da ? Das hat Sie wohl recht gefreut , Beste ? Na , den Tag , an welchem sie kommen würde , konnte ich nicht vorauswissen ; aber gewartet hab ich seit Jahren drauf . Jawohl , es ist auch für Sie eine recht nachdenkliche Geschichte , Fräulein Adelaide . Munter ! « Mit dem letzten Wort , welches sie nicht selten sowohl an ihre Reden vor dem Volk wie an ihre Selbstgespräche hing , nahm die Frau Adelheid das Siechenhaus mit Sturm , und zwar mit dem besten Willen , Ordnung , Friede und Sicherheit mit oder gegen den Willen der Leute darin aufzurichten . Fräulein Adelaide dagegen faßte das Handgelenk des jungen Hennig fester , drehte ihn mit einem ärgerlichen Ruck um und führte ihn zurück auf die Gartenterrasse des Lauenhofes unter den chinesischen Pavillon . Hier angekommen , ließ sie den kleinen Junker nach einem zweiten Ruck frei , sank sodann auf den nächsten Sessel und befand sich bereits im nächsten Augenblicke in der Gesellschaft des jüngeren Crébillon tief in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts mit Peccadillo auf dem Schoße und Mystax in angemessener Entfernung zu ihren Füßen ; - ach ja , Frau Gräfin von Baschi , ma vie est une mort continuelle . Je devrois , sans doute , me retirer de la cour : mais je suis foible , et je ne puis ni la souffrir ni la quitter . Es zeugte freilich von einer großen Mäßigung und Duldsamkeit , von einer höchst anerkennenswerten Milde im Charakter des Fräuleins , daß es so großes Elend so sanft ertrug und nicht längst den Hof , nämlich den Lauenhof , verlassen hatte , um in die orientalische Frage einzugreifen und als Prätendentin für den Thron von Byzanz aufzutreten . Der junge Hennig , dessen Leben noch nicht ein ununterbrochenes Sterben war , vergaß bald die Ereignisse des Nachmittags , den Karren , den Wachtmeister , die kranke Frau mit dem kleinen Mädchen über wichtigeren Angelegenheiten , Die Verwalter ritten von den Feldern heim , und in ihrer Begleitung begann er die gewohnten Inspektionswege durch Kuh- und Pferdeställe . Dann war die Klappermühle im Bach , welche er am Morgen aufgerichtet hatte , im Gange zu halten ; der Hühnerhof verlangte sein Recht , und mit der Dämmerung meldete sich das nicht ungerechtfertigte Verlangen nach dem Abendessen . Der Tag war hingegangen , ohne daß er sowohl für das Fräulein von Saint-Trouin wie für den Knaben etwas absonderlich Merkwürdiges mitgebracht hatte . Eiligen Schrittes kam die Gutsfrau vom Siechenhause zurück und stürzte sich von neuem in die gewohnteren Sorgen . Einige Zeit später kam der Chevalier langsam , melancholisch nachdenklich heim , stand einige Minuten wortkarg in dem Getümmel , der Unruhe , die auf dem Lande dem Feierabend voranzugehen pflegen , und schloß sich dann bis zum Klange der Tischglocke in seinem Zimmer ein . Nachdem diese Glocke er- und verklungen war und der sonst so pünktliche Ritter noch immer nicht erschien , stieg Mystax die Treppe hinauf , um ihn zu holen , und kratzte leise an seiner Zimmertür . Ihm gelang es , den Ritter aus seiner trüben Mutlosigkeit emporzuziehen , und unter seiner Führung erschien der Herr von Glaubigern in dem Gartensaale , in welchem der Tisch gedeckt stand . Es war ein schöner Abend . Die Fenster und Flügeltüren des Saales waren weit geöffnet . Unter ihren hellen Glasglocken flackerten die Lampenflammen nur ganz wenig im kühlern Abendwinde , und vergeblich versuchten die verirrten Nachtschmetterlinge im taumelnden Flug gegen das Licht zu ihrem Verderben zu gelangen . Draußen rauschte und lispelte der Garten , die Frösche ließen sich bald näher , bald ferner vernehmen , und die Leute vom Lauenhofe hatten alle einen guten Appetit - alle , bis auf den Ritter von Glaubigern , welcher durchaus gar keinen Appetit bewies und gegenüber den freundlichsten Ermutigungen der Gutsherrin nur die Hand auf den Magen legte und mit stummem Achselzucken um Entschuldigung bat . Nach dem Essen kam die Stunde , in welcher die Zeit , vorzüglich nach einem solchen heißen Tage , stillzustehen scheint , die Stunde , in der selbst der gefürchtetste und gehaßteste Anekdotenerzähler es wagen darf , sich noch einmal ungestraft seinem Laster hinzugehen , weil jedermann , geschaukelt zwischen dem Bewußtsein , daß es heute sehr heiß war und jetzt so angenehm kühl sei , manches ruhig hinnimmt , wogegen er sich in muntereren Minuten auf das hartnäckigste wehren würde . Zwischen Schlafen und Wachen , mit der Stirn auf dem Knie des Chevaliers liegend , vernahm Hennig von Lauen die Geschichte der schönen Marie Häußler , verstand jedoch wenig mehr davon , als daß sie für die meisten Leute sehr traurig und unbehaglich war , aber dem Fräulein Adelaide von Saint-Trouin zu vielen ausgesuchten und treffenden Bemerkungen Anlaß gab . Plötzlich fühlte er eine Hand in seinen Haaren und vernahm blinzelnd auftaumelnd die Worte der Mutter : » Der Junge schnarcht doch zu greulich ! Marsch zu Bett ! Munter ! « Am folgenden Morgen wußte er weder von der Geschichte noch von den Bemerkungen das geringste mehr , und das war in mehrfacher Beziehung recht gut . Fünftes Kapitel Die Alten und die Jungen , die Patrizier und die Plebejer , die Klugen und die Narren , die ehrbaren Frauen und jene muntern Frauen in roter Haube oder gelbem Mantel zogen sie hervor aus den Häusern oder huben sie auf in den Gassen und luden sie auf jenen schrecklichen schwarzen Karren , den Schüdderump . Das ist lange her . Der schwarze Wagen ist zu einer unvergleichlichen Merkwürdigkeit geworden und wird dem durchreisenden Fremden als die einzige Kuriosität des Städtchens , welches das Glück hat , ihn zu besitzen , gezeigt ! Es ist lange , lange her , seit er zum letztenmal in Gebrauch war , seit zum letztenmal die Lebendigen vor dem dumpfen Geknarr seiner Räder vom Fenster wegstürzten und scheu einander ansahen und sich die Ohren verstopften ! Wir haben eine sich selbst