so was für Herz und Seele ... « » Gewiß , liebe Frau Dörr ; alles , was Sie wollen . Ich kann einen Tee machen oder einen Punsch , oder noch besser , ich habe ja noch das Kirschwasser , das Sie Mutter Nimptschen und mir letzten Weihnachten zu der großen Mandelstolle geschenkt haben ... « Und ehe sich Frau Dörr zwischen Punsch und Tee entscheiden konnte , war auch die Kirschwasserflasche schon da , mit Gläsern , großen und kleinen , in die sich nun jeder nach Gutdünken hineintat . Und nun ging Lene , den rußigen Herdkessel in der Hand , reihum und goß das kochsprudelnde Wasser ein . » Nicht zuviel , Leneken , nicht zuviel . Immer aufs Ganze . Wasser nimmt die Kraft . « Und im Nu füllte sich der Raum mit dem aufsteigenden Kirschmandelarom . » Ah , das hast du gut gemacht « , sagte Botho , während er aus dem Glase nippte . » Weiß es Gott , ich habe gestern nichts gehabt und heute im Club erst recht nicht , was mir so geschmeckt hätte . Hoch Lene ! Das eigentliche Verdienst in der Sache hat aber doch unsere Freundin , Frau Dörr , weil ' s ihr so geschuddert hat , und so bring ich denn gleich noch eine zweite Gesundheit aus : Frau Dörr , sie lebe hoch . « » Sie lebe hoch « , riefen alle durcheinander , und der alte Dörr schlug wieder mit seinem Knöchel ans Brett . Alle fanden , daß es ein feines Getränk sei , viel feiner als Punschextrakt , der im Sommer immer nach bittrer Zitrone schmecke , weil es meistens alte Flaschen seien , die schon , von Fastnacht an , im Ladenfenster in der grellen Sonne gestanden hätten . Kirschwasser aber , das sei was Gesundes und nie verdorben , und ehe man sich mit dem Bittermandelgift vergifte , da müßte man doch schon was Ordentliches einnehmen , wenigstens eine Flasche . Diese Bemerkung machte Frau Dörr , und der Alte , der es nicht darauf ankommen lassen wollte , vielleicht weil er diese hervorragendste Passion seiner Frau kannte , drang auf Aufbruch : » Morgen sei auch noch ein Tag . « Botho und Lene redeten zu , doch noch zu bleiben . Aber die gute Frau Dörr , die wohl wußte , » daß man zuzeiten nachgeben müsse , wenn man die Herrschaft behalten wolle « , sagte nur : » Laß , Leneken , ich kenn ihn ; er geht nu mal mit die Hühner zu Bett . « - » Nun « , sagte Botho , » wenn es beschlossen ist , ist es beschlossen . Aber dann begleiten wir die Familie Dörr bis an ihr Haus . « Und damit brachen alle auf und ließen nur die alte Frau Nimptsch zurück , die den Abgehenden freundlich und kopfnickend nachsah und dann aufstand und sich in den Großvaterstuhl setzte . Fünftes Kapitel Vor dem » Schloß « mit dem grün und rot gestrichenen Turme machten Botho und Lene halt und baten Dörr in aller Förmlichkeit um Erlaubnis , noch in den Garten gehn und eine halbe Stunde darin promenieren zu dürfen . Der Abend sei so schön . Vater Dörr brummelte , daß er sein Eigentum in keinem beßren Schutz lassen könne , worauf das junge Paar unter artigen Verbeugungen Abschied nahm und auf den Garten zuschritt . Alles war schon zur Ruh , und nur Sultan , an dem sie vorbei mußten , richtete sich hoch auf und winselte so lange , bis ihn Lene gestreichelt hatte . Dann erst kroch er wieder in seine Hütte zurück . Drinnen im Garten war alles Duft und Frische , denn , den ganzen Hauptweg hinauf , zwischen den Johannis- und Stachelbeersträuchern , standen Levkojen und Reseda , deren feiner Duft sich mit dem kräftigeren der Thymianbeete mischte . Nichts regte sich in den Bäumen , und nur Leuchtkäfer schwirrten durch die Luft . Lene hatte sich in Bothos Arm gehängt und schritt mit ihm auf das Ende des Gartens zu , wo , zwischen zwei Silberpappeln , eine Bank stand . » Wollen wir uns setzen ? « » Nein « , sagte Lene , » nicht jetzt « , und bog in einen Seitenweg ein , dessen hochstehende Himbeerbüsche fast über den Gartenzaun hinauswuchsen . » Ich gehe so gern an deinem Arm . Erzähle mir etwas . Aber etwas recht Hübsches . Oder frage . « » Gut . Ist es dir recht , wenn ich mit den Dörrs anfange ? « » Meinetwegen . « » Ein sonderbares Paar . Und dabei , glaub ich , glücklich . Er muß tun , was sie will , und ist doch um vieles klüger . « » Ja « , sagte Lene , » klüger ist er , aber auch geizig und hartherzig , und das macht ihn gefügig , weil er beständig ein schlechtes Gewissen hat . Sie sieht ihm scharf auf die Finger und leidet es nicht , wenn er jemand übervorteilen will . Und das ist es , wovor er Furcht hat und was ihn nachgiebig macht . « » Und weiter nichts ? « » Vielleicht auch noch Liebe , so sonderbar es klingt . Das heißt Liebe von seiner Seite . Denn trotz seiner sechsundfünfzig oder mehr ist er noch wie vernarrt in seine Frau , und bloß weil sie so groß ist . Beide haben mir die wunderlichsten Geständnisse darüber gemacht . Ich bekenne dir offen , mein Geschmack wäre sie nicht . « » Da hast du aber unrecht , Lene ; sie macht eine Figur . « » Ja « , lachte Lene , » sie macht eine Figur , aber sie hat keine . Siehst du denn gar nicht , daß ihr die Hüften eine Handbreit zu hoch sitzen ? Aber so was seht ihr nicht , und Figur und stattlich ist immer euer