sie wie eine Rasende umherzutollen . Sie wollte noch spielen , wollte tanzen , wollte sich nicht auskleiden lassen , entwischte kreischend dem Stubenmädchen , das ihr nachrannte , und wurde in diesem Getreibe durch Francine unterstützt , die an der Tür stand mit ihrer Nachtlampe in der Hand und sich krümmte vor Lachen . Ich machte zuletzt der Komödie ein Ende , indem ich meine wilde Hummel einfing und selbst ihre Toilette besorgte . Die Bonne erschwerte mir die Aufgabe und begann immer von neuem mit Anka zu scherzen . Zuletzt gelang es mir aber doch , die Kleine zu beruhigen , und als ihr Kopf auf dem Kissen lag , da schlief sie auch schon . Klug wäre es nun gewesen , mit der Bonne , die sich noch immer in der Nähe hielt und mich zu beobachten und auf etwas zu warten schien , nicht mehr zu sprechen ; doch war die Angst , von der ich gepeinigt wurde , zu unerträglich und die Art und Weise der Französin zu herausfordernd . Voll Entrüstung sagte ich , daß ihre Lustigkeit mich staunen mache . Warum , erwiderte sie , ich habe ja keinen Grund , mich zu kränken . Ihr lederfarbenes Gesicht , das einst schön gewesen sein mochte , und ihre schwarzen Augen drückten eitel Bosheit aus , sie erging sich in Andeutungen und halben Worten , die ich nicht verstand . Plötzlich nahm sie eine freche Protektormiene an und raunte mir zu : Seien Sie ruhig . Ihr Vogel hat zwar keine Flügel , kann aber doch fliegen . Wer denn mein Vogel sei , fragte ich . Aber sie wollte mir nicht Rede stehen , erhob ihr widerwärtiges Gekicher und lief davon . In dieser Nacht habe ich wenig geschlafen , das weiß Gott ! Sie eröffnete den Reigen der weißen Nächte , wie die Franzosen sagen , die mir in nächster Zukunft bevorstanden . Am folgenden Morgen , als ich mit Anka auf dem Wege zur Einsiedelei an dem Balkon vorüberkam , sah ich aufmerksam zu ihm hinauf und bemerkte , daß er von einem ziemlich breiten Mauervorsprung umgeben war , auf dem es sich allenfalls wegschreiten ließ . Aber von ihm aus wohin ? Sich in die Blumen fallen lassen , die in weiches Erdreich dicht um das Haus gepflanzt waren , hätte sichtbare Verheerungen angestellt . Auf den harten Kiesweg herunterspringen von der Höhe des ersten Geschosses , wäre kaum ohne Beinbruch abgegangen ; und im Sprung den Weg übersetzen und den Rasen erreichen - das schien unmöglich . So dachte ich und - stand im selben Augenblick vor zwei Fußstapfen , die , wie mit dem Prägstock eingeschlagen , am äußersten Rande des Grases sichtbar waren . Unheilvoll sichtbar , denn es hatte in der Nacht geregnet , und die beiden Vertiefungen bildeten ein paar kleine Wasserreservoirs . Ich beeilte mich , diese verräterischen Zeichen mit dem Stocke meines Sonnenschirmes zu verwischen . Erst als es vollkommen gelungen war , folgte ich Anka nach , die vorausgelaufen war und mir zurief , sie zu haschen . Als wir den Grafen Stephan das nächstemal auf unserer Waldpromenade von weitem auf uns zukommen sahen , durchschauerte es mich , als ob ich ein giftiges Gewürm erblickt hätte , und ich sagte Anka , daß wir versuchen wollten , dem Onkel auszuweichen ; es sollte ihm nicht gelingen , uns zu entdecken . Das war nun etwas für die Kleine ! Da glänzten ihr die Augen vor Vergnügen , und sie entfaltete an dem und an folgenden Tagen die Pfiffigkeit und den Spürsinn eines Indianers . Wir sahen den Grafen Stephan von einem Hügel aus in einer Lichtung zu unsern Füßen jeden Heger und Jäger , dem er begegnete , anhalten , offenbar , um nach uns zu fragen . Wir sahen ihn aus unserm Versteck hinter einem Felsstück oder einem Gebüsch ratlos vorübereilen , hörten ihn fluchen und rufen , rührten uns nicht , und während er tiefer in den Wald drang , schritten wir dem Hause zu . Dieses Spiel konnte nicht lange fortgesetzt werden . Es war eine zu reiche Quelle der Schadenfreude für Anka . Ich dachte schon daran , ihm durch das Aufgeben unserer Spaziergänge überhaupt ein Ende zu machen , als eben jenes Ereignis eintrat , bis zu dem ich vorhin meine Geschichte geführt habe . An einem Vormittage war es . Wir hatten unsere Lektionen beendet . Anka machte sich in dem Puppengärtchen zu tun , das wir unter einer Ulmengruppe in der Nähe der Einsiedelei angelegt hatten ; ich war mit dem Ordnen der Lehrsachen beschäftigt - da stand plötzlich Graf Stephan vor mir . Grausame ! sagte er leise im weichsten Molltone und sah mich mit dem allertraurigsten seiner Blicke an . Er hatte uns um diese Zeit und an diesem Orte noch nie aufgesucht , mein Schrecken über sein unerwartetes Erscheinen war im Anfang nicht gering , wurde aber bald durch die Empörung überwogen , die in mir aufstieg , als der junge Herr zu klagen begann , sein höchstes Glück sei ihm geraubt , er fühle sich elend , seitdem es ihm nicht mehr vergönnt sei , mich zu sehen , den Laut meiner Stimme zu hören und so weiter ! Statt aller Antwort wandte ich mich und rief nach Anka . Da schrie der Graf laut auf , daß ich ihn mißhandle , daß er nicht verdiene , so gequält zu werden . - In dem Augenblick , in dem er begann die Stimme zu erheben , hörte ich die Glocke in der Einsiedelei anschlagen und dachte , Anka sei eingetreten , um , wie sie pflegte , den Turm zu ersteigen und in ungeduldiger Erwartung des Mittagessens nach Freund Peterl auszuspähen . Ich rief nochmals und nochmals - aber sie ... sah mich vermutlich , sah meine Ungeduld , hatte ihre Freude daran und antwortete um keinen Preis . Mir war abscheulich zumute in meinem Ärger über diesen Kobold von