blonden Gesellen ein Weilchen nachdenklich an . Ihm gefielen seine fröhlichen blauen Augen und die sorglose Sicherheit , das muntere Selbstvertrauen , mit denen er sich auf die Reise durchs Leben zu begeben schien . Schweigend holte der alte Mann einige schöne Exemplare aus der Sammlung herbei und begann die Eigentümlichkeiten und Vorzüge derselben mit der Wärme eines Liebhabers auseinanderzusetzen . Halwig unterbrach ihn anfangs sehr oft ; er konnte die Scherze nicht unterdrücken , die ihm alle Augenblicke auf die Lippen traten . Allmählich jedoch wurde er still . Das herablassende und oberflächliche Interesse , das er für einige » Favoritinnen aus dem Uhrenharem « gezeigt , verwandelte sich in ein gespanntes . Den Kopf in die Hand gestützt , sah er bald die Uhren auf dem Tische , bald den Meister , zuletzt nur noch diesen an , und dabei erhellte der Ausdruck einer so innigen Freude und Verehrung seine Züge , daß Feßler dachte : Dem Burschen könnt ich gut sein - trotz des Leichtsinns , mit dem er vorgab , eine Emmery verkaufen zu wollen . Der Bursche aber richtete sich plötzlich auf . » Was für Augen haben Sie ! « rief er , » was Ihnen ein Rädchen , eine Spindel , ein Ornament , ein Stückchen Email nicht alles erzählen ! Was für Augen und was für ein Herz ... Sie sind ein Künstler ! ... « Er deutete nach dem Schranke , dem Feßler die Uhren entnommen . » Das Kästchen dort ist für Sie , was für einen Poeten ein Schrein voll der köstlichsten Werke großer Dichter , die vor ihm gelebt . Eine schweigende , tote Welt , die ein Blick zum Dasein erweckt , zu einem mächtigern , schönern Dasein als das sogenannte wirkliche ... Ein Blick - ein sehender , der Blick des Verständnisses muß es sein ... Nicht wahr , lieber Meister ? - Verständnis ist alles - Weisheit , Liebe , Poesie ... Nach dem allein haben wir zu ringen , die wir uns einbilden , Dichter zu sein ... An Stoffen fehlt ' s , höre ich die Leute sagen . - Begreife das Begreifbare , und aus allem , was dich umgibt , dringt die Fülle bildsamen Stoffes auf dich ein , und wenn es dir an etwas fehlt , so ist ' s an Kraft , die wogenden Quellen zu fassen und sie zu leiten an ein gewolltes Ziel ! « Er sprang auf , ergriff die Hand Feßlers , nannte ihn einen edlen , einen seltenen , einen herrlichen Mann und verabschiedete sich mit der Bitte , recht bald wiederkommen zu dürfen . Und er kam wieder , kam täglich , ganze Wochen hindurch , und wenn er ja einmal ausblieb , bedauerte dies niemand mehr als Feßler . Lotti sprach überhaupt nicht von ihm , vermied es sogar , seinen Namen zu nennen , und was Gottfried betraf , der meinte , es sei nicht übel , zwölf Stunden lang Ruhe zu haben in der Werkstatt . Er leugnete nicht , daß Halwig eine große Unterhaltungsgabe besitze , allein für seinen Geschmack machte » der Poet « einen gar zu häufigen Gebrauch davon . » Wenn ich am Sonntag Unterhaltung habe , ist mir ' s genug , täglich Unterhaltung ist mir zuviel « , sagte er und bewies es , indem er begann , das Haus zu den Stunden zu verlassen , in denen Halwig es zu besuchen pflegte . Dieser zeigte sich darüber gekränkt . Er war nicht gewöhnt , gemieden zu werden ; er tat sich etwas zugute auf die Macht , die ihm über die Gemüter der Menschen gegeben war . Keiner , um dessen Neigung er sich beworben , hatte ihm widerstanden , er hatte immer gehört und geglaubt , daß man ihn liebhaben müsse , wenn er es darauf angelegt . Bitter beklagte er sich bei Lotti über die Steifheit und Kälte ihres Vetters , versicherte , trotzig wie ein verwöhntes Kind , er werfe seine Freundschaft niemandem an den Kopf , und wenn Gottfried ihn hasse , so zahle er ihn mit gleicher Münze . Sobald sich jener aber blicken ließ , kam er ihm wieder mit der alten und - darüber konnte kein Zweifel sein - aufrichtigen Wärme entgegen . Er bemühte sich , sein Interesse zu erwecken , ihm Teilnahme einzuflößen , er warb förmlich um ihn . Alle liebenswürdigen Eigenschaften seines beweglichen , frischen , herzgewinnenden Wesens kamen dabei zum Vorschein , rührten aber denjenigen nicht , dem zu Ehren sie sich in ihrem vollsten Glanze zeigten . Eines Tages war Gottfried , mit einer dringenden Arbeit beschäftigt , von früh bis abends daheim geblieben und hatte im Eifer seines Fleißes die Stunde versäumt , zu welcher er jetzt regelmäßig seinen Rückzug vor dem » Luxusartikel « , wie er Halwig nannte , anzutreten pflegte . Zum Bewußtsein der Zeit wurde er durch Lotti gebracht , die eine Lampe auf den Tisch stellte und ihn mahnte , Feierabend zu machen . » Ist es denn so spät ? « fragte er . » Spät und nicht mehr hell , du verdirbst dir die Augen . « » Was liegt daran ? - Was liegt an mir ? « sprach er halblaut vor sich hin , wie einer , der , plötzlich geweckt , aus dem Schlafe redet . Er stöhnte schmerzlich auf und preßte beide Hände gegen die Stirn . Lotti wurde feuerrot ; schweigend , mit einer Gebärde der Mißbilligung wandte sie sich ab . Der Vater hatte seine allabendliche Zimmerpromenade unterbrochen , war vor Gottfried stehengeblieben und fragte , was ihm fehle . » Nichts « , erhielt er zur Antwort , » nur die Augen sind mir ein wenig müde geworden . « » Gönn dir Ruhe « , sagte Feßler , » mach es mir nach , ich spaziere schon lange müßig auf und ab und hätte ganz gut noch eine Weile schaffen können - die Tage