Die Musik schwieg , ein Tanz war zu Ende , nach kurzer Pause wurde wieder aufgespielt , und jetzt hatte Bernhard die » Gräfin « erfaßt und wirbelte mit ihr durch die Stube . Nicht langsam und mattherzig wie ihr früherer Partner , frisch , mit fröhlicher Anmut und Leichtigkeit schwenkte er sie im Takte . Wie zwei Vögel schwebten sie , flogen sie , als ob die Lüfte sie trügen , jetzt im engen Kreise wie die Lerchen , jetzt wie die Schwalben - dahingleitend in weiten Bogen . Er flüsterte ihr etwas zu , und die kokette Dorfschöne blinzelte ihn herausfordernd an ; fester drückte er sie an sich , warf den Kopf zurück und schien zu fragen : Wer widerstände mir ? Sie , nicht minder selbstbewußt , aber weniger naiv , schlug die Augen nieder und schien zu antworten : Ich - vielleicht ! Bozena verwandte von den beiden keinen Blick , ihr Herz klopfte zum Zerspringen , schmerzliche Eifersucht zerschnitt ihr die Brust . Oh , jung sein und begehrenswert wie jene dort ! Im Angesichte aller mit Stolz von ihm umfangen werden wie sie , nur einmal , nur einen einzigen seligen Augenblick ! Tu ein Wunder , Gott , der du alles kannst ! Befriedige diese dürstende Sehnsucht , erlöse diese arme , ringende Seele , lasse sie einmal unschuldig sein ohne Reue und Scham ! ... Zu so unerfüllbaren Wünschen hatte Bozena sich verstiegen , als eine Stimme sie anrief : » Grüß Gott ! « Evas Vater , ein alter schöner Mann , war zu ihr getreten , er deutete mit dem Mundstück seiner Pfeife auf seine Tochter und fuhr fort : » Das tanzt ! das tanzt ! « Wohlgefällig betrachtete er sein Kind und sah dann wieder die Angeredete an , als wollte er sie zur Bewunderung auffordern . Schon drängte sich ein hartes Wort auf Bozenas Lippen , aber sie sprach es nicht aus , vielmehr sprach sie , den Greis forschend ins Auge fassend : » Ein schönes Paar ! « Der Bauer verzog den Mund : » Paar ? « wiederholte er , » Paar ? die zwei ? - je nun , auf dem Tanzboden - ja . « Und Bozena atmete auf . Derselbe Ausdruck des engherzigen Hochmuts , der in den welken Zügen des Alten wie versteinert lag - das blühende Gesicht seiner Eva trug ihn auch . Die wird ihr nicht im Ernste eine Nebenbuhlerin , der ist der Jäger trotz aller seiner Vorzüge zu gering ! - Bozena verließ die Wirtsstube , sie schritt über den Hof einem kleinen Obstgarten zu , von dem aus der Fußsteig , der bis an die Stadtmauer führte , leicht zu erreichen war . Auf eine Bank unter einem Apfelbaume ließ sie sich nieder und versank in ihre düsteren Gedanken . Eine kurze Zeit nur , und lebhafte , eilende Schritte näherten sich . Sie blickte nicht zurück , sie wußte , er ist es , er sucht sie auf . Im nächsten Augenblicke war er bei ihr , setzte sich neben sie auf die Bank und sprach schmeichelnd : » Bozena ! läßt sich die Böse endlich finden ? « Sie antwortete ihm nicht . Er suchte , jedoch vergeblich , ihre Hand zu fassen . » Was hast du wieder ? So sag doch ein Wort ! - Was ist dir ? « sagte Bernhard mit dem leicht erregten Unwillen verwöhnter Menschen . Nun fuhr sie auf : » Er fragt ! er fragt noch ! ... Wie ? jetzt kann er kommen , weil ich allein bin ! Vor den Leuten kennt er mich nicht ! ... Weißt du was ? Wie du mit mir spielst , so spielt die Eva mit dir ! « Das hatte sie nicht sagen wollen , nicht gleich , nicht so , aber der Ingrimm , der in ihr kochte , sprudelte die Worte heraus . Keuchend lehnte sie sich zurück an den Stamm des Baumes , biß die Zähne übereinander und kreuzte die Arme über der gequälten Brust . Bernhard lachte gezwungen . » Mit mir spielt niemand « , entgegnete er . » Die Eva weiß recht gut , daß mir ' s nicht im Ernst zu tun ist um sie . - Und du - solltest wissen , daß ich dich liebhabe ! « rief er mit plötzlich ausbrechender Zärtlichkeit und wollte sie umfassen . Sie stieß ihn zurück und sprach , an allen Gliedern bebend : » Seit einem Jahr vergällt er mir mein Leben . Küßt mich im geheimen und verleugnet mich vor den Leuten ... Fort von mir ! « herrschte sie , als er statt aller Antwort die Zürnende an sein Herz zu ziehen strebte : » Es muß aus sein - hörst du ? - ich verstelle und verstecke mich nicht mehr . Laß mich in Frieden , wenn du dich meiner schämst ! « Bozena stemmte die Hand gegen seine Brust und hielt ihn von sich mit ausgestrecktem Arme . Und mit diesem stählernen Arme , das wußte Bernhard wohl , hätte er vergeblich gerungen . So senkte er den Kopf auf ihn nieder , lehnte seine Wange daran und sprach : » Ich mag das Gerede der Klatschmäuler nicht - es könnte meinem Grafen zugetragen werden . Und der , du weißt ja , meint , am besten wär ' s für mich , wenn ich die Kammerjungfer der Frau Gräfin nähme . Aber ich mag sie nicht ! « rief er , sich aufrichtend . » Sie ist mir zuwider - ich hab nur eine gern ... Laß mich nur einmal Förster sein - und die ganze Welt soll schon sehen - wen ? ! « Es war ein Klang von warmer , überzeugender Empfindung in seinen Worten . Er hatte sie lieb , die Bozena , gewiß ; er war stolz auf den uneingeschränkten Besitz dieses bisher unbesiegten Herzens . Er freute sich der