verfluchte Exotismus ! Das » gewöhnliche « Leben ist ernst , schwer , traurig , elend , verworren , monströs , angenehm , lieblich , beseligend , berauschend genug . Ha ! das » gewöhnliche , « das gewöhnlichste Leben . Aber Adam hatte die Einladung Herrn Quöcks doch angenommen . » Selbst-verständlich ! « Sich so Etwas auch entgehen lassen sollen ! Ein patenter Abend : Wein , Cigarren , Scat , Souper , Weiber - da bleibe der Teufel zu Hause ! Lydia - ? Nein ! Sie reizte ihn nicht . Dieser dämliche Köder . Vielleicht eine ganz angenehme Zugabe ... eine pikante Würze - warum denn nicht - ? Also abwarten . Nur nichts erwarten . Hinterher ist man auch nicht enttäuscht . Enttäuschungen verstimmen so . Und wenn man die Karten nachher doch wieder in die Hand nimmt , in die Hand nehmen muß , sind sie mit einem Male so klebrig , so schmutzig , so ... so ... so - abgespielt eben - man weiß gar nicht - man gewöhne sich bitte ! daran , allenthalben als das Selbstverständlichste von der Welt nur Dreck , Moder , Schweiß , Staub , Koth , Schleim und andere Parfums ... zu erwarten . Handschuhe . Hm ! Handschuhe ? Handschuhe sind doch eigentlich sehr merkwürdige Dinger . Adam erinnerte sich wirklich nicht mehr , bei welcher Gelegenheit er Herrn Quöcks Bekanntschaft gemacht hatte . Ein ganz nettes Zeitweilchen war ' s immerhin doch schon her . Aber das war ja jetzt sehr schnuppe . Der » Zufall « ist ein so gediegener , ein so zuverlässiger Improvisator . - V. Es war also heute Samstag Abend um die achte Stunde . Adam Mensch hatte sich natürlich ein Paar neuer Glacés erstanden , die er mit großem Behagen , mit großer Selbstgefälligkeit über seine weißen Hände zog , als er die Treppe hinunterschritt , um gen Quöck-Heim zu wallfahrten . Der Herr Doctor trug leidenschaftlich gern Glacéhandschuhe . - Es gab viel Unrast und Bewegung in den Lüften . Die Zeit lief wieder einmal dem Kalenderfrühling in die Arme - und dabei war einiger Windrumor , verschiedentliches Stürmen und Blasen und Pfeifen unumgänglich nothwendig . Aber die Temperatur war noch kaum angelenzt . Der Wind kalt , schneidend , stechend , als wirbelte er kleine , spitze Eiskristalle durch die Luft . Es hatte am Nachmittage geregnet , und große Pfützen standen auf den Straßen . Das Pflaster hatte ein sehr schmieriges , breiiges , klebriges Gesicht aufgesteckt . Die Gasflammen zuckten nervös in ihren Glaskäfigen hin und her und spiegelten sich unruhig in den Pfützen wieder . Am Himmel war schläfrigdämmernde Mondhelle . Die Wolken zogen in großen , unförmigen Schwämmen und Schwärmen hin . Ab und zu ließ sich die eine oder andere herbei , den Mond gleichsam zu verschlingen . Und gleichsam von ihrem Magen her floß ein weißgelbes Feuer in alle ihre Glieder und durchleuchtete sie blendend von innen heraus . Adam sagte sich , daß dieser Aufruhr in der Natur ein köstliches Frühlingssymbol sei . Und doch dünkte ihn dieser stechende Stecknadelwind impertinent . Er klappte den Kragen in die Höhe und schob die frierenden Hände resignirt in die Rocktaschen . Ja ! Es gehörte ein sehr biegsamer und an ' s Pariren gewöhnter » Wille « dazu , um an dieses Frühlingssymbol glauben zu können . Adam schlug den Rockkragen wieder nieder und drückte auf den Knopf der elektrischen Klingel . Das Gaslicht lag dick auf dem gelben , funkelnden Metallschild , das den Namen » Traugott Quöck « eingravirt trug . Ein Diener öffnete . Er complimentirte den Ankömmling in den Vorsaal hinein und war ihm beim Ablegen des Ueberziehers behülflich . Dann stieß er die Thür zum Salon auf . Adam trat ein . Herr Quöck schnellte von einem Fauteuil auf und eilte seinem Gaste entgegen . » Willkommen , Herr Doctor - « » Guten Abend , Herr Quöck - « » Darf ich Ihnen meine - ich sagte ja Ihnen gestern schon - Sie werden sich erinnern - also meine Cousine - Frau Lydia Lange - vorstellen - ? « Herr Quöck deutete auf eine Dame , die im Hintergrunde des Zimmers an einem kleinen Ecktische stand und sich soeben umwandte . Ein aufgeschlagenes Album wurde jetzt sichtbar . » Herr Doctor Mensch - « Adam verneigte sich sehr ceremoniell . Die Dame nickte kurz . » Wollen Sie nicht Platz nehmen , Herr Doctor ? - « » Wenn Sie gestatten - « Adam warf sich in einen Fauteuil . Er knöpfte seine Glacé ' s auf und sah zu der Frau hinüber , die näher getreten war und jetzt am Sophatisch stand . Hm ! Frau Lange besaß allerdings Etwas , das - gewiß ! das » eigenthümlich « war , das interessiren , das unter Umständen sogar - hm ! - sogar - » Na ! nur nicht gleich so hitzig ! « bremste Adam seine schmunzelnde Zufriedenheit fest ... und gestand sich nun eine volle , die durchschnittliche Mittelgröße ein Wenig überragende Gestalt ; einen , wie die Dame so dastand , durch kleine , runde , gelenke Bewegungen mit den Armen , mit dem Kopfe , Elasticität und Geschmeidigkeit verrathenden Körperbau ; eine prachtvoll durch das Corset zu eleganter Wölbung herausgecurvte Brust ; volle , warme Arme , die durch das glatt und eng anliegende Kleid entzückend bestimmt hervortraten - einen breit und gebärtüchtig sich ausladenden Unterkörper - » allerdings ! derartige Frauen sind sehr oft unfruchtbar « - - und schließlich ein , wenn auch nicht gerade » durchgeistigtes , « so doch sehr regelmäßiges Gesicht : feine , zierliche Nase , kleiner , üppiger Mund , niedrige , weiße , von einigen zwanglos herabfallenden Ringeln des rothblonden Haars coquett überschattete Stirn - und ein Paar grauer , merkwürdig unruhiger , verzettelt sich ausgebender Augen , die einen Moment groß aufgeschlagen sind , um im nächsten wiederum halb überlidert zu