dem Neste und hält die Augen in unaussprechlicher Angst auf einen Feind gerichtet , der sich schräg durch die jungen Halme anschleicht . Unhörbar , bedrohlich , grau - eine Katze ist ' s. Pavel sieht sie jetzt ganz nah dem Neste stehen ; sie leckt den lippenlosen Mund , krümmt sich wie ein Bogen und schickt sich an zum Sprung auf ihre Beute . Ein Flügelschlag , und der Vogel wäre der Gefahr entrückt ; aber er rührt sich nicht . Pavel hatte über der Besorgnis um das Dasein des kleinen Wesens alle seine Selbstmordgedanken vergessen ; - So flieg , du dummes Tier ! dachte er . Aber statt zu entfliehen , duckte sich das Rebhuhn , suchte sein Nest noch fester zu umschließen und verfolgte mit den dunklen Äuglein jede Bewegung der Angreiferin . Pavel hatte eine Scholle vom Boden gelöst , sprang plötzlich auf und schleuderte sie so wuchtig der Katze an den Kopf , daß sie sich um ihre eigene Achse drehte und geblendet und niesend davonsprang . Der Bursche sah ihr nach ; ihm war weh und wohl zumute . Er hatte einen großen Schmerz erfahren und eine gute Tat getan . Unmittelbar nachdem er sich elend , verlassen und reif zum Sterben gefühlt , dämmerte etwas wie das Bewußtsein einer Macht in ihm auf ... einer anderen , einer höheren als derjenigen , die seine starken Arme und sein finsterer Trotz ihm oft verliehen . Was war das für eine Macht ? Unklar tauchte diese Frage aus der lichtlosen Welt seiner Vorstellungen , und er verfiel in ein ihm bisher fremdes , mühevolles und doch süßes Nachsinnen . Ein lauter Ruf : » Pavel , Pavel , komm her , Pavel ! « weckte ihn . Auf der Straße stand der Herr Lehrer , den einer seiner beliebten Nachmittagsspaziergänge bis hieher geführt hatte und der seit einiger Zeit den Jungen beobachtete . Er trug einen Knotenstock in der Hand und versteckte ihn rasch hinter seinem Rücken , als Pavel sich näherte . » Du Unglücksbub , was treibst du ? « fragte er . » Ich glaube , du nimmst Rebhühnernester aus ? « Pavel schwieg , wie er einem falschen Verdacht gegenüber immer pflegte , und der Schulmeister drohte ihm : » Ärgere mich nicht , antworte ... Antworte , rat ich dir ! « Und als der Bursche in seiner Stummheit verharrte , hob der Lehrer plötzlich den Stock und führte einen Schlag nach Pavel , dem dieser nicht auswich und den er ohne Zucken hinnahm . Im Herzen Habrechts regten sich sofort Mitleid und Reue . » Pavel « , sagte er sanft und traurig , » um Gottes willen , ich hör nur Schlimmes von dir - du bist auf einem schlechten Weg ; was soll aus dir werden ? « Diese Anrufung rührte den Buben nicht , im Gegenteil : eine tüchtige Dosis Geringschätzung mischte sich seinem Hasse gegen den alten Hexenmeister bei , der ihn betrogen hatte . » Was soll aus dir werden ? « wiederholte der Lehrer . Pavel streckte sich , stemmte die Hände in die Seiten und sagte : » Ein Dieb . « 5 Die Frau Baronin kam noch am Abend desselben Tages nach Hause , aber allein . Ihre Fahrten nach der Stadt wiederholten sich jede Woche den ganzen Sommer hindurch , und man wußte bald im Dorfe , daß ihre Besuche dem Kloster der frommen Schwestern galten , mit deren Oberin sie sehr befreundet war und denen sie die kleine Milada zur Erziehung anvertraut hatte . Das Institut stand in hohen Ehren , und als Pavel hörte , daß seine Schwester dort untergebracht war , durchströmte ihn ein Gefühl von Glück und Stolz und von Dankbarkeit gegen die Frau Baronin . Er widerstand auch einige Zeit lang den Aufforderungen Vinskas und der eigenen Lust , Raubzüge in den herrschaftlichen Wald zu unternehmen . Nur eine Zeitlang . Seitdem der alte Förster pensioniert und sein Sohn an dessen Stelle gekommen , war der Eintritt in den Wald jedem Unbefugten ein für allemal verboten worden . Das neue Gesetz machte böses Blut und reizte gewaltig zu Übertretungen . Es bildete sich eine Bande von Buben und Mädeln , lauter Häuslerkindern , deren Führerschaft Pavel übernahm wie ein natürliches Recht . In kleinen Gruppen wanderten sie hinaus , lustig , kühn und schlau . Sie kannten die Schlupfwinkel und gedeckten Stege besser als selbst die Heger und gingen mit köstlichem Gruseln ihren Abenteuern entgegen , die nur auf zweierlei Weise enden konnten . Entweder glücklich heimkehren , das gestohlene Holz auf dem Rücken , mit der Aussicht auf Lob und ein warmes Abendessen , oder erwischt werden und Prügel kriegen , an Ort und Stelle wegen Dieberei und daheim , weil man sich hatte erwischen lassen . Das letztere Schicksal traf selten einen anderen als Pavel , dem es oblag , den Rückzug zu decken , und den man immer im Stiche ließ , weil man seiner Verschwiegenheit sicher war . Der Pavel verriet keinen , und hätte er es getan , dem schlechten Buben würde man nicht geglaubt haben . Sein Ruf verschlimmerte sich von Tag zu Tag . Fand sich im Walde irgendeine böswillige Beschädigung vor , sie war sein Werk . Entdeckte man eine Schlinge , er hatte sie gelegt ; fehlten Hühner , Kartoffeln , Birnen , er hatte sie gestohlen . Trat ihn jemand an und drohte ihm , dann stellte er sich und starrte ihm stumm ins Gesicht . Die alten Leute schimpften ihn nicht einmal mehr ; er wäre imstande , meinten sie , einem Steine nachzuwerfen aus dem Busch . So schwarz erschien er mit der Zeit , daß die Familie Virgil förmlich in Unschuld schimmerte im Gegensatz zu ihm . Daß Pavel hundert Hände und die Kraft eines Riesen hätte haben müssen , um die zahllosen Schelmenstreiche , die ihm zugeschrieben wurden , wirklich auszuführen , überlegten seine Mitbürger nicht ; er aber kam