er mit schnellem Griff den altmodischen Eckschrank , der den Blechkasten mit Geld und Papieren enthielt . Jetzt nur noch der letzte Schritt - dann war die Reise gesichert . Er schlich zum Küchenfenster und blickte vorsichtig hinaus in den offenen Stall . Die Mutter begann erst ihre Arbeit , nachdem sie das Tier mit frischem Futter versorgt hatte ; sie rückte gerade jetzt den kleinen , kreiselförmigen Bock zurecht . Warum sollte sie sich auch beeilen , wie hätte sie denken können , daß ihr einziges Kind im Begriff war , die Kasse des Vaters zu erbrechen ! Da erschien plötzlich am Zaun das blasse Gesicht des Seilers . Georg winkte leicht mit der Rechten . Robert nickte errötend . Schnell entschlossen eilte er in das Wohnzimmer , öffnete den Kasten und griff hinein . Seine Sparbüchse stand auch darin - wie schwer fühlte sie sich an ! - aber das war zu weitläufig , er hatte keine Zeit zu verlieren . » Ob ich diese Taler nehme oder die « , dachte er , » das ist ja gleich . Eins - zwei - drei - « Die Münzen klirrten in seiner zitternden Hand , er gab daher das Zählen auf und griff nur noch einmal hinein , dann schloß er den Kasten . Das Geraubte war schnell in der Tasche verborgen . Robert war nur bei halbem Bewußtsein ; er handelte wie im Traum ohne viel zu überlegen . Pfeifend schlenderte er in den Hof , wo immer noch der Seiler am Zaun stand , und winkte hinüber . » Komm ! « flüsterte er . Georg verschwand und erschien in der nächsten Minute an einer Lücke hinter dem Hühnerstall . » Schnell « , raunte Robert , ihm die gestohlenen Taler zusteckend , » da , bei mir könnte es gefunden werden . « Der Seiler versteckte mit der größten Geschwindigkeit , was ihm sein junger Freund reichte . » Wieviel ist es ? « fragte er . » Das weiß ich nicht , aber genug wird es sein , auch zu einem Paar Stiefel für dich . Kauf dir welche und komm später wieder hierher . « Der Seiler nickte nur , dann verschwand er geräuschlos , während Robert sich am Hühnerstall zu schaffen machte . Als nach einiger Zeit die Mutter zu ihm kam , erschrak sie über sein blasses Gesicht . » Fehlt dir etwas ? « war die bange Frage . Robert wußte kaum , was er antwortete . » Ich habe Kopfschmerzen « , sagte er . » Leg dich ins Bett , Kind « , ermahnte die besorgte Frau . » Der Vater läßt dich zuviel sitzen « , fuhr sie fort , » du hast nicht genug Bewegung . « Robert ergriff die gute Gelegenheit . » Das ist es ja gerade , Mutter « , schmeichelte er , » und darum fühle ich mich auch nicht mehr so wohl wie früher . Ach , wenn du mir einen rechten Gefallen tun wolltest - - - « Er zögerte absichtlich und sah nur mit seinen fieberhaft glänzenden Augen in das Gesicht der Mutter . » Aber du erlaubst es doch nicht « , fügte er hinzu . » Nun « , lächelte die alte Frau , » erst laß einmal hören , was du auf dem Herzen hast . « » Nur ganz wenig « , bat der Junge , » einen einzigen freien Tag , - morgen . Was mir der Vater zu tun hingelegt hat , das mache ich fertig , du kannst es mir glauben . « Die Alte schüttelte den Kopf . » Wieder den ganzen Tag auf dem Wasser liegen , nicht wahr ? Das geht nicht , Junge . Was sollte ich dem Vater sagen , wenn ein Unglück geschieht ? « » Ich denke nicht an den Mühlenteich « , rief Robert hastig . » Nur ein bißchen herumstreifen wollte ich , weiter nichts . « » Auch nicht mit dem Kahn des Holzhändlers fahren ? « forschte die Mutter . » Ganz bestimmt nicht . « » Nun , dann lauf . Mußt aber abends zurück sein , das sage ich dir . « Wer war froher als Robert ? Kaum ließ er sich Zeit , dem Seiler noch durch die Hecke ein paar Worte zuzuflüstern , dann ging es an die Vorbereitungen zur Reise . Die Stiefel blank gebürstet , den Konfirmationsanzug von jedem Stäubchen gesäubert und das weißeste Hemd hervorgesucht , - auch das Taschentuch durfte nicht vergessen werden . Aber einen Stich durchs Herz gab es ihm doch , als er die Mutter an dem wenigen Wirtschaftsgeld zählen und rechnen sah , bis sie ihm endlich vier Groschen in die Hand drückte . » Da , mein Junge « , sagte sie gutmütig lächelnd , » und kauf dir etwas dafür . Ich komme schon zurecht , bis der Vater wieder hier ist . « Robert wurde dunkelrot vor Scham , dennoch aber drängte es ihn unwiderstehlich , gerade jetzt von dem Geldkasten des Vaters zu sprechen . Er wußte nicht weshalb , aber er mußte es tun . » Du hast ja die ganze Kasse « , sagte er in möglichst sorglosem Ton , » wie könntest du also in Verlegenheit kommen , Mutter ? « Die alte Frau nahm ihre Brille ab und sah ihn voll Erstaunen an . » Du meinst das Geld des Vaters , Robert ? - Wie dürfte ich das ohne seine Einwilligung berühren ! « » Oh « , murmelte etwas fassungslos der Junge , » warum denn nicht ? Was dem Vater gehört , das ist ja auch dein Eigentum , Mutter . « » Freilich « , nickte die Alte , » aber Vater ist doch der Herr im Hause , und was er mir anvertraut , das muß ich heilig halten . Berechtigte Wünsche versagt er mir nie . « Robert seufzte . » Mir versagt er alle