dem hölzernen Aufwärter mit dem unbarmherzigen , starren Geldtaschengesichte nach , um ein vertrautes Wort mit ihm zu reden , als der Hans daherpolterte , Dorotheen johlend bei der Hand faßte und eine Maß Glühwein samt geschliffenen Gläsern zu bringen befahl . Wäre Jos imstande gewesen , noch eine Weile in dem Winkel zu bleiben , in den er sich versteckte , so würde er gesehen haben , wie Dorotheens schöne Augen auch an Hansens vielbeneideter Seite ihn immer noch in allen Ecken suchten . Aber als ob der Boden unter seinen Füßen brenne , war er heimgeeilt zur Mutter , der er nun seine Not zu klagen begann . Ja , die arme Schnepfauerin hätte dem freundlichen Leser sagen können , warum das gerade in ihr Kapitel hinein habe kommen müssen . Alles , was der Jos in seinem Unmute so bitter beklagte , lastete auch auf ihr und ward ihr noch doppelt schwer durch den Gedanken , daß eigentlich sie und nur sie an allem schuld sei . » Die Sünden der Eltern werden noch an den Kindern gestraft « , das hörte die Arme schon früher und hatte nur zu oft Gelegenheit , die Wahrheit dieses Spruches zu erfahren . War es ihr nun auch noch so schmerzlich , ihren Jos ganz unschuldig einzig ihretwegen immer wieder angefeindet und zurückgesetzt zu sehen , so hatte sie dabei doch wieder den Trost , daß der arme Junge sich dadurch doch den Himmel verdienen könnte . Damit vermochte sie sich wieder zu beruhigen , wenn Jos einmal mit kaltem Lachen sagte , solche Leute wie er seien einmal dazu da , daß andere ein Vergnügen hätten und nach Belieben auf ihnen herumtrampeln können . Diese Ruhe der Verzweiflung , die sie Geduld und Ergebung in den Willen Gottes nannte , hielt sie für die größte Gnade , die dem Jos verliehen werden konnte . Sie sah darin einen Beweis , daß er wenigstens von Gott nicht verlassen sei . Aber seit jenem Abende war auch dieser Trost verloren . Jos kam als ein ganz anderer heim , und vergebens betete sie seitdem , daß Gott ihm die frühere Ruhe wieder verleihen , unter der ihn drückenden Last nicht auch seine Seele tiefer und immer tiefer sinken lassen möge . Der alte war Jos seit dem Faschingsdienstag allerdings nicht mehr , das hätte nicht nur der Scharfblick der liebenden Mutter wahrnehmen können ; aber man hätte die Veränderung ebensogut einem plötzlichen Aufschnellen seiner lange niedergehaltenen inneren Kraft als einem Abnehmen der Gnade Gottes zuschreiben können . Wenn ihn jetzt der Druck der Fesseln schmerzte , an denen er immer gewaltiger rüttelte , so machte ihn das nicht mehr schwach wie früher , sondern immer wilder und trotziger . Das brachte die Mutter beinahe zur Verzweiflung und machte wahr , was sie schon seit Wochen fürchtete . Der Krämer war mit dem Jos nicht mehr zufrieden und gab ihm endlich , als die vielen Arbeiten auf Ostern fertig waren , mit einem Wochenlöhnchen , das die Mutter nur nährte , weil auch sie mit Sticken noch manchen Batzen dazu verdiente , den Abschied . Es wäre ihm bange gewesen , wenn er so ohne besseren Bericht zur Mutter hätte gehen müssen . Der unbewußt in ihm erwachende Wunsch , von jetzt an neben dem lieben Mädchen zu leben und zu arbeiten , hatte ihn in die Nähe des Glücklichen getrieben , der das ganze liebe , lange Jahr kaum von ihrer Seite kam . Hansens Antrag trieb ihm alles Blut ins Gesicht , und auch noch , nachdem er zugesagt hatte , plagte ihn beständig die Frage , wie oft es ihm wohl gehen werde wie am Faschingsdienstag . Ja , er hatte wirklich nur zu kommen versprochen , weil er wußte , daß das die Mutter freuen werde , wie die Arme lange nichts mehr gefreut . Als dann Hans das schöne , frohe Zusammenleben mit Dorotheen schilderte , ward ihm unaussprechlich weh , und er verließ seinen künftigen Brotherrn in der übelsten Stimmung . Vor der Beige von Bach- oder Bettlerholz , welches er und die Mutter nach einer Überschwemmung neben der Ach zusammengelesen hatten , blieb er stehen und sah das Bild des Mondes , wie es von den kleinen , halbblinden Scheiben der Fenster seines Häuschens trüb und traurig zurückgeworfen wurde . » Alles « , rief er laut , » gar alles , auch der liebe Mond kommt verdorben wieder aus so einer Hütte . Ist ' s da noch zum Verwundern , wenn man auch an mir etwas Ähnliches bemerken will ? « Jetzt öffnete sich das Fenster , und eine sanfte Frauenstimme fragte : » Jos - bist du da ? « Wie aus dem geöffneten Fenster das trübe Bild des Mondes , so war auch des Schneiders Unmut plötzlich verschwunden . Die Mutter war also auch noch wach . Vermutlich hatte sie bis jetzt immer gestickt , um mit ihrer Arbeit noch vor den Feiertagen fertig zu werden und den Lohn dafür zu erhalten . » Ja , Mutter « , antwortete er ganz eigen weich , und im nächsten Augenblicke knarrte die schwere Haustür . » Ich hab ' deinetwegen schon fast Kummer gehabt « , redete die blasse Schnepfauerin den Eintretenden an , indem sie mit der weißen , fast durchsichtigen Hand über die wohl vom vielen Nachtarbeiten so stark geröteten Augen fuhr . » Du kommst sonst immer zur rechten Zeit « , setzte sie lobend bei und versuchte zu lächeln . » Was würdest du aber sagen , Mutter , wenn ich von jetzt an auch abends nicht mehr heimkommen tät ' ? « fragte Jos , indem er sich neben sie auf die Ofenbank setzte und ihre Hand ergriff . » Großer Gott ! Bedeutet es kein Unglück , daß wir so auf den gleichen Gedanken gekommen sind ? Wenn du nicht mehr kommen tätest und mir tragen hülfest und dich freutest mit mir , es wäre so