zu ertragen gehabt gleich anderen hübschen Mädchen , sie war anerkannt worden und blieb es auch , seit sie dem Leopold sein Weib war . Auch jetzt schien die Hanne verblüfft über die Frage , sie blickte mit scheuer Bewunderung in das reizvolle Gesicht der Freundin und beteuerte ehrlich : » Natürlich ! so schön , wie du bist , hat es ja noch keine gegeben . Heute habe ich an dich gedacht , hab gedacht , wenn ich so schön wäre wie du und gewachsen wie du , könnt ich jetzt mein Glück machen . « » So , wie denn ? « fragte die Frau und lächelte befriedigt . » Denk nur , dreißig Gulden jeden Monat zahlt , unserem Herrn ' seine Schwester , die Französin , dem Blank seine geschiedene Frau , einem schönen jungen Mädel . Weißt , sie hat das Handschuhgeschäft aufgegeben , sie hat jetzt einen Salon , wo sie Kleider machen läßt für die nobelsten Leut . Die Kleider muß eine schöne , schlanke Person anziehen , hin und her gehen , niedersetzen damit , weißt , daß es halt die noblen Damen sehen , wie das paßt . Dreißig Gulden ! Das wäre mein meistes Geld , das ich je in der Hand gehabt hätte . Und dann noch - « , die Hanne hielt inne , so rasch hatte sie gesprochen . » Und dann noch ? « wiederholte die Lene gespannt . » Noch zwei schwarze Kleider im Jahre und ein Christgeschenk und Neujahrsgeld und Trinkgelder von den Damen . « » Den ganzen Tag schöne Kleider anprobieren , bei lauter noblen Leuten sein , kein Kindergeschrei hören « , sagte die Lene mehr zu sich selbst und schaute nachsinnend auf das Mädchen , und nach einer Weile sprach sie laut , als ob sie eine lange Gedankenreihe abschließen würde : » Hätt sollen dich heiraten , der Leopold . « Zwei- , dreimal flogen dunkelrote Schatten über das blasse Gesicht der Hanne , sie zog die Ellenbogen an die Hüften und schob die Schultern hinauf , so , als ob sie ihren dürftigen Leib noch schmaler machen wollte , und als sie endlich zaghaft zu der jungen Frau aufblickte , da waren ihre großen klugen Augen voll Wasser . Behutsam griff sie nach den zarten Händchen des Kindes , schlug sich damit sachte auf die Stirn und murmelte , nur so die Worte zusammenraffend : » Hörst , Polderl - was deine - Frau Mutter - für spaßige Sachen redet ! « Das Kindchen lächelte mit jenem zerflossenen Lächeln , das sich nirgends regt , das nirgends haftet , die ausdruckslosen Augen stierten in das blasse Gesicht , und da verzogen sich plötzlich die vollen roten Lippen wirklich , und nun sah der Kleine seiner schönen Mutter ähnlich . » Und dein Bub wird genau wie du « , rief die Hanne und schaute in die Augen des Männleins , » nur die Augen , die Augen , die hat er von seinem Vater . « Der kleine Bursche krabbelte mit allen zehn Fingern über das Gesicht des Mädchens , endlich erwischte er auf ihrer Stirn ein Büschel Haare , daran klammerte er sich nun . Die Lene duselte wieder so mit halbgeschlossenen Lidern , sie blinzelte nur manchmal seitwärts hinüber auf die wehenden gestickten Falbeln der Kleider und Unterröcke . » Wer solches Zeug an sich tragen kann ! Das gibt doch gleich eine andere Form als so ein Kattunkittel da . Den ganzen Tag solche und noch weit schönere Kleider anprobieren ! « ... Der Kleine schrie gellend mitten in diese rosigen Träume . » Grüß dich Gott , Lenerl ! Servus , Kronprinz ! « rief es vom Haustor her , und der Leopold , der eben heimkam , schwenkte seinen Hut fröhlich , pfiff laut und rein den Anfang eines Volksliedes , und als er den halben Weg zurückgelegt hatte , sprang er mit großen Sätzen heran . » Bist auch da , Hanne ? So schön ! Mein Bub reißt dir alle Haare aus ; wirst das bleibenlassen , kleiner Racker ? « Er löste die Hand des Bübleins los , blickte aber dabei immer auf sein Weib , das sich nicht regte noch rührte , nur jetzt ein klein wenig den Kopf rückte , als er sie schallend küßte . » Ist ' s dir schon wieder nicht recht ? « fragte er und nahm sie am Kinn , » soll ich dir nicht Grüß Gott sagen in meiner Weis ? « » Vor alle Leut ? « » Und was weiter ? Seit wann ist die Blaue Gans so nobel worden , daß sie es nicht sehen kann , wenn sich Eheleut küssen ? « rief er , lachte gezwungen und küßte sie wieder . Die Lene drückte das Kind fester an sich , stand auf und ging langsam in der Stube auf und nieder , die Hanne schüttelte dem Leopold die Hand und schritt durch den Hof hinüber in ihre Kammer . » Sag mir nur , Weib , was du willst ? « fragte der Mann durch das Fenster hinein , als aber die Lene keine Antwort gab und nur rascher auf und nieder ging , schwang er sich über die Brüstung und stand jählings mitten in der Stube . Er schleuderte seinen Hut in eine Ecke und setzte sich an den Tisch . Es war nichts verändert in dem Gemache , nur die beiden Ehebetten waren in das dunkle hintere Ende geschoben und auseinandergerückt , weil das Wiegenbettchen des Kindes dazwischen stand . Und noch etwas fiel auf , gegenüber dem Fenster , soviel als möglich im Lichte , stand eine rohe Kiste , die mit weißem billigem Vorhangzeug überkleidet war . Auf diesem sonderbaren Putztisch lagen grellfarbige Neujahrskarten und übel aussehende Tanzorden , es standen auch ein paar schreiend bemalte Gipsfigürchen dort , und das Bild der jungen Hausfrau schaute durch ein grünliches Glas geziert und steif