weiter durch den Sand . Und so sind denn die Bilder , die so trügerisch und unwirklich vor uns gaukeln , doch eigentlich ein Glück . « » Ja , die Jugend kann das und darf es auch vielleicht . Und ich will dir noch mehr zugehen : wer immer hoffen kann , und die Hoffnung ist oft besser als die Erfüllung , der hat sein Teil Freude weg . Aber trotzdem , du hoffst zuviel und arbeitest zuwenig . « » Ich arbeite wenig , das ist richtig , und ich will es nicht loben . Aber ich habe einen heiteren Sinn , und das ist schließlich besser als alles Arbeiten . Heiterkeit zieht an , Heiterkeit ist wie ein Magnet , und da denk ich , ich kriege doch auch noch was . « » Nun , ich will es dir wünschen . Und jetzt geh in die Küche und sage Friederike , daß sie dir was zum Abendbrot bringt . « Fünftes Kapitel Leo war es zufrieden , denn er hatte wirklich Hunger . Die Entenleber zu Mittag war nicht viel gewesen und die Tasse Schokolade bei Helms noch weniger . Er ging also hinaus und traf Friederike , die vor einer Küchenlampe saß und , ein an den Fuß der Lampe gestelltes Tintenfaß dicht vor sich , in ihrem Wirtschaftsbuch aufschrieb . Der aus Holz geschnitzte Federhalter , den sie nachsinnend zwischen Daumen und Zeigefinger hielt , war noch ganz neu ( wohl ein Weihnachtsgeschenk ) und schloß nach oben hin mit einem Adler ab , der aber auch eine Taube sein konnte . Soviel sich bei dem herrschenden Halbdunkel erkennen ließ , war in der Küche rundum alles in guter Ordnung und Sauberkeit , wenn auch nicht gerade blitzblank ; blitzblank war nur der in seinem Kochloch stehende Teekessel , dessen Tüllendeckel beständig klapperte . Denn immer kochendes Wasser zur Verfügung zu haben war ein eigentümlicher , zugleich klug erwogener Luxus der Poggenpuhlschen Familie , die sich dadurch in Stand gesetzt sah , jederzeit eine bescheidene Gastlichkeit üben zu können . Diese betätigte sich dann in verschiedenem . Obenan , fast schon als Spezialität , stand eine mit Hilfe von gerösteten Semmelscheiben und einer Muskatnußprise rasch herzustellende Kraftbrühe von französischen Namen , in deren Anfertigung jeder einzelne so sehr exzellierte , daß selbst Flora , wenn sie abends zu einer Plauderstunde mit herankam , unter freundlicher Ablehnung von » Aufschnitt « und dergleichen , darum zu bitten pflegte . Was auch klug war . » Ja , Friederike « , sagte jetzt Leo , als er , einen Küchenstuhl heranrückend , sich über die Lehne desselben beugte , » Mama schickt mich zu dir und hat sogar von Abendbrot gesprochen . Wie steht es eigentlich damit ? Ich habe Hunger und danke Gott für alles . Und dir auch . « » Ja , junger Herr , viel is es nich . « » Na , was denn ? « » Nun , eine Boulette von gestern mittag und ein paar eingelegte Heringe mit Dill und Gurkenscheiben . Und dann noch ein Edamer . Aber von dem Edamer is bloß noch sehr wenig . Und dann kann ich Ihnen vielleicht noch einen Tee aufgießen . Das Wasser bullert ja noch . « » Nein , Friederike , Tee nicht . Was soll man damit ? Aber das andre ist gut , und ich werde gleich hier bleiben , gleich hier in der Küche . Mama ist müd und angegriffen , und du kannst mir dann auch was von den Mädchen erzählen . Sie schreiben mir immer , Manon immer vier Seiten , aber es steht nicht viel drin . Wie geht es denn eigentlich ? « » Ja , junger Herr , wie soll es gehn ?