- und Weg suchen helfen - den Weg zu jener Glückseligkeit , die das menschliche Gemüt zu allen Zeiten geahnt und gehofft hat . Peter Rosegger . » Weg nach Winkelsteg . « Diese Worte standen am Holzarm . Aber der Regen hatte die altförmigen Buchstaben schier verwaschen und der Balken selbst wackelte im Wind . Ringsum ist struppiger Tannenwald ; über demselben stehen ein paar uralte Lärchen empor , deren kahles Geäste weit hineinragt in den Himmel . In der Tiefe einer felsigen Schlucht braust Gewässer . Unzähligemale hat die alte Bergstraße mittels schiefer , halb eingesunkener Holzbrücken über diesen Alpenbach geführt , bis da herein , wo der Bergwald rechts sich lichtet und zwischen den Wipfeln zum erstenmale die Gletscher niederleuchten auf den Wanderer , der aus bevölkerten Gegenden kommt . Der Wildbach gießt von den Gletschern her . Die Straße aber wendet sich links , milderen Waldgeländen zu , um nach Öden und Wildnissen endlich wieder in belebte Ortschaften einzuziehen . Dem Flußgebiet entlang zieht nur ein verschwemmter steiniger Hohlweg , über welchen der Sturm Fichtenstämme geworfen hatte , die nun seit Jahrzehnten lehnen und dorren . Hier am Scheidewege auf dem Felsen stand ein hohes hölzernes Kreuz mit drei Querbalken und den bildlich dargestellten Marterwerkzeugen , der heiligen Leidensgeschichte , als : Speer , Schwammstab , Zange , Hammer und den drei Nägeln . Das Holz war wettergrau und bemoost . Eng daneben stand der Balken mit dem Arme und der Inschrift : » Weg nach Winkelsteg « . Dieses Zeichen wies den verwahrlosten steinigen Weg mit dem Gefälle - gegen das enge Hochtal , in dessen Hintergrunde die Schneefelder liegen . In fernster Höhe , über den licht sich hinziehenden Schneetüchern ragt ein grauer Kegel auf , an dessen Spitze Nebelflocken hängen . Ich saß auf einem Felsblock neben dem Kreuze und blickte zu jener grauen Spitze empor . Das war der weit und breit berühmte und berüchtigte graue Zahn - das Ziel meiner Gebirgsreise . Als ich so dasaß , hauchte jenes Gefühl durch meine Seele , von dem kein Mensch zu sagen weiß , wie es entsteht , was es bedeutet und warum es so sehr das Herz beklemmt , gleichsam mit einem Panzer der Ergebung umgürtet , auf daß es gerüstet sei gegen Etwas , das kommen muß . Ahnung nennen wir den wundersamen Hauch . Ich hätte vielleicht noch länger geruht auf dem Steine und dem Tosen des Wildwassers gelauscht ; allein mir schien , als strecke sich Holzarm immer länger und länger aus , und zum Mahnrufe wurden mir die Worte : » Weg nach Winkelsteg « . Und wahrhaftig , als ich mich erhob , da sah ich , daß mein Schatten schon ein gut Stück länger war , als ich selbst . Und wer weiß , wie weit ab es noch lag , das letzte und kleinste Dorf Winkelsteg . Ich ging rasch und sah nicht viel um . Ich merkte nur , daß die Wildnis immer größer wurde . Rehe hörte ich röhren im Wald , Geier hörte ich pfeifen in der Luft . Es begann zu dunkeln , und es war noch nicht Zeit zum Nachten . Über dem Gebirge lag ein Gewitter . Ein halb ersticktes Murren war zu hören , und nicht lange , so erhob sich ein Grollen und Rollen , als ob all die Felsen und Eiswuchten des Hochgebirges tausend- und tausendfach aneinander prallten . Die Bäume über mir bogen sich mächtig hin und her und in den breiten Blättern eines Ahorn rauschten schon die großen eiskalten Tropfen . Das Gewitter ging bis auf diese wenigen Tropfen vorüber . Weiter drin aber mußte es ärger gewesen sein , denn bald brauste mir im Hohlweg ein wilder Gießbach mit Erde , Steinen , Eis- und Holzstücken entgegen . Ich rettete mich an die Lehne hinan und kam mit großer Mühe vorwärts . Über der Gegend lag nun Nebel und an den Ästen der Tannen stieg er nieder bis zu dem feuchten Heidekraut des Bodens . Als er gegen die Abenddämmerung ging und als die Waldschlucht sich ein wenig weitete , kam ich in ein schmales Wiesental , dessen Länge ich des Nebel wegen nicht ermessen konnte . Die Matten waren bedeckt mit Eiskörnern ; der Bach hatte sein Bett überschritten und hatte die Brücke fortgerissen , die mich hätte hinübertragen sollen auf das jenseitige Ufer , von wo mir durch das Nebelgrauen ein weißes Kirchlein und die Bretterdächer einiger Häuser zuschimmerten . Es war frostig kalt . Ich rief hinüber zu den Leuten , die am Wasser arbeiteten , Holzblöcke auffingen und den Fluß zu regeln suchten . Sie schrien mir die Antwort zurück , sie könnten mir nicht helfen , ich müsse warten , bis das Wasser abgelaufen sei . Bis so ein Gießwasser abläuft , das kann die ganze Nacht währen . Ich wage es und will durch den Fluß waten . Aber als sie drüben diese meine Absicht bemerken , winken sie mir warnend ab . Und bald stemmt ein großer , hagerer , schwarzbärtiger Mann eine Stange an und schwingt sich mittels derselben zu mir herüber . Dann häuft er hart am Ufer einige Steine übereinander und legt auf dieselben das Brett , welches die anderen über die Fluten herüberschieben . - Dann nahm er mich an der Hand und sagte : » Nur fest anhalten ! « und führte mich über das schaukelnde Brett an das andere Ufer . Während wir über dem Wasser schwebten , hub das Aveglöcklein an zu klingen und die Leute zogen ihre Hüte ab . Der große schwarze Mann geleitete mich über die knisternden Eiskörner zum Dörfchen hinan . » So ist es , « brummte er unterwegs , » läßt der Herrgott was aufwachsen , haut ' s der Teufel wieder in die Erden hinein . Die Kohlpflanzen sind hin bis auf Stammel ; und das letzte Stammel auch . Der Hafer liegt auf dem Hintern und reckt seine Knie gegen den