Erde brachte . Himmel und Erde schienen mir neugeboren , wie ich es war . Ich ging hinaus zu meinen alten Lieblingsplätzen . Die längstvergangnen Stunden , die Stunden des Erwachens , wo der Knabe dasaß in dunklem Sehnen , und nicht wußte , was es war , als die Fittige der jungen Seele sich regten , wo zum ersten Male tiefer atmend die Brust sich hob , und das Auge nun nicht mehr so gerne verweilte an dem , was nahe war , und lieber nach der blauen geheimnisvollen Ferne sich richtete , die ahndungsvollen Stunden des Erwachens dämmerten wieder auf in mir . Damals , dacht ich , weissagtest du dir diesen Frühling ! o damals sahst du hinaus in die beßre Welt , die dich itzt umgibt ! Ich dünkte mir nun so reich und stark . Mein Innerstes war so befriedigt . Es gab für mich in der Welt nichts Feindliches mehr . Meine Insel hatt ich nun auch recht lieb gewonnen . Mit innigem Wohlgefallen sah ich hinab auf ihre grünen Ufer , wo die Wellchen unschädlich um die Myrtengebüsche spielten , und wie das friedliche San-Nicolo mit seinen Blütenwäldern aus dem Morgendufte sein rötlich Haupt erhub , und die Fenster an Notaras Hause glühten , und der Rauch aufstieg von seinem Herde ; bald sah ich , wie die Türe sich öffnete , die in den Garten führte , und Diotima die Marmortreppen hinunterging ; ich erkannte sie an der hohen schlanken Gestalt , und dem purpurnen Oberkleide , das um den weißen Leibrock flog . Wie mein Auge an diesen Farben sich weidete ! Es ist nichts , was sich nicht in der Nähe eines solchen Geschöpfs beseelte , für einen Sinn , wie der meinige war . Nach einer Weile Notara begleitete sie und die Mutter war im Hause beschäftiget . Diotima ging allein umher unter den Blumen . Es schien ihr etwas widerfahren zu sein . Der Schmerz auf ihren Lippen ging mir durch die Seele , so mild er schien . Wir gingen eine Weile schweigend auf und nieder . Mich verfolgt ein bittrer Gedanke , rief sie endlich , ich wag es kaum , ihn zu sagen , und kann doch von ihm nicht ablassen . Schon manchmal hat er sich mir aufgedrungen , auch heute wieder . Ist es dann wahr - je mehr Menschen , je weniger Freude ? - O wie oft ich das fühlen mußte ! rief ich , wie oft - es ist unbegreiflich , wie man des Zusammenlaufens nicht müde wird ! - Als wüßtest du nicht , erwiderte Diotima , daß der bunteste Wechsel diesen Menschen das Beste dünkt , und diesen finden sie doch untereinander - ihr bunter uneiniger Wechsel , fuhr ich fort , der ist gerade die wahre Gestalt des Übels ; ich mag es nicht nachempfinden , wie er mich oft verwirrte , und verzerrte , wie in dem Kriege , den man unter der Larve des Friedens führt , wo man immer das , woran das eigne Herz hängt , vor fremden Pfeilen sichern , wo man so ängstlich jede unschuldige Blöße verhüllen muß , wo der andere bei aller Ruh und Freundlichkeit , die er zeigt , doch mißtrauisch jede Bewegung belauert , ob sie nicht für Feindesanfall gelte , wie in diesem kleinen schlechten Kriege die Kräfte so heillos zu Grunde gehn ; nein ! es ist eine unerhörte Ungereimtheit ! sie bieten allem auf , um zusammenzusein , und dann , wann sie zusammen sind , strengen sie mit aller erdenklichen Mühe sich an , um einsam zu sein im eigentlichen Sinne , sie öffnen die Türe und verschließen ihr Herz - dem Himmel sei Dank , daß ich los bin ! Das betrübt mich eben , daß es rätlicher scheint , für sich zu leben , fuhr Diotima fort ; ich trage ein Bild der Geselligkeit in der Seele ; guter Gott ! wie viel schöner ists nach diesem Bilde , zusammen zu sein , als einsam ! Wenn man nur solcher Dinge sich freute , denk ich oft , nur solcher , die jedem Menschenherzen lieb und teuer sind , wenn das Heilige , das in allen ist , sich mitteilte durch Rede und Bild und Gesang , wenn in Einer Wahrheit sich alle Gemüter vereinigten , in Einer Schönheit sich alle wiedererkennten , ach ! wenn man so Hand in Hand hinaneilte in die Arme des Unendlichen - O Diotima , rief ich , wenn ich wüßte , wo sie wäre , diese göttliche Gemeinde , noch heute wollt ich den Wanderstab ergreifen , mit Adlerseile wollt ich mich flüchten in die Heimat unsers Herzens ! Oft leb ich unter ihr im Geiste , fuhr Diotima fort , und mir ist , als wär ich ferne in einer andern Welt , und ich entbehre der gegenwärtigen so leicht ; - wir singen andre Lieder , wir feiern neue Feste , die Feste der Heiligen in allen Zeiten und Orten , der Heroen des Morgen- und Abendlands ; da wählt jedes einen aus , der seinem Herzen , seinem Leben am nächsten ist , und nennt ihn , und der herrliche Tote tritt mitten unter uns in der Glorie seiner Taten , auch wer , geschäftig am stillen Herde , mit reinem Sinne das seine tat , wird nie von uns vergessen , und Kronen blühn für jede Tugend ; und wenn auf unsern Wiesen die goldne Blume glänzt , in seiner bläulichen Blüte das Ährenfeld uns umrauscht , und am heißen Berge die Traube schwillt , dann freun wir uns der lieben Erde , daß sie noch immer ihr friedlich schönes Leben lebt , und die sie bauen , singen von ihr , wie von einer freundlichen Gespielin ; auch sie lieben wir alle , die Ewigjugendliche , die Mutter des Frühlings , willkommen , herrliche Schwester ! rufen wir aus der Fülle unsers Herzens , wenn sie herauf kömmt zu