willen . Und geglaubt hättet ihr mir nie , was ihr hier sehet mit Augen . « Er legte die Hand der Witwe in die zitternde Rechte des Albinus . » Seht , Rusticiana verzeiht : wer will jetzt noch widerstreben ? « - Überwunden und überwältigt verstummten alle . Für Cethegus schien das weitere jedes Interesse verloren zu haben . Er trat mit der Frau an die Wand im Hintergrund zurück . Der Priester aber sprach : » Albinus ist Glied des Bundes . « - » Und sein Eid , den er dem Tyrannen geschworen ? « fragte schüchtern Scävola . - » War erzwungen und ist ihm gelöst von der heiligen Kirche . Aber nun ist es Zeit , zu scheiden . Nur noch die eilendsten Geschäfte , die neuesten Botschaften . Hier , Licinius , der Festungsplan von Neapolis : du mußt ihn bis morgen nachgezeichnet haben , er geht an Belisar . Hier , Scävola , Briefe aus Byzanz , von Theodora , der frommen Gattin Justinians : du mußt sie beantworten . Da , Calpurnius , eine Anweisung auf eine halbe Million Solidi von Albinus : du sendest sie an den fränkischen Majordomus , er wirkt bei seinem König gegen die Goten . Hier , Pomponius , eine Liste der Patrioten in Dalmatien : du kennst die Dinge dort und die Menschen : sieh zu , ob bedeutende Namen fehlen . Euch allen aber sei gesagt , daß , nach heute erhaltenen Briefen von Ravenna , die Hand des Herrn schwer auf dem Tyrannen liegt : tiefe Schwermut , zu späte Reue über all seine Sünden soll seine Seele niederdrücken und der Trost der wahren Kirche bleibt ihm fern . Harret aus noch eine kleine Weile : bald wird ihn die zornige Stimme des Richters abrufen : dann kömmt der Tag der Freiheit . An den nächsten Iden , zur selben Stunde , treffen wir uns wieder . Der Segen des Herrn sei mit euch . « Eine Handbewegung des Diakons verabschiedete die Versammelten : die jungen Priester traten mit den Fackeln aus den Seitengängen und geleiteten die Einzelnen in verschiedenen Richtungen nach den nur ihnen bekannten Ausgängen der Katakomben . Viertes Kapitel . Silverius , Cethegus und Rusticiana stiegen miteinander die Stufen hinauf , welche in die Krypta der Basilika des heiligen Sebastian führten . Von da gingen sie durch die Kirche in das unmittelbar darangebaute Haus des Diakonus . Dort angelangt überzeugte sich dieser , daß alle Hausgenossen schliefen bis auf einen alten Sklaven , der im Atrium bei einer halb herabgebrannten Ampel wachte . Auf den Wink seines Herrn zündete er die neben ihm stehende silberfüßige Lampe an und drückte auf eine Fuge im Marmorgetäfel . Die Marmorplatten drehten sich um ihre Achse und ließen den Priester , der die Leuchte ergriffen , mit den beiden andern in ein kleines , niedres Gemach treten , dessen Öffnung sich hinter ihnen rasch und geräuschlos wieder schloß . Keine Ritze verriet nun wieder , daß hier eine Tür . Der kleine Raum , jetzt mit einem hohen Kreuz aus Holz , einem Betschemel und einigen christlichen Symbolen auf Goldgrund einfach ausgestattet , hatte in heidnischen Tagen offenbar , wie die an den Wänden hinlaufenden Polstersimse bezeugten , dem Zweck jener kleinen Gelage von zwei oder drei Gästen gedient , deren zwanglose Gemütlichkeit Horatius feiert . Zurzeit war hier das Asyl für die geheimsten geistlichen - - oder weltlichen - Gedanken des Diakonus . Schweigend setzte sich Cethegus , auf ein gegenüber in die Wand eingelegtes Mosaikgemälde den flüchtigen Blick des verwöhnten Kunstkenners werfend , auf den niederen Lectus . Während der Priester beschäftigt war , aus einem Mischkrug mit hochgeschweiften Henkeln Wein in die bereitstehenden Becher zu gießen und eine eherne Schale mit Früchten auf den dreifüßigen Bronzetisch zu stellen , stand Rusticiana Cethegus gegenüber , ihn mit unwillig staunenden Blicken messend . Kaum vierzig Jahre alt , zeigte das Weib Spuren einer seltenen , etwas männlichen Schönheit , die weniger durch das Alter als durch heftige Leidenschaften gelitten hatte ; schon war hier und da nicht graues , sondern weißes Haar in ihre rabenschwarzen Flechten gemischt , das Auge hatte einen unsteten Blick und starre Falten zogen sich gegen die immer bewegten Mundwinkel . Sie stützte die Linke auf den Erztisch und strich mit der Rechten wie nachsinnend über die Stirn , dabei fortwährend Cethegus anstarrend . Endlich sprach sie : » Mensch , sage , sage , Mann , welche Gewalt du über mich hast ? Ich liebe dich nicht mehr . Ich sollte dich hassen . Ich hasse dich auch . Und doch muß ich dir folgen willenlos . Wie der Vogel dem Auge der Schlange . Und du legst meine Hand , diese Hand , in die Hand jenes Schurken . Sage , du Frevler , welches ist diese Macht ? « Cethegus schwieg unaufmerksam . Endlich sagte er , sich zurücklehnend : » Gewohnheit , Rusticiana , Gewohnheit . « » Jawohl , Gewohnheit ! Gewohnheit einer Sklaverei , die besteht , seit ich denken kann . Daß ich als Mädchen den schönen Nachbarssohn bewunderte , war natürlich ; daß ich glaubte , du liebtest mich , war verzeihlich : du küßtest mich ja . Und wer konnte - damals ! - wissen , daß du nicht lieben kannst . Nichts : kaum dich selbst . Daß die Gattin des Boëthius diese wahnsinnige Liebe nicht erstickte , die du wie spielend wieder anfachtest , war eine Sünde , aber Gott und die Kirche haben sie mir verziehen . Doch , daß ich jetzt noch , nachdem ich jahrzehntelang deine herzlose Tücke kenne , nachdem die Glut der Leidenschaft erloschen in diesen Adern , daß ich jetzt noch blindlings deinem dämonischen Willen folgen muß - das ist eine Torheit zum Lautauflachen . « Und sie lachte hell und fuhr mit der Rechten über die Stirn . Der Priester hielt in seiner wirtlichen Beschäftigung inne und sah verstohlen auf Cethegus