anschau ' - richtig ist er ' s. Aber ich tu ' nichts dergleichen ; will er nicht erkannt sein , so weiß Mendele Kowner , was sich schickt . Nur wie er sein Gläschen hebt , heb ' ich das meine und sag ' : Ihr Herr Emprör soll bis zu hundert Jahr leben ! - Ich danke ! sagt er freundlich . Ha , denk ' ich , jetzt hab ' ich dich , und frag ' : Warum danken Sie ? Er wird verlegen . Weil ich auch ein Franzose bin , sagt er . Du aber bist wohl ein Jude ? ! - Kunststück , daß Sie es erraten ! sag ' ich . Ein Kaftan und Wangenlöckchen , ein Spanier werd ' ich sein ! Und so kommen wir ins Gespräch , und ich erzähl ' dies und das , und er lacht . Mir scheint , sagt er , du bist ein gescheiter Mensch . Was denkst du denn über den Krieg ? - Fragen Sie Ihren Emprör , sag ' ich , der ist noch gescheiter . - Lacht er : Schmeichler ! Du weißt doch , daß ich ' s bin ! Also wie soll ich den Krieg führen ? - Schnell ! sag ' ich . Besseres kann ich Ihnen nicht raten . So schnell wie möglich . Sonst kommt der Winter , und das sind die Russen gewohnt , aber Sie nicht ! - Mendele , sagt er , du hast recht ! Meine Generale denken anders , aber ich bin deiner Meinung . So schnell wie möglich marschier ' ich nach Petersburg ! - Um Gottes willen ! schrei ' ich , Herr Emprör , das wär ' eine Dummheit ! Erstens ist dort das Meer nahe - ein bißchen zu weit links und alle Ihre Soldaten fallen hinein ! Und dann ist ja dort sehr kalt ! - Also nach Moskau ! - Auch nicht ! Auch zu kalt ! Hinunter nach Kiew , nach Odessa ! Davon will er aber nichts hören , ich rede und rede , er bleibt bei Moskau . Gut , sag ' ich . Bin ich der Emprör ? ! Aber was dabei herauskommt , werden Sie schon sehen ! - Du auch ! sagt er und packt mich an der Hand . - Wieso ? sag ' ich . - Weil du mitgehst , Mendele ! Ohne dich will ich nicht nach Rußland . So einen eisernen Kopf wie du kann ich brauchen ! Komm mit ! Geht es gut aus , schenk ' ich dir einen Zentner Diamanten , geht es schlecht aus , so kann es für Mendele Kowner doch nur eine Ehre sein , mit mir , dem großen Napoleon , kapore ( zu Grunde ) zu gehen . Und bittet und bittet , bis ich nachgeb ' . « So kam Mendele Kowner mit Napoleon nach Rußland . Leider trübte sich die freundschaftliche Beziehung durch den Eigensinn des Kaisers , wohl auch durch seine Eifersucht auf Mendeles militärisches Genie . Nahe vor Moskau nämlich riet Mendele , sofort zehntausend Feuerspritzen zu bauen und in die Stadt mitzunehmen . » Denn « , meinte er sehr scharfsichtig , » sonst zünden die Russen Moskau an und wir können nicht löschen , und was haben wir von Moskau , wenn es verbrannt ist ? ! Gnädiger Herr Kaiser , hören Sie auf den Kowner , Sie wissen , er ist nicht dumm ! - wo werden Sie sonst überwintern ? ! « Aber man weiß ja , daß die zehntausend Feuerspritzen nicht mitgenommen wurden und daß Moskau in Flammen aufging , und daraufhin sah der kluge Mendele auch alles andere voraus und sagte dem Kaiser : » An der Beresina wird es Ihnen schlecht gehen , ich rate Ihnen , marschieren Sie lieber auf einer anderen Straße - aber was nützt mein Reden ! Leider tun Sie ja doch , was Sie wollen ! Ich aber will nicht mehr dabei sein , denn so ein Unglück , wie Sie es an der Beresina erleben werden , hat die Welt noch nie gesehen , und wenn es auch für mich eine Ehre wäre , mit Ihnen kapore zu gehen , ein Vergnügen wäre es nicht ! Also , adjes , Herr Emprör , und nichts für ungut ! « Dabei blieb es auch , obwohl ihn Napoleon durch Geschenke festzuhalten suchte und dann , als alles fruchtlos war , ihm zwar den Rücken zuwandte , aber doch hörbar schluchzte . Mendele ging und gelangte , wenn auch auf Umwegen , mit heilen Gliedern in die Heimat zurück . Die Erzählung entsprach im allgemeinen der Wahrheit , nur waren einige unbedeutende Einzelheiten doch nicht ganz genau wiedergegeben . Die Begegnung in der Schenke vor Warschau hatte wirklich stattgefunden , nur war es nicht Napoleon selbst gewesen , der Gefallen an dem lustigen Burschen gefunden und ihn zum Mitgehen bewogen , sondern ein jüdischer Sergeant aus dem Elsaß , Maurice Ettelmann aus Colmar . Auch hatte Maurice wirklich bitten müssen , bis sich Mendele dazu entschloß , denn so leichtfertig der Junge war , wollte er die Eltern doch nicht länger entbehren . Aber in Kowno erwarteten ihn nur Prügel , vielleicht sogar eine verschlossene Türe , die sich trotz allen Flehens nie wieder öffnete - hier lockte ein fremdes lustiges Leben ; so neben dem Sergeanten in eine Stadt einzuziehen , von allen Juden bewundert und gefürchtet als einer , der mit zur großen Armee gehörte , das war doch etwas anderes , als wenn er als » Bocher « bescheiden an die Tür der Reichen klopfte . Mendele ging mit , als Dolmetsch , Schalksnarr und Marketender zugleich ; er erlebte wirklich den Brand von Moskau , entging auch tatsächlich dem Unglück an der Beresina , aber nur , weil das Regiment , dem er sich angeschlossen , schon früher zurückgesendet worden war . Auch hatte er ' s in