wurde roth , als sie diese Worte sprach , und der Caplan hätte die Aeußerung für seine Zwecke nicht besser wünschen können . Das ist leider wahr und sehr erklärlich , sagte er . Als die verstorbene Frau Baronin noch am Leben war und Sie im Schlosse noch aus-und eingingen , war es freilich anders , und die gnädige Frau hat sicherlich nicht erwartet , was hernach geschehen ist . Hochwürden , rief Pauline und hob die Hände unwillkürlich bittend zu ihm empor , sprechen Sie davon nicht , jetzt nicht ! Seit neun Tagen ist der Herr Baron nicht mehr hier gewesen , obschon er auf dem Schlosse war die ganze lange Zeit ; seit neun Tagen ist mein Leben ein einziges Warten gewesen Tag und Nacht ! Ich weiß vor Angst und Qual nicht mehr , wie mir zu Muthe ist ; ich habe genug auf dem Herzen , auch ohne daß ich an die selige Frau Baronin denke ! Und hoffen Sie denn , daß Sie hier in Rothenfeld , so lange Sie in der Nähe des Schlosses leben , jemals zur Ruhe kommen werden ? fragte er nachdrücklich . Sie war bis dahin äußerlich gefaßt und ruhig gewesen , bei dieser Frage aber fuhr sie augenblicklich leidenschaftlich empor . So lange ich in der Nähe des Schlosses bin ? Wo soll ich denn anders sein als hier , als hier , wo ich geboren bin und hingehöre ? Ich gehe auch nicht fort von hier , gewiß und bestimmt nicht ! Ich habe ihm das selbst gesagt seit all den Wochen und Wochen , und wenn Sie nur deßhalb hergekommen sind , Hochwürden , so .... Sie vermochte seinem ruhigen Blicke gegenüber das trotzige Wort nicht zu vollenden , und plötzlich abbrechend rief sie : Alles , alles , was er will - nur nicht fort von hier ! Sie nannte den Namen des Barons auch jetzt wieder nicht , indeß die Art , in welcher sie ihn bezeichnete , gab deutlich das Verhältniß kund , in dem sie seit Jahren zu ihm gestanden , und das Gefühl der Berechtigung , daß sie dadurch neben ihm gewonnen hatte . Sie dauerte den Caplan ; er sah sie an , um in ihrem gramerfüllten und doch stolzen Antlitz die Züge des einst so freundlichen und heiteren Kindes wiederzufinden , und unwillkürlich gab er ihr schweigend die Hand . Das machte einen erschütternden Eindruck auf sie . Sie schlug die Augen nieder und schien sich ihrer Heftigkeit zu schämen . Es thut mir leid , sagte er , daß ich Sie so wiederfinde und daß ich mit solchem Auftrage , wie der meine , zu Ihnen kommen muß ; denn allerdings ist es die Nothwendigkeit Ihrer Entfernung , die ich Ihnen begreiflich zu machen wünsche . - Er hielt inne , sein Blick lag fortdauernd mit demselben ruhigen Ernste über ihr . Sie waren solch ein gutes Kind , solch braves Mädchen ! sagte er nach einer Weile . Ein Zug von Schmerz flog über ihre Mienen , sie antwortete und regte sich nicht . Als ich es dem Herrn Baron verhieß , zu Ihnen zu gehen und mit Ihnen zu sprechen , fuhr der Caplan fort , brachte ich ein Opfer damit . Jetzt freut es mich , daß ich gekommen bin , denn ich hoffe , auch Ihnen soll es zu Gute kommen . Mir ? Was können Sie mir helfen , wenn Sie es auch wollten ? unterbrach sie ihn . Der gnädige Herr allein .... Der Caplan ließ sie nicht weiter sprechen . Es ist fern von mir , fuhr er fort , Ihnen Vorstellungen , Vorwürfe zu machen , welche Ihr eigenes Gewissen Ihnen in ruhigen Stunden sicherlich nicht erspart . Es ist eben so fern von mir , Ihnen den Weg nennen zu wollen , auf dem Sie bisher gegangen sind . Sie haben Verstand , Sie haben ein Herz , Sie müssen also den Unsegen Ihrer Lage selbst empfunden haben , und Ihr Kind wird den Makel seiner Geburt durch sein ganzes Leben tragen . Aber Sie waren jung , als Sie den ersten Schritt zur Sünde thaten , und .... Sünde ? wiederholte sie , indem sie sich aufrichtete , was habe ich denn gesündigt ? Pauline ! rief der Geistliche mit Strenge , wen wollen Sie jetzt täuschen , sich oder mich ? Nicht Sie , nicht mich ! entgegnete sie fest und mit einer Sicherheit , welche ihrem Wesen einen großen Adel verlieh . Es ist wahr , ich bin seit Jahren die Geliebte des gnädigen Herrn ! Soll das mein Verbrechen sein ? - Wer sich einen Baum groß zieht , dem gehört der Baum , der kann damit schalten und walten , wie ' s ihm gutdünkt , und wenn der Baum von sich wüßte , wie ein Mensch , so müßt ' s ihm recht und lieb sein , wenn sein Herr sich an ihm freut . Als ich klein war , fuhr sie mit wachsender Lebhaftigkeit und Freiheit fort , kleiner und hülfloser als jetzt sein Kind , da hat er sein Leben daran gesetzt , mir das meine zu erhalten . Obdach und Nahrung , Kleidung und Wartung , Pflege und Lehre habe ich gehabt , und Alles durch ihn , und habe keinen andern Menschen auf der Welt gehabt , als ihn . Was er mich hat thun heißen , das habe ich gethan von Kindesbeinen an . Als ich groß geworden war , hat er mir gesagt , daß er mich liebte und daß er mich nie verlassen würde , und ich habe ihm das geglaubt , denn ich habe an ihm gehangen , seit ich denken kann , und was er mir versprochen hat , das hat er auch immer gehalten . Es hat mir mein Gewissen auch nicht beschwert , als das Kind gekommen ist und hat mich mit seines Vaters Augen angesehen . Gar nicht ! - Ja